Mythen

Selten so einen Flachsinn (, der sich als klug ausgibt) gelesen: >Deutschland scheint zu einer „mythenfreien Zone“ geworden zu sein. So jedenfalls formuliert es der Politikhistoriker Herfried Münkler in seinem jüngst erschienenen Buch „Die Deutschen und ihre Mythen“. Deren Missbrauch durch das NS-Regime habe sie als Quelle politischer Selbstvergewisserung des demokratischen Gemeinwesens diskreditiert.<  http://www.welt.de/kultur/article3542126/Wir-stehen-den-Roemern-naeher-als-den-Germanen.html Man kann ja streiten, ob ein Mythos auf historischer Grundlage basiert oder nicht. Man kann darüber auch streiten, ob ein Mythos zu Recht von einem Volk usw. aufgegriffen wird. Aber zu sagen, dass alte Mythen dadurch diskreditiert werden, weil die Nazis sie aufgegriffen haben, zeigt doch, gelinde gesagt, pure Unkenntnis oder Ideologie. Die Nazis haben alles Mögliche aufgegriffen – und darum sollte das nicht mehr berücksichtigt werden? Dass sich irgendwelche ideologischen Verbrecher irgendwas unter den Nagel reißen, diskreditiert doch nicht das, was sie sich unter dem Nagel gerissen haben. Dass sich diese modernen Mythen des Flachsinns nicht mal verdünnisieren, ist doch eigenartig. Da muss man nur sagen: Autobahn. Autobahn geht gar nicht. Darum fahren solche Hirnis wahrscheinlich nur Landstraßen, wobei Nazis wohl auch Landstraßen benutzt haben. Diese einfachen Strickmuster funktionieren nicht. Wenn ein Dichter, ein Philosoph, ein Psychologe in manchen Teilen ihres Denkens und Schreibens den Nazis nahegestanden haben – sind ihre Werke darum nicht zu beachten? (Ich erinnere nur an: Heidegger, Jung, Jünger, Benn …) Oder wenn Nazis Wagner angehimmelt haben – wie steht es mit dem Werk Wagners? (Ich muss gestehen: Ich finde zu Wagner keinen Zugang – aber das heißt doch nicht, dass er abgelehnt werden muss, weil Hitler diese Musik mochte.) Dieses Schwarz-Weiß-Denken zeigt doch immer wieder, in was für kleinkarierten Welten manche leben. Wie ideologisch das ganze ist, zeigt der Schluss-Satz: >Sollte Arminius jedoch als Leitgestalt des Rückzugs in die nationale Selbstgenügsamkeit eine Renaissance erleben, wäre dies alles andere als eine zukunftsorientierte Wiederentdeckung der produktiven Kraft politischer Mythen.< Haben die Nazis anderes gemacht als Mythen ideologisch zu instrumentalisieren? Nun geht man aus ideologischen Gründen gegen irgendwelche Mythen an und schafft neue: Alles Römer … 

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Eine Antwort auf „Mythen“

  1. Akademische Aus(bildung) schützt nicht vor Torheit.
    Das ist nichts Neues -doch immer wieder interessant festzustellen.
    Der also Gebildete kann schreiben und sagen was er will. Das ist sein gutes Recht.
    Schlimm aber in unserem Fall, dass Herfried Münklers Auslassungen dankbar und gern von Redaktionen aufgenommen und weitergegeben werden -wie zum Beispiel vom Sender HR-Informationen.
    Gibt es denn keine „Lektoren“ bei den Medien, die bereit und fähig wären, kritisch zugesandte Beiträge vor dem „Ausstreuen“ aufmerksam zu lesen? Blamage und mehr für alle Beteiligten.

    Oh, SANCTA IMPLICITAS – wenn es nicht so schlimm wäre!

    meint Echolot

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