Esoterik 1

Esoterik ist auch eine Art Religion – zunächst besser: eine Weltanschauung. Das Weltbild: Die Welt ist eine Einheit, eine Ganzheit. Sie ist durchgeistigt von einer Macht, einer Energie – wenn man so will – nicht vom christlichen Gott, sondern vom Göttlichen. Dieses Göttliche durchdringt Mensch wie Stein, durchdringt die Zeiten, Positives wie Negatives. Das Ziel des Menschen besteht nun darin, alles in ein Gleichklang, in eine Balance zu bringen. Woher weiß ich von dem Göttlichen, davon, dass alles ins Gleichgewicht gebracht werden muss? Die Esoterik hat ihre Grundlage in der subjektiven Erfahrung – aber diese ist geprägt von ausgewählten Traditionen – und die werden von bestimmten Meistern usw. übermittelt: Keiner käme von sich aus auf die Idee, das Ying-Yang-Prinzip zu finden und in eine Weltanschauung einzubinden, wenn es denn nicht entsprechende Traditionen gibt, die dann von „weisen“ Menschen gelehrt werden. Der Anspruch besteht allerdings darin, dass Menschen dieses Prinzip subjektiv erfahren können. Im Grunde ist das Prinzip aller Religionen auch hier wieder zu erkennen: Man fühlt etwas, hat Sehnsucht, einer sagt, wonach man diese Sehnsucht hat, man traut ihm, findet es in sich wieder. Von daher sind all die Selbstabgrenzungen von Religion Scheingefechte. Scheingefechte, die aber einen tieferen Hintergrund haben: Die Behauptung, dass all das nicht Glaubenssache sei, sondern wissenschaftlich begründet. (Fortsetzung folgt.)

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