Kunst-Betrachtung 2

Neulich habe ich in einem Radio-Interview einen Kunstkenner sagen hören, dass er abstrakte, gegenstandslose Kunst favorisiere, weil sonst alles schon gemalt sei. (Ich möchte, was abstrakte / gegenstandslose Kunst betrifft, nur auf www.ariadne.at verweisen.) Ich muss gestehen, dass ich eine solche Aussage nicht verstehe. Sicher ist eine Tulpe schon zig mal gemalt. Aber da es der Maler ist, durch dessen Filter die Tulpe geht, der Maler mit seinem großen und kleinen Können, mit seiner Emotion angesichts der Tulpe, mit seiner Laune, die er gerade mit sich herumträgt – unabhängig von der Tulpe, ist die Tulpe zwar schon zig mal gemalt, aber es ist doch immer wieder eine andere Tulpe. Sehen wir die Stilleben der Blumen an, die ich vor ein paar Tagen in den Blog gestellt habe: überall wimmelt es von Vasen und Blumen – aber jede ist doch einmalig. Ich mag auch Maler, die das Seelenleben bewusst gebrochen wiedergeben, wie Picasso, oder Maler, die kunstvoll das Leben in seinen Traumspannungen zeichnen, wie Dali oder Magritte. Oder wie kunstvoll sind die „Glasbruchstücke“ eines Franz Marc, mit denen er Tiere darstellt. Das heißt, es geht nicht nur um die Kunst, die Gegenstände malt und indirekt den malenden Menschen widerspiegelt, seine ganz persönliche Handschrift, sondern auch um die bewusst gestaltete Kunst, Kunst, die meint, Unbewusstes so darstellen zu können als sei es bewusst.
Ich denke, ich schweige lieber erst einmal, bevor ich mich ganz als Kunstlaie oute – und genieße das, was ich genießen kann.    
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