Rechtssysteme

Das ist ein großes Problem. Noch kommt es nicht so zu tragen: Aber was ist, wenn zwei Rechtssysteme aufeinanderprallen? Unser Rechtssystem unterscheidet sich in manchem von dem der Scharia. Das Menschenbild ist grundlegend anders. In unserem spielt das Individuum eine große Rolle. In dem des Islam wird der Mensch als Teil einer Gruppe angesehen. Bei uns hat das Individuum grundlegende Rechte – in der Scharia das Individuum, soweit es sich der Gruppe und deren Tradition unterordnet. Und davon hängt dann so manches konkrete Problem ab: Nicht die Frau als Individuum ist für die Scharia relevant, sondern die Frau in ihrer durch die Tradition (+ Koran + Hadithen) zugeteilte Rolle – ebenso nicht der Mann als Individuum, sondern der Mann in seiner Tradition (+ Koran + Hadithen). Dadurch dass die moslemische Welt sehr stark männerorientiert ist, wird nicht auf den ersten Blick deutlich, wie sehr auch der Mann als Individuum keine Rolle spielt. Da zählt das „Ehr-System“, diesem ist er unterworfen. Der weitere Teil des Menschenbildes: Es ist dem Allah-Bild unterzuordnen. Allah gibt Gesetze, die das Leben der Gruppe bis ins detailigste Detail (bis hin zur Richtung des Stuhlgangs) regelt – und das gilt auch für den Staat. Und wenn ein Individuum sich diesem entzieht, dann ist er zu maßregeln. Es ist eine Welt, die mit der Freiheit des Individuums nichts mehr zu tun hat – und vor allem auch: Staat + Religion fallen zusammen. Das heißt: Der Staat kontrolliert die Religion und die Religion den Staat. Dieses ganze System bedeutet, was die Schlagworte sagen: Ein Türke ist Moslem, sonst ist er kein Türke; ein Saudi ist Moslem, sonst ist er kein Saudi. Und wenn er kein Moslem ist – somit kein Türke und Saudi usw. – dann hat das Individuum nur eingeschränkte Rechte (in moderaten Staaten) bzw. gar keine Rechte (in Staaten wie Saudi Arabien, Iran usw.). Und von daher geht es auch den Moslems, die Christen werden, so schlecht, so sehr übel, wie die Beispiele auch aus dem moderaten Ägypten zeigen, die ich am 31.1. in den Blog gestellt habe: sie zählen nicht mehr. Sie haben es als Individuen gewagt, sich außerhalb der Gruppe zu stellen. Weil Staat = Religion können sie auch nicht mehr auf das staatliche Recht hoffen. Staat und Gruppe sind allesamt im Namen Allahs beleidigt – und es folgt der Schlachtruf: Allahu akbar – zur Selbststärkung der Gruppe gegen das sie angreifende Individuum. Und da die muslimische Religion immer über das Individuum zu stellen ist – vom grundlegenden koranischen usw. Ansatz her – kann der Moslem nur dann das Grundgesetz und dessen Geist anerkennen, wenn er sich von seiner Tradition gelöst hat. Und darum tun sich auch die Oberen so schwer damit, sich zum Grundgesetz zu bekennen. Es atmet einen grundlegend anderen Geist als Scharia und co. Beider Geisteshaltungen sind nicht in Übereinstimmung zu bringen. Diese Sicht hat massive Konsequenzen. 

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Eine Antwort auf „Rechtssysteme“

  1. Danke für diese aufklärende Hilfestellung in der Diskussion um Kontabilität von Grundgesetz und Scharia. Es mutet nur sonderbar an, dass sich für diese Fragestellung bei den dafür zuständigen Ministerialen offensichtlich keine klare Konsequenz aus obiger Erkenntnis ergibt. Anders: Die Bürger unseres Landes haben ein Anrecht auf klärende Stellungnahmen der Politiker, die sachbezogen und nicht aus taktischen Gründen vernebelt und doppelbödig sind. Auch und gerade die Christlichen Demokraten würden glaubhafter sein, wenn sie sich zu eben einer radikalen Unvereinbarkeit von Grundgesetz und Scharia eindeutig bekennen würden, statt zu lavieren, wie es Herr Minister Wolfgang Schäuble zu tun pflegt.
    Die Kanzlerin, die sich zu Kultur und Religion des Abendlandes bekennt, sollte an der Spitze ihrer Partei für Klarstellung auch zu dieser Frage sorgen. Dieses zu tun ist nicht ihrem Belieben oder Wohlwollen anheimgestllt, sondern ist von ihr angelobte Pflicht, zum Wohl des deutschen Volkes ihr Amt zu führen.
    Parallelgesellschaften in einem Volk sind permanente Bedrohung des Friedens, der Freiheit und der Wohlfahrt. Alles Schattenboxen gegen diese uralte Erfahrung führt alle Beteiligten ins Unglück.
    Das meint das Echolot.

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