Provokation

Laut Presseberichten haben Polizisten während einer Anti-Israel-Demonstration mit gewalttätigem Eindringen in ein Haus eine Israelfahne, die am Fenster angebracht war, entfernt. Der Pressesprecher meint, die Fahne sei dort provozierend angebracht gewesen. Man stelle sich das mal als Grund vor! Auch Polizisten dürfen nicht einfach so in ein Haus eindringen – hier tun sie es, um fanatisierte Palästinenserfans von Gewalttaten  abzubringen – statt das Haus vor Gewalttätern zu schützen. Wenn das Schule macht, dann kann einer einem anderen das Kreuz von der Halskette reißen – weil er sich provoziert fühle. Dann kann man türkische und deutsche Fahnen aus den Schrebergärten und Balkons entfernen und entfernen lassen, weil man sich provoziert fühlt. Dann kann … – jedem fallen weitere Beispiele ein. Es schlägt – und das ist sehr gut – hohe Wellen!

Hohe Wellen anderer Art schlagen – sagen wir – nicht gern gesehene Aussagen zu Mohammed im Niederländischen Wikipedia, die möglicherweise von einem Mitarbeiter im Justizministerium hineingestellt worden sind. Wieder eine Provokation.

Nachtrag (14.1.): Diese „Provokation“ fand noch eine Steigerung in Mainz. Da haben sich doch Nicht-Israelis angemaßt, eine Israel-Flagge zu schwingen, als eine Demonstration gegen Israel stattgefunden hat. Und weil es Nicht-Israelis waren, wurden die Personlia festgehalten. Wo leben wir denn eigentlich? Darf man sich nicht mehr solidarisieren – oder nur noch mit denen solidarisieren, die von irgendwelchen dahergelaufenen Leuten akzeptiert werden? Die Israel-Hamas-Auseinandersetzung zeigt, wie verwundbar unsere Gesellschaft geworden ist: Sie wird Kräften hörig, die jeder Demokrat nur ablehnen kann.  

Andere Meinungen werden nicht gerne gesehen und gehört. Die Moral von der Geschicht: /Liebe Leut, verschweigt die Wahrheit nicht. / Je mehr es wagen, die Wahrheit zu sagen, / desto weniger werden sie diese zu behindern wagen.

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