Christen-Nichtchristen 2

Wissenschaft gäbe es auch ohne das Christentum, so hätten Chinesen das Schwarzpulver erfunden usw. Nun, ein Christ, der sagt, dass es Wissenschaft nur gibt, weil es Christentum gibt, ist genauso neben der Spur, wie der Nicht-Christ, der sagt, Christen hätten mit Wissenschaft nichts zu tun, weil bisher keine Pfarrer einen Nobelpreis für Naturwissenschaften bekommen hätten. Solche Argumentationsstrukturen entbehren jeglicher geschichtlichen und im Grunde auch jegliche ernst zu nehmende Grundlage. Nun, ich weiß nicht, ob ein Pfarrer einen Nobelpreis für Naturwissenschaften bekommen hat – was ja freilich auch vollkommen gleichgültig ist, weil die Nobelpreisträger selbst sehr bescheidene Menschen sind: Sie wissen, dass ihre Auszeichnung Folge vieler Forschergenerationen sind. Der Nobelpreisträger steht auf den Schultern von anderen Forschern – und hier gab es viele naturwissenschaftlich interessierte und weiterführende Theologen. Aber auch kleine Dinge, die das Leben erleichterten sind in unserem Kulturraum in Klöstern konzentriert und weitergeführt worden. Oder: Wissenschaftler wurden theologisch gebildet, bevor sie in eine wissenschaftliche Richtung weitergeganen sind. Wer kann und mag da so genau sezieren, was nun Folge seiner christlichen Bildung ist oder nicht. Was das Christentum freilich genommen hat, das ist die Angst vor Naturgöttern. Das finden einige heute nicht so gut: Steckt im Baum ein Gott, muss man ihm anders begegnen als wenn er „nur“ Geschöpf ist. Natur wird entsakralisiert und das bedeutet, sie wird für neutrales und angstloses Beobachten und Handeln zugänglich. Immer wieder wird auch behauptet, dass das Christentum Obduktionen/Sektionen verboten habe. Sicher, der einflussreiche Augustinus hat sich dagegen ausgesprochen, weil Sektionen nicht den ganzen Menschen erkennen lassen, nur seinen Körper – aber soweit ich gesehen habe, gibt es dagegen keine offiziellen Stellungnahmen und in manchen Gegenden wurden sie praktiziert in manchen nicht: Man hatte Scheu häufig vor dem Körper. (Wobei ich kein Fachmann für dieses Thema bin: Ich lasse mich gerne eines anderen belehren.)   

Mir ist klar: Auch moderne Atheisten müssen sich irgendwie in der Geschichte verorten können und suchen darum ihre „Heiligen“ – wunderschön sichtbar an den Humanisten der Gegenwart, die alle möglichen Vorläufer für sich vereinnahmen. Aber das ist soziopsychologisch verständlich. Das tun alle. Nur sollte man heute den Mechanismus durchschaut haben. Ja, sicher, Christen haben das auch gemacht – sind ja auch Menschen… oder? Kleine Überraschung noch am Schluss: Schwarzpulver-Erfindung in China? Zweifel werden angemeldet: http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzpulver Nur am Rande: Ab wann waren Christen schon in China? Soweit ich weiß schon ab dem 7. Jahrhundert – nachweisbar. Überall müssen die Kerle doch die Finger drin haben…

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