Argumente 3

(Fortsetzung vom 15.1.2009: ) Glaubende im Neuen Testament haben allerdings noch nicht mit Freud gerechnet, der den Glauben in den Menschen hinein verlegt: Das Verlangen des erwachsenen Menschen nach einem Vater führte ihn zum Glauben an einen Vatergott – wobei das freilich für den christlichen Glauben gilt, denn andere Religionen haben eine gewisse Distanz zum „Vater-Glauben“. Aber die ersten Christen konnten schon die Aussage von Protagoras kennen: Der Mensch ist das Maß aller Dinge – also auch des Gottesglaubens. Menschen machen den Glauben. Unserer christlichen Tradition wird vorgeworfen, dass sie den Menschen als Krone der Schöpfung bezeichnet, weil der Mensch doch soviel Chaos auf Erden anrichtet. Aber gerade solche Aussagen, die den Menschen als Schöpfer Gottes behaupten, machen den Menschen ja gerade zur Über-Krone, zum Chef von allem – sogar von Gott. Und wenn der Mensch Gott erschafft – der Mensch also das Höchste denkbare Wesen ist – sich aber in seinen niedrigsten Instinkten darstellt – was bleibt uns dann? Die Alten konnten noch an den Menschen glauben. Und wir? Es bleibt: Misanthropie. Zum Glück nicht nur. Aber so mancher ist dicht davor. Zum Glück gibts da noch den Wunsch, Humanist zu sein. (Fortsetzung folgt.)

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