Ideologie-Christen

Es gibt auch Christen, die einem Christentum als Ideologie folgen. Das bedeutet, dass man ein Weltbild hat, das man von Jesus Christus herleitet, und alle anderen Christen wie Nichtchristen darein pressen möchte. Der christliche Glaube, wie ich ihn von Jesus Christus her verstehe, atmet Freiheit. Anderen wird Raum gelassen. Jesus hat jeden einzelnen Menschen den Kontakt mit Gott geschenkt – und jeder darf ihn auch in seiner ihm eigenen Verantwortung  vor Gott und den Menschen leben. Da gibt es keine Verkrampfungen, keine Verbiegungen. Was es freilich gibt – und auch da sehe ich Jesus als Kämpfer -: Erniedrigungen anderer haben in Gotteskindern keinen Raum; Selbstüberhöhung über andere zeigt ein Leben, das nicht von Gott bestimmt ist; andere mit Worten und Taten verletzen, muss vermieden werden – freilich bedeutetet das für Jesus nicht, zu kuschen und die Wahrheit zu verraten. Ein ganz schmaler Grat. Kein Mensch gehört dem anderen – jeder ist vor Gott für sein Leben verantwortlich – es da zu leben, wo Gott ihn hingestellt hat. Jesus hat Freiheit gebracht – und er hat den Menschen einen ganz neuen Weg aufgezeichnet: Mut zu haben zur Liebe. Dass wir immer wieder in Gefahr geraten, zu christlichen Ideologen zu werden, liegt nahe. Die Gemeinschaft mit möglichst vielen Christen unterschiedlichster Ansichten verhindert eine Erstarrung, eine Ideologisierung. Und noch was: Auch Menschen anderer Religionen kennenlernen – das lässt sie als Menschen sehen. Freilich gilt auch das Wort, das wir bei Paulus finden: Zur Freiheit hat euch Christus befreit – werdet nicht Knechte der Menschen.   

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