Glaube

Was ist „Glaube“? Mit „Glauben“ ist im folgenden Abschnitt nicht allgemein die Frömmigkeit der Religionen gemeint, sondern das, was das Wort ursprünglich meinte: der Glaube der Christen.

Menschen können Gott nicht beweisen. Es gab zwar viele Versuche, aber letztendlich sind die Beweise nur Glaubenden ein Beweis. (Ich schrieb im Blog schon mal darüber.) Warum können Menschen Gott nicht beweisen? Weil, so die Antwort, der menschliche Verstand nur Innergeschöpfliches überhaupt wahrnehmen kann, darum auch nur in diesem Bereich das eine oder andere „beweisen“ kann. Natürlich ist diese Antwort (nicht nur) für Nichtglaubende sehr unbefriedigend, weil sie als Ausflucht gesehen wird: Wenn man etwas nicht beweisen kann, dann bleibt einem auch nur eine solche Antwort übrig.

Auch Glaubende haben letztendlich keinen Gottesbeweis – wie schon Paulus sagt: Ihr reden von Gott ist Nicht-Glaubenden eine Dummheit und ein Ärgernis. Glaubende wissen das. Doch ihr großes Rätsel ist die Frage: Warum glaube ich, obwohl es Blödsinn ist? Als Antwort sehen sie: Ich kann glauben, obwohl es Blödsinn ist, weil Gott mir den Glauben schenkt. Da stehen Glaubende nun vor dem nächsten Dilemma: Wenn Gott Glauben schenkt – warum glauben nicht alle Menschen? Auf die komplizierten Antwortversuche möchte ich nicht eingehen, sondern nur sagen: Auch Paulus, der Glauben als Geschenk empfand, ging hin und sprach zu anderen von seinem Glauben. Warum das? Wenn ein Arzt zu einem Patienten kommt und der Patient Angst vor ihm und seiner Kunst hat, dann kann der Arzt ihn dazu auffordern und mit Handlungen unterstreichen: Vertraue mir – du kannst mir vertrauen! Wenn Glaubende von Jesus Christus sprechen, dann bedeutet das nichts anderes: Auffordern, Gott in / durch Jesus Christus zu vertrauen. Das hebräische Wort und das griechische Wort für Glaube beinhalten die Bedeutung „vertrauen“. Wenn Jesus gute Worte spricht, kommen Menschen zu ihm, um geheilt zu werden, sie vertrauen ihm. Jesus spricht manchen Menschen „Glauben“ zu. Welchen Menschen? Denen, die besondere Schwierigkeiten auf dem Weg zu ihm überwinden mussten. Glauben ist Vertrauen, das man Gott in Jesus Christus entgegenbringt. Dem Glauben geht die Beschäftigung mit Jesus Christus voraus.

Der Kreis schließt sich: In der Beschäftigung mit Jesus Christus, kann Vertrauen wachsen – was dann rückblickend als Geschenk erfahren wird. Denn es bleibt dabei: Glaube ist Dummheit. Aber nur in dem Sinn, in dem auch Paulus seinen Gedankengang aus dem ersten Korintherbrief 1-2 weiterführt: Glaube ist Dummheit, weil die Menschen an die Klugheit Gottes nicht herankommen. (Nur am Rande eine kleine theologische Spitzfindigkeit: Wenn der Mensch von sich aus im Glauben Gott erfassen könnte, würde er sich schnurstracks über Gott stellen, weil er ja so ein toller Kerl ist, und sogar an Gott glauben kann. Manche verhalten sich auch so. Auch Glaubens-Turmbauten sind immer wieder eingestürzt.) 

Warum ich das alles schreibe – heute, am Sonntag? Weil ich bei Kybeline einen Text gefunden habe, der wohl vielen meiner Leserinnen und Leser aus dem Herzen spricht: http://www.kybeline.com/2009/03/14/warum-ich-bekennende-agnostikerin-bin/. Ich möchte damit einen freundschaftlichen und fröhlichen Kontrapunkt setzen – und im Frühjahr eine Nuss zu knacken geben. Schönen Sonntag!

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Eine Antwort auf „Glaube“

  1. Manche verhalten sich auch so. Auch Glaubens-Turmbauten sind immer wieder eingestürzt.)

    Das ist es! Das ist die Grenze, wo Glaube zu einem Problem wird. Und wie gesagt, auf der anderen Seite, wenn Wissenschaftler ihr Gebiet verlassen, und sich auf solchen Gebieten begeben und den Uneingeweihten vorgaukeln, dass sie alles überblicken und erklären können, und was sie nicht können, ist eh nicht die Rede Wert… Das ist dann genau so anmaßend.

    Ich kenne ein hübsches Gedicht dazu:

    The celebrants came chanting ‚God is Dead!‘
    And all as one the nations bowed the head
    Thanksgiving; knowing not how shrewdly the rod
    Would bite the back in the kingdom of dead God.

    Von dem hier:
    http://www.harvardsquarelibrary.org/poets/nemerov.php

    Die Übersetzung (für manche Leser)
    Die Feiernden kamen singend: ‚Gott ist tot!‘
    Und alle Völker vereinigt sagten ‚Danke‘
    One zu wissen wie grausam die Peitsche
    Wird im Lande des toten Gottes

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