Argumente 1

Von Anfang an ist das Christentum auf Argumentation hin angelegt: Jesus musste argumentieren, Paulus argumentierte. Es wird argumentiert – und gleichzeitig weiß man um die Grenzen der Argumentation. Von hier aus gesehen können auch Nicht-Glaubende nicht einfach – sagen wir freundlich: – ihre Argumente zurückhalten, den Spott hervorkramen, den Gesprächspartner nicht ernst nehmen. Natürlich können sie das, aber damit disqualifizieren sie sich, und das machen auch starke Nicht-Glaubende nicht. Wenn mir ein Mensch sagt, da hinter der Hausecke ist ein Brunnen – und ich gerne den Brunnen sehen will, dann gehe ich hin. Bevor ich hingegangen bin zu behaupten, der Brunnen existiere nicht, geht nicht an. Und alle Beweise für den Brunnen, die man dann herbeischleppt, aus den verschiedensten Gründen abzulehnen, ist auch nicht gerade das, was man sich unter einem wissbegierigen und neugierigen Menschen vorstellt. Gleichzeitig wissen Glaubende natürlich, dass Gott kein Brunnen ist, der hinter der Hausecke steht. Wir wissen aber um die Begrenztheit unserer Sprache – die noch nicht einmal adäquat aussagen kann, was wir fühlen, wenn wir lieben, wenn wir trauern usw. Wir wissen auch um die Begrenztheit der Sprache, wenn es darum geht, Erfahrungen auszusprechen, vor allem auch dann, wenn man sie zum ersten Mal gemacht hat. (Fortsetzung folgt.)

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