Kunst-Betrachtung 3

Wenn man sich ein wenig für Kunst interessiert und herumstöbert, dann stößt man gerade auch bei Zeichnungen und Fotographien auf Künstler, die eher die Abgründe des Menschen, seine dunklen Sehnsüchte und Verhaltensweisen darstellen. Auch das ist Kunst – wobei ich nicht verhehlen muss: Wie es auch – selbstverständlich in meinen Augen – oberflächliche „schöne“ Kunst gibt, so auch banale Darstellung dieser Abgründe. Was halte ich für banal? Das in Worte zu fassen ist sehr schwer. Bilder, die das zeigen, mag ich hier nicht in den Blog stellen, sonst ist er nicht mehr jugendfrei. Aber mir fällt auf, dass eine Darstellung wie die andere ist – aber die eine ist vielleicht durch das Gefühl und den Verstand des Künstlers gegangen, wird geprägt von Liebe und Ehrfurcht, von Freude am Menschen – die andere ist einfach nur platt, simpel, verrät einen Menschen, dem es nicht um Kultur (selbstverständlich: wie ich sie verstehe) geht, sondern nur um die Befriedigung irgendwelcher Instinkte. (Wobei ich das von „in Szene gesetzte Träume“ unterscheiden möchte.) Das, was ich sagen will, mit Worten auszudrücken, ist sehr schwer und ich begebe mich da auch aufs Glatteis. Ich denke freilich, dass Leser und Leserinnen meines Blogs wissen – ahnen, was ich meine. Ja, sicher, schon in der Schule haben wir über solche Kunst (auch literarische) diskutiert und festgestellt: Es ist alles nur eine Frage des jeweiligen Betrachters und der Zeit in der er lebt. Aber heute frage ich mich: Ist es das wirklich? Man kann sich auch einreden: Es sind alles Bilder, alles von Menschen gemachte Bilder, alle wollen was ausdrücken, alle sind gleich viel wert … – aber lässt sich unser innerstes Wesen (unsere Seele) wirklich austricksen? Wissen wir nicht doch irgendwo in unserem Hinterstübchen: Ja, das ist wirklich Kunst, diesen Künstler würde ich gerne kennenlernen, darüber würde ich mich gerne unterhalten … – und den anderen, der sich vielleicht auch als Künstler sieht, aber nur platt, banal ist, an dem habe ich wirklich kein Interesse. Da ist mir selbst ein Mausklick zu schade. Nur: Man findet die guten Künstler allein dann, wenn man Seiten über Seiten gewälzt hat – wie kostbare Nadeln im Misthaufen. 
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