Buddha 9

(Fortsetzung vom 27.11.) Nun leben auch tibetanische Mönche nicht meditierend zurückgezogen, sondern haben eine immense gesellschaftliche und politische Funktion. Wichtig wurde der Gelug(pa) Orden. Der Abt bekam im 16. Jh. vom Mongolenherrscher den Titel „Dalai Lama“ – der bedeutet: Weltmeerlehrer, Lama = Guru = der Erhabene. Als Lama wird jeder Mönch angeredet – vergleichbar mit unserem „Hochwürden“. Dieser oberste Abt sah sich als Glied einer Wiedergeburtskette an – wie kann man das? Indem man diesen Titel posthum zwei Vorfahren zuordnet – und schon hat man eine Traditionsreihe. Nun begann man weitere zu suchen, damit die Kette nicht abreißt. Es entstand eine Theokratie – eine witzige Bezeichnung für eine Gruppe, die eben diesen einen Gott nicht so kennt. Aber seis drum, man nennt die Herrschaft so. Während der Dalai Lama die politische Herrschaft inne hatte, hatte der Panchen Lama (Panchen Rinpoche = großes Gelehrtenjuwel – das sind Titel! Da können wir uns als Kirche und Uni-Lehrer noch viel abschauen!) die theologische Herrschaft. Und wie es allen Gruppen geht: der 9.-12. Dalai Lama wurde aufgrund innerreligiöser Auseinandersetzungen umgebracht. Zurzeit lebt der 14. Dalai Lama, der sich als letzten Dalai Lama ansieht – als „kundun“, das heißt: als konkrete irdische Gegenwart eines Boddhisattvas. Und was ist mit dem gegenwärtigen Panchen Lama? Man weiß es nicht, weil die Chinesen ihn entführt haben. Aber nicht faul, ernannten sie einen anderen. Und da dieser beim Ableben des Dalai Lamas dafür sorgt die Reinkarnation des Dalai Lama im neuen Dalai Lama festzustellen, hat der eine große Macht. Doch die Tibeter haben den chinesischen Panchen Lama nicht anerkannt. Auch unsere mittelalterliche Tradition kennt zwei Päpste nebeneinander. Wenn Politik und Macht mitmischen, dann gibt es solche historischen Scherze. Sagt der Dalai Lama deswegen, dass er der letzte sei? Weiß jemand mehr?     

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