Buddha 17

Ich habe vom Buddhismus – ich spreche so allgemein, weil es ja „den“ Buddhismus nicht gibt – manches lernen können. Einmal zeigt er mir, was alles an Techniken entwickelt wurde, damit der Mensch – zumindest im Zenbuddhismus – den Buddha in sich selbst entdeckt, sagen wir europäisiert, auch wenn es nicht ganz trifft: seinen Kern, sein Zentrum, sich selbst entdeckt. Er zeigt mir in seiner vielfachen Form, wie sehr der Mensch auf der Suche ist und auch versucht, sich als scheinbar Selbstbestimmter dem Leiden, dem Gefühl für Leiden zu entziehen. Er zeigt mir die liebende Hingabe zu Buddha, indem eine Buddha-Figur gewaschen, geschmückt, mit Weihrauch und Gold verehrt wird. Im Buddhismus finden wir ein großes und großartiges Spektrum an religiöser Sehnsucht des Menschen und gleichzeitig den Versuch, diesem zu entkommen (Diamantene Wagen/Weg). Und zu vielen dieser Wege führt die Auslotung aller Möglichkeiten, die dem Menschen eigen sind: vom Verstand, von Distanzierung, von Hingabe, von Magie und Geisterglauben bis ins Extrem – zum Teil nur noch übertroffen von Religionen, die dem Hinduismus zuzuordnen sind. Und was mich am Buddhismus so fasziniert ist, dass Europäer unserer Jahrzehnte sich zu ihm hingezogen fühlen, obwohl er andere Schwerpunkte setzt. Unsere Zeit liebt Selbstdarstellungen – Buddhismus im eigentlichen Sinn sucht Selbstzurücknahme. Und wer allen signalisiert, ich nehme mich selbst zurück, weil ich Anhänger des Buddhismus bin, stellt sich im Grunde wieder selbst dar. Wir Menschen sind und bleiben Menschen. Traurig und tröstlich.  

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