Christlicher Glaube 2

Jesus wurde hingerichtet. Er starb am Kreuz. Dann haben seine Nachfolger Erfahrungen gemacht, die Menschen nur schwer in Worte fassen können: Jesus ist nicht im Grab geblieben, sondern auferstanden. Immer dann, wenn Menschen Erfahrungen machen, die nicht alltäglich sind, dann ringen sie um Worte. Denn wie möchte man anderen etwas deutlich machen, das sie bisher noch nicht erfahren haben? Mein liebstes Beispiel: Wie möchte ich anderen Menschen einen Sonnenaufgang nahe bringen, der so schön war, dass er mich bis in meine tiefsten menschlichen Fasern ergriffen hat? Ich kann nur sagen: Ein wunderschöner Sonnenaufgang. Und der andere sagt: Ah, ja, sehr schön. Vor dem Dilemma, etwas unsagbares auszusprechen, standen und stehen die Nachfolger Jesu bis heute und ringen bis heute mit Worten. So auch mit Worten, die sich auszuschließen scheinen: Gott wurde in Jesus Christus Mensch (eine paradoxe Metapher). Gott kann ja gar nicht Mensch werden – Gott ist Gott, er ist der ganz andere, der Nicht-Mensch, Nicht-Schöpfung. Und wenn Christen nun sagen: Gott wurde in Jesus Christus Mensch, dann heißt das, dass er der Transzendente, der Unnahbare, der Ferne bleibt – der aber in Jesus Christus gleichzeitig ganz nah ist, zu dem Menschen kommen können, den Menschen fassen können, weil er sich fassen lässt. Und diese Erfahrungen, dass Gott in Jesus Christus Mensch wurde, führten zur Christologie. Das bedeutet: Menschen, die Jesus Christus erfahren haben, beginnen darüber nachzudenken: Wer war dieser Jesus von Nazareth eigentlich wirklich? Er war ganz Mensch, sicher – aber er war auch Gottes Sohn …

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