Religionen

Religionen können ihre Sprache nur mit Hilfe der vorangehenden Religionen finden. So haben Juden viele Elemente von den Ägyptern und den Babyloniern usw. genommen. Oder Christen haben viel von den heidnischen Religionen übernommen, in die sie Eingang gefunden haben – einfach auch darum, weil diese „Sprache“, die Symbolik bekannt gewesen ist, weil man auf diese Weise mit den Menschen kommunizieren konnte. Spannend ist nun: Was haben die jeweils neuen Religionen übernommen, was haben sie links liegen gelassen? Weise Worte, die zum Beispiel den 10 Geboten nahe kommen, finden wir auch im so genannten ägyptischen Totenbuch – nur viele dieser weisen Worte wurden nicht übernommen, sondern nur eine ganz bestimmte Auswahl (zu beachten ist auch die genaue Frmulierung, die variert!). Oder: In Babylon gab es Gestirne als Götter – im ersten Buch Mose werden die Göttergestirne zu Lampen, die Gott am Himmel anbringt – also nichts ist mehr mit Göttern. Das heißt: Andere religiöse Ansätze werden aufgenommen, aber neu interpretiert. So auch das Christentum: Maria auf der Mondsichel – war früher Isis auf der Mondsichel als Weltherrscherin usw. Aber: Welche Traditionen sind mit Maria verbunden – welche mit Isis? Ebenso haben viele Religionen eine Gottheit als Vater angesprochen – doch der Vater-Gott, wie Jesus ihn sieht, hat ganz andere Qualitäten als die anderen Vatergötter. Warum Jesus Gott als Abba, Vater, angesprochen hat, das können wir nicht mehr sagen, auch nicht mehr sagen, was er genau damit konnotiert hat. Aber im Gleichnis vom Verlorenen Sohn (Lukasevangelium 15) können wir erkennen, dass er mit diesem Vater Annahme und Freude verbindet. Für mich ist somit nicht mehr spannend, was die Religionen gemeinsam haben – gemeinsam haben sie vieles – sondern worauf sie ihre besonderen Wert legen. Und das macht ihren ihr eigenen Charakter aus, das lässt den Geist der jeweiligen Religion erkennen. Das gilt auch für den Islam: Mohammed und co. kannten Juden und Christengemeinden, ich denke auch neben dem Alten das Neue Testament. Doch was rezipiert er, was lehnt er ab? Gott als Vater in dem genannten jesuanischen Sinn lehnt er ab. Was bedeutet das für den Geist dieser Religion, das Gottesbild? (Dieser Beitrag ist eine kleine Anmerkung zu: http://www.kybeline.com/2009/04/07/uber-die-herkunft-der-religionen/#more-3703) Was Voodoo betrifft: Schon sehr früh wurde Jesus als Wundertäter in Zaubergebete eingeflochten, weil die Zauberinnen damit seine Macht anzapfen wollten.  

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