Warten 3

(Fortsetzung vom 10.2.) Freilich – man merkt es dann nicht mehr, wenn man eine lange Lebensphase so dösend und herumblätternd gelebt hat. Man kann sich auch mit Dösen und Herumblättern so hypnotisieren, dass man irgendwann denkt: Das ist mein Leben. Ich will gar kein anderes Leben – bzw. bis man gar nicht mehr denkt, sondern nur noch vor sich hin lebt und vor jeder Störung eine Abscheu entwickelt, bei jeder Unregelmäßigkeit des Tagesablaufs Zustände bekommt, schon bei kleinsten Anforderungen das Herz heftig zu klopfen anfängt. Mit dem Geist ist es wie mit dem Körper: Je länger er in Ruhe gelassen wird, desto länger fühlt er sich bei allen Kleinigkeiten überfordert. Selbst in diesen Phasen rüttelt der Körper, rüttelt der Geist an die selbst gebastelten Gefängnistüren. Und dann ist es Zeit, hinzuhören, langsam aber sicher, langsam aber stetig die Zeit des Wartens aktiv zu gestalten.

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