EU

Ich bin nicht gegen die EU. Ich bin aber gegen einen Riesenstaat, in dem die Nationalstaaten kaum mehr etwas zu sagen haben. In so einem Riesenstaat müssen alle über einen Kamm geschert werden, es müssen auf lange Sicht gesehen, alle nach einer Pfeife tanzen – und das geht auf Dauer nicht ohne Zwang. Im Augenblick pfeifen sie alle mit unterschiedlichen Pfeifen, doch es muss was geben, was dieses Gebilde zusammenhält. Und dann sucht man sich etwas, das eine Einheit bilden kann. Die christliche Religion bildet die für manche ungeliebte Basis – kann es aber für so manchen mit Blick auf die islamisch-atheistische Zukunft nicht mehr sein. Unterschiedliche Rechtssysteme können einer gemeinsamen Basis angepasst werden – solange die Staaten eine gemeinsame Tradition hatten bzw. solange das westeuropäische System verlockend ist. Wirtschaftlicher Aufschwung scheint die gemeinsame Basis zu sein, wenn man sieht, wie sie alle kämpfen – aber sie greift als gesellschaftlicher Kitt zu kurz. Und darum haben die auch ziemliche Angst, dass es wirtschaftlich daneben gehen könnte. Demokratie gehört dazu – und darum wird, soweit ich sehe, auch kaum mehr diskutiert, was das eigentlich ist, Demokratie. Ist das Parteiensystem die einzige Möglichkeit? Aber ich denke, wenn man das ankratzt, dann kann es sein, dass alles zusammenbricht – und vermutlich schlimmer ist als die Wirtschaftskrise. Was könnte die Basis für Europa sein?  

So ein Europa würde ich mögen: Ein Europa, das wichtige Dinge regelt, das sich für Menschenrechte einsetzt, auch für wirtschaftliche Einheit, aber sich um nationalen Kleinkram nicht kümmert. Ein Europa, das sich seiner kulturellen Wurzeln bewusst wird, sich darüber austauscht, voneinander lernt, Gutes abschaut, Übles fallen lässt. Ein Europa, das nicht – wie man Kraken nachsagt – überall seine Fangarme drin hat, sondern den nationalen Eigenheiten bewusst Raum lässt. Es muss doch nicht alles geregelt werden: die einen verkaufen dieses Bier, die anderen jenen Wein, die einen diese Gurken, die anderen jene Äpfel, die einen diese Glühbirnen, die anderen jene… Manche Dinge regeln sich allein schon über die Wirtschaft – und durch die Verbraucher. Was ich gut finde ist, dass die Grenzen offen sind, dass es Gruppen gibt, die sich um Einheit und Treffen bemühen (z.B. Städtepartnerschaften), die einheitliche Währung, dass Menschen von einen Staat in den anderen ziehen dürfen, dass man in Schulbüchern und Medien (hier normalerweise) nicht mehr übereinander herzieht und gegen einander Stimmung macht… – Freilich sind das nur Dinge, die oberflächlich besonders sichtbar werden.

 

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Eine Antwort auf „EU“

  1. Oh, wie wahr! Wie wahr!
    Klarer kann es ja wohl nicht gesagt werden, was ein Vereintes Europa nicht sein darf und was ein Vereintes Europa nach Wunsch und Denken der Väter des Europäischen Gedankens sein müsste!

    Aber die oben geäußerte und jetzt gelesene Wahrheit, von W.F. vertreten, die ihren Grund in der Werdegeschichte eines Vereinten Europas hat, ist wohl den meisten politisch motivierten und aktiven Zeitgenossen in vielen Parlamenten nicht bekannt -oder aber wenn das doch, dann als „unzeitgemäß“ der Beliebigkeit dem „Mainstream“ entsprechend zu unterwerfen und entsprechend zu verändern…..
    Das geschieht radikal -zum Schaden Europas!
    Wer erkennt nicht, die tiefe Verunsicherung der EU Kommission angesichts der Risse und Spalten, die sich zwischen den Mitgliedstaaten aufgetan haben -und diese werden mehr und mehr und immer tiefer klaffend.
    Ein Europa der Vaterländer: das war die Vision der „Väter“
    und niemals ein gefährliches Gemisch von Völkern und Kulturen -hoch explosiv schon heute.
    Das alles Folge der Verachtung, die der Historie von denen zuteil wird, die sagen, predigen und brüllen:
    „Es ist genug! Darum Veränderung“ a la Pauli, Ypsilanti, der linken Sozialdemokratie und der giftgrünen Roths und Trittins und anderer…… Neues muss her! Wenn nicht freiwillig, dann aufs Auge gedrückt:
    Wurzeln und Fundamente der Völker Europas haben keine Bedeutung mehr. Sie müssen herausgerissen und gesprengt werden zu Gunsten eines giftigen Multikulturismus!

    Ein solches Europa wollen die Nationen nicht. Darum wehren sie sich gegen die gefährlichen Spinner, die von einer „schönen, neuen Welt“ träumen und schwätzen.
    Frau Merkel, merken sie nicht, dass es heute um Sein oder Nichtsein der europäischen Staaten geht? Wer sein Nationalbewusstsein, seine kulturelle Identität aufgibt kann niemals ein guter „Europäer“ sein. Er versinkt im No Name der Geschichte!
    Ist das so schwer zu begreifen?

    Noch ist Zeit, das schon in diese Richtung eingeschlagene Steuer herumzureißen. Frau Kanzlerin: NOCH ist Zeit jedoch nicht mehr lange!
    Davon ist überzeugt

    dasEcholot

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