Vernünftig

Neulich hatten wir eine anregende Diskussion: Gibt es das Vernünftige, auf das sich alle Menschen einigen könnten? Ich selbst bin da skeptisch – und gebe hier nur meine Position wieder, wer eine andere hat, kann sie ja im Kommentar hinzufügen. Nehmen wir erst einmal den christlichen Glauben – ist er vernünftig? Können wir so lange darüber reden, bis wir ihn alle vernünftig finden, Teile davon vernünftig finden oder ihn für unvernünftig halten? Bei Glaubensdingen klappt das also nicht. Nehmen wir lieber ethische Dinge: Kann es für einen Moslem vernünftig sein, Regeln zu befolgen, die der Koran ablehnt? Nun – vielleicht können wir uns vernünftig auf die Nächstenliebe einigen. Nächstenliebe? Der Moslem meint: mein Glaubensbruder? Der Hindu meint: mein Kastenbruder? Der Christ meint: Liebe Leute, wir sind alle Kinder Gottes – also alle auch Nächste, wenn ich mich liebe oder so. Der Atheist meint: Ich erst einmal. Der Animist meint: Wen meine Ahnen lieben, den liebe auch ich, andere holen die Geister. Der Kommunist meint: Ich solidarisiere mich mit mir selbst in der proletarischen Klasse … – Oh, Vernunft, wie bist du zersplittert! — Nun im Ernst: Wenn ich davon ausgehe, dass jeder sein Ding für vernünftig hält, ist für mich dann alles gleichgültig? Nein. Warum nicht? Weil ich meine Sicht für die Vernünftigste halte und durchsetzen möchte. Vielleicht klappts ja noch zu meinen Lebzeiten und alle halten nur das für vernünftig, was auch ich für vernünftig halte. Ein Albtraum – wie langweilig wäre die Welt. Also Schwestern und Brüder welchen Glaubens und Unglaubens auch immer: Lasst uns miteinander fröhlich sein, diskutieren und uns des Lebens freun! Aua – warum trittst du mich!? Warte nur, gleich …  

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