Christen + Koran

Christen haben die bequeme Möglichkeit, ihr Fehlverhalten zu erklären: Der Chef ist prima – seine Anhänger sind übel. Beim Islam kann man das vom Chef nicht behaupten – zumindest nach christlichen/menschenrechtsorientierten Maßstäben. Natürlich kann man Mohammed nicht mit unseren gegenwärtigen mitteleuropäischen Maßstäben beurteilen. Gegenwart? Mitteleuropäische Maßstäbe? Jesus handelte in Israel schon vor 2000 Jahren menschlich. Er war ja auch kein Karawanenüberfaller und Kriegsherr. Wem das zu hart ist, der lese einfach mal im Koran, der streckenweise aus Kampfreden an seine Untergebenen besteht: zur Aufmunterung und zum Geldeintreiben. Ein Tipp für diejenigen, die sich nicht so gerne durch die endlos langen ersten Suren durchkämpfen wollen: mal von hinten mit den kürzeren Suren anfangen. Übrigens: Wer die 113. und 114. Sure liest, denkt unwillkürlich an Buddha. Und schon die 111. Sure ist eine deftige Verfluchung seines Onkels, weil dieser ihn nicht anerkannt hat – und daneben steht die so tolerante 109. Sure. Und dann darf man die 98. Sure genießen – die freilich nicht besonders originell ist, sondern in seiner jüdisch-christlichen Gerichts-Tradition steht. Freilich sollte man sie auch immer mit Blick darauf lesen, dass Mohammed nicht zimperlich war, so manche Tat Allahs schon zu vollziehen. Originell sind diese Suren insofern, als sie die apokalyptischen Höllenstrafen und das Locken mit Lohn immer wieder einhämmern. Kaum eine dieser Suren kommt ohne dieses Drohen aus. Das ist natürlich verständlich, weil in den Suren auch massive Kritik an Mohammed geäußert wird: Die Ungläubigen wollten Mohammed einfach nicht glauben – und dann muss man halt schimpfen, drohen, zetern, locken… Das weist uns darauf hin, dass wir unterscheiden müssen zwischen dem frühen Mohammed, der nur Worte verwendete, um seinem Unmut Luft zu machen – und als er später die Macht hatte, auch Taten folgen ließ. Ein Wort im Koran kann ich wirklich unterschreiben: Wahrlich, Seufzen bringt er den Ungläubigen (69,50). Impressum auf  www.wolfgangfenske.de