Gewissen

Sicher, ein Thema, das den Blog sprengt. Aber dennoch: Was ist das – Gewissen? Man unterscheidet gut und böse. Warum? Um seiner Gruppe – man muss „ur-zeitlich“ denken – nicht zu schaden: Gut ist das, was alle für gut ansehen, böse ist, was der Gruppe schadet. Wie kommt es zum Gewissen? Offenheit, Gutes und Böses unterscheiden zu wollen, scheint wohl angeboren (lassen wir religiöse Verstehensversuche mal außen vor). Was prägt ein Gewissen? Wer sagt uns, was gut und böse ist? Unsere Eltern sagen das, unsere Freunde, die Menschen, die zu meiner Gruppe gehören. Unser europäisches Gewissen ist intensiv neutestamentlich – also von Jesus und seinen Nachfolgern (auch Humanisten haben christliche Erziehung genossen) – geprägt worden. Wir finden es böse, anderen Menschen, wer sie auch seien, weh zu tun… Und nun kommen andere Gruppen, die nicht in dieser Tradition stehen. Woran ist ihr Gewissen ausgerichtet? – Und damit kommt es zu Konflikten. Und wir, die wir ein im oben genannten Sinn humanisiertes Gewissen haben, wissen kaum mit Menschen umzugehen, die ein Gewissen haben, das nicht entsprechend humanisiert ist. Lassen wir unser Gewissen nun von ihnen prägen? Jesus hat hier neue Akzente gesetzt: Nicht mein Feind darf bestimmen, wie ich ihm zu begegnen habe. Wenn mir einer eine runterhaut, und ich doppelt zurückschlage, dann habe ich dieselbe Gesinnung wie der Feind. Menschen, die zu Gott gehören, sollen Gottes Gesinnung haben. Nun tritt aber ein Problem auf: Das ist einer Gesellschaft, die sich als Ganze gefährdet sieht, kaum zu vermitteln. Welche Wege können gegangen werden, die dem humanisierten Gewissen entsprechen, aber gleichzeitig dem Feind kraftvoll Paroli bieten? Für Christen ist klar: Mission, Menschen, die sich Gott zuwenden, deren Gewissen wird in unserem Sinne humanisiert. Für unsere Gesellschaft müsste es klar sein: Mission zur mühsam errungenen Demokratie. „Mission“ bedeutet nicht: Es wird sich schon alles mit den Stimmzetteln regeln, sondern selbst tatkräftig für dieses Bild, das wir von einer humanisierten Gesellschaft haben, werben. Ich bin sicher, es hat auch für viele Menschen anderer Kulturen einen großen Wert… Und man muss diesen Menschen den Freiraum schaffen, das auch leben zu können. Wenn wir hören, dass dort, wo Moscheen gebaut werden, die muslimischen Menschen auch wieder ängstlicher und „traditioneller“ werden, dann haben wir als demokratische Gesellschaft versagt. Und man lässt sie von politischer Seite voll ins Messer laufen, unterstützt die Hardliner, diejenigen, die den Mund weit aufreißen, lässt sich von ihren Schönrednern einlullen, die gleichzeitig unter der Hand ihre Machtimperien aufbauen.

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