Indianer-Dilemma

Da steht man nun wie die begossenen Pudel mitten im Dilemma. Indianerstämme in Brasilien haben Kind-Tötungsriten. So kann ein Kind zum Beispiel lebendig begraben werden. Nun haben Missionare das an die Öffentlichkeit gebracht http://www.kath.net/detail.php?id=23027 und der Aufruhr unter Indianerfreunden ist groß. Das Dilemma? Indianer sollen ihre Kultur so leben dürfen wie sie wollen, von böser westlicher Kultur und dem damit zusammenhängenden Christentum unverfälscht, wunderbar urtümlich, traumhaft exotisch … – andererseits haben sie auch Verhaltensweisen, die weniger wunderbar und traumhaft sind. Was tun? Die einen sagen: Lasst sie die Kinder töten, das ist halt deren Brauch – die anderen sagen: Nein, auch Kinder haben ein Recht auf Leben. Diese Diskussion ist – sehen wir von allen menschenverachtenden Intentionen ab – spannend, weil sie auch eine Einstellung zeigt, die mit anderen Religionen zusammenhängt: Lasst den Hindus ihre Kasten, lasst den jeweiligen arabischen Stämmen ihre Steinigungen und anderen darüber hinaus ihre Ehren/Schandmorde, lasst den jeweiligen asiatischen Kulturen ihre Frauendezimierungen, lasst den afrikanischen Traditionen ihren angstmachenden Geister- und Dämonenglauben… – es gehört alles zu deren Kultur dazu. Wie sehr unsere Kultur im Gegensatz zu solchen Ansichten das Individuum im Blick hat, dessen Leiden behoben werden muss, wird hieran erkennbar. Das Individuum hat seine Rechte – über Religionen und Kulturen hinaus. So lehrt uns als einer der Ersten Jesus. Es kommt nicht von ungefähr, dass gleichschaltende Ideologien im Christentum ihren Gegner sehen. (Freilich gibt es diese Intentionen, die das Individuum betonen, auch bei den Stoikern usw. – aber die sind nicht mehr so sehr direkt wirksam wie das Christentum. Ihr Einfluss auf die Aufklärung wird ohne Zweifel begründbar sein – aber damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Womit ich mich auch noch nicht beschäftigt habe, wovon aber immer wieder Infos an mein Ohr dringen, ist, dass bis vor wenigen Jahrzehnten auch in unseren Krankenhäusern nicht weniger schlimme Zustände herrschten als bei den Indios – und was ist heute mit den Abtreibungen?)   

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