Christ

Als ich mein Theologiestudium begann, fragte mich ein Kommilitone: Bist du Lutheraner oder Reformierter? Ich sagte in meiner Naivität: Ich bin Christ. Und das sage ich auch noch heute – auch wenn ich weiß, in welche Schublade man mich stecken könnte. Ich grüßte in diesem Block katholische und orthodoxe Brüder und Schwestern, hallo auch Baptisten und Pfingstler und Evangelikale! Auch mit „Heiden“ habe ich als freier Trauerredner zu tun – was so mancher Amtsfromme nicht einsehen kann: die sollten eher für ihr unsolidarisches Verhalten … – nun ja, hören wir nicht auf diese Stimme. Und Atheisten kann ich sehr gut verstehen, darum versuche ich Antworten zu geben, soweit es geht, weil ich selbst diese Fragen habe. Als wissenschaftlicher Exeget versuche ich auch die Sprache von Laien zu sprechen – ist das noch ein Exeget? Wer das tut, ist nie richtiger Exeget gewesen, bleibt immer Laie! Seis drum. Ich gebe mich mit Rechten und Konservativen ab, nicht nur mit konservativen Homepages – weil ich konservativ bin -, und dann sieht man auch meine Sympathien für soziale Linke hegen und einige Anliegen auch vertreten – weil ich links bin. Ich schimpfe manchmal gegen den Islam – bedauere Moslems, sehe sie aber als Menschen an, mit denen ich am liebsten Freundschaft schließen würde. Natürlich nicht mit allen – wie auch nicht mit allen Christen. Mit manchen stimmt die Chemie halt besser – mit anderen nicht. Ob Unternehmer oder Arbeiter, ob „Bruder der Landstraße“, ob Kind ob Kegel – Leute, das ist fürs menschliche Zusammenleben unwichtig. Manche sagen: Oh, ein Titel – doch dann sehe ich mich als Mensch und denke: Es gibt Wichtigeres.       

Wer so lebt, ist vielleicht nicht normal – oder nach meiner Vorstellung: Christ. Nun ja, Fremdbeurteilungen können von Selbstbeurteilungen massiv abweichen. Kümmert es mich? Es rumort höchstens eine Weile lang – und dann ist das Zentrum des Christen wieder gefunden.

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