Papst-Hass

Ich kann mir den Hass gegen den Papst als Repräsentant der Kirche (der katholischen Kirche – von vielen aber wohl auch als Repräsentant der evangelischen Kirche angesehen – als Repräsentant des christlichen Glaubens insgesamt) nur so vorstellen, weil man sexuell nicht klarkommt. Das, was man in Leserbriefen lesen kann, ist nur noch irrationales und hysterisches Gekreische.  Schon Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Menschen am wenigsten gut auf die Kirche zu sprechen, die sexuell frei leben wollten. Sollen sie es doch tun – warum schimpfen sie so auf andere, die Zügel kennen? Ich vermute, dass Sexualität der Hauptgrund ist. Und da kommen dann andere Themen nur recht, wenn sie contra Kirche sind. Solange man Kirche als Repräsentant des von ihr verkündigten Gottes ansieht, muss man ihn aus denselben Gründen auch verleugnen, ablehnen usw. Das ist so ein typischer Jung-Männer-Atheismus oder anders gesagt: Rammler-Atheismus. Damit sei nichts gegen wahre Atheisten gesagt, sondern nur überlegt woher dieses hysterische Kirchen-Klatschen kommt. Ich denke, dass dieser Kampf gegen die Kirche ein Nebenschauplatz ist, weil man nicht gelernt hat, auch in sexuellen Fragen verantwortlich zu handeln: vor sich selbst, vor anderen Menschen und vor Gott. Man nimmt die Schwere der Verantwortung nicht an und lebt dann sein sexuelles Leben mit schlechtem Gewissen – oder man weiß sich verantwortlich und handelt nicht so wie man es gerne möchte. Und weil der Mensch es kaum aushält, in dieser Diskrepanz zu leben, braucht er einen Sündenbock.

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