Kreuz

Darüber würde ich gerne mehr erfahren: Kardinal Lehmann und der ehemalige Chef der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sollen den Hessischen Kulturpreis bekommen. Ihn sollte aber noch der muslimische Orientalist Navid Kermani bekommen – doch wurde sein Name zurückgezogen, weil Lehmann und Steinacker gegen dessen Interpretation des Kreuzes sind. — Darüber würde ich also gerne mehr erfahren als FAZ-online preisgibt… Und schaue unter http://www.ekhn.de/ nach. Und dort erläutert Steinacker seine Ablehnung: >Grundlage des Dialoges kann nur sein, dass man sich gegenseitige das Recht auf Selbstinterpretation zubilligt und dies nicht als blasphemisch (gotteslästerlich) denunziert. Wenn Narvid Kermani in der Neuen Züricher Zeitung die Ablehnung der Kreuzestheologie für sich drastischer formuliert: „Gotteslästerung und Idolatrie!“ eröffnet er den Dialog nicht sondern beendet ihn.< Und: >Der gekreuzigte Christus ist das Zentrum meines Glaubens. Ich habe Verständnis dafür, dass Muslime das anders sehen. Aber ich habe kein Verständnis dafür, dass ein Muslim, der mit mir für Toleranz und Respekt gegenüber dem ihm Fremden geehrt werden soll, mein Glaubenszentrum als Gotteslästerung bezeichnet. Ich tue dies im umgekehrten Fall auch nicht über islamische Glaubensinhalte. Deshalb bitte ich um Verständnis, dass ich mich außerstande sehe, mich zusammen mit dem Autor dieses Artikels für einen toleranten interreligiösen Dialog als Lebensleistung, wie die Absicht des Preises ist, ehren zu lassen.< Soweit Auszüge aus der Begründung Steinackers. Ich muss gestehen: Ich verstehe das nicht ganz, denn Christen wissen doch, dass Muslime den Kreuzestod Jesu und das Bekenntnis, dass er Gottes Sohn ist, als Gotteslästerung ansehen. Ich verstehe ja auch so manches von dem, was Mohammed gesagt hat, als Gotteslästerung, so zum Beispiel – sanft gesagt: – die gesamte Abgrenzungsterminologie. (Und: Freilich muss ich gestehen, dass mir ein Zusammendenken von Allah und Gott, den Jesus Vater nennt, unmöglich ist.) Warum nicht wahrhaftig sagen, was man denkt? Die Kunst des Dialogs besteht doch gerade darin, dass man sagt, was man denkt – und dennoch miteinander redet. Natürlich dem anderen die Selbstinterpretation lassen – die nimmt man ihm doch nicht, wenn man sagt, was man selbst glaubt, und dass man den Glauben des anderen nicht teilen kann. Übrigens: Wie will Steinacker unter dieser seiner Bedingung eigentlich mit Atheisten reden, die ja noch weniger Blätter vor den Mund nehmen?  Impressum auf  www.wolfgangfenske.de