Esoterik 7

(Fortsetzung vom 5.2.) Die Esoterik hat sich insofern gewandelt, als es zurzeit nicht um das Wohl der Menschheit geht, sondern um das des Einzelnen. Es geht nicht um Frieden in der Menschheit, sondern darum, den inneren Frieden zu finden – besser: den inneren Ausgleich, das Wohlfühlen. Wellness ist im Grunde eine Form der Esoterik: Ich fühle mich wohl – ich habe den Ausgleich, die Balance gefunden. Das Problem der Esoterik ist, dass das Böse zu dem Guten dazugehört, das Problem ist, dass sich häufig Menschen um diese Frage kümmern, die krank sind, die sich nicht nur passiv behandeln lassen wollen, sondern aktiv gegen ihre Krankheit vorgehen möchten. Und da kommen Hoffnungen auf, die eigentlich nicht unbedingt begründet sind – es mag immerhin mental helfen: Ich kann etwas tun. Aber das ginge auch ohne esoterisches Denken. 

Die esoterische Antwort zu dem Thema Leiden und Tod sind dem Hinduismus bzw. Buddhismus (nur in einer europäisch gereinigten Form) entnommen: die Reinkarnation. Jeder wird entsprechend seines Karmas, Verhaltens wiedergeboren – allerdings als Mensch, um das Schlimme gut zu machen und das Gute besser zu machen, um dann letztendlich ins Kosmische einzugehen. Welche Folgen das für das Zusammenleben der Menschen hat, kann man extrem in Indien beobachten. Die Liebe hat da nicht unbedingt das primäre Mitbestimmungsrecht. Europäisch bedeutet das: Wer im irdischen Leben die Balance findet, der hat im kommenden Leben bessere Aufstiegschancen. Das heißt: Die Antwort der Esoterik ist auf Reinkarnations-Glauben aufgebaut, auf Karma-Zukunftsversprechen. 

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