Gesundheit und Glaube 8

Durch unsere jüdisch-christliche Tradition haben wir eine andere Möglichkeit, mit Leiden umzugehen als Menschen im ursprünglichen Buddhismus – wie er in den Worten Buddhas noch greifbar zu werden scheint. Das Ich wird bei Christen nicht von dem gelöst, was Leiden verursachen kann, sondern es nimmt Leiden als Teil des Lebens auf. Es ist kein Eliteglauben – sondern: Jeder leidet seine ihm ganz eigenen Leiden. Doch er bleibt nicht dabei stehen. Im Glauben weiß er, wem er sein Leiden zuschreien kann, er weiß, wenn er es hinausgeschrien hat, wem er sein weiteres Leben in die Hand legen kann. Glaubende können solange mit Gott „rumzackern“ bis sie in seinen Frieden geborgen werden. Wir sind nicht wie die Stoiker, die sich distanziert in die Not begeben, die Not dadurch zu besiegen meinen, dass sie sich von ihr nicht unterkriegen lassen – und ihr ein Schnäppchen zu schlagen meinen, wenn sie sich ihre Adern öffnen. Glaubende gehen in der Regel einen anderen Weg. Eher wie Kinder, die bei Verletzungen lange schluchzen und krakeelen – aber dann in den Armen der Eltern ruhig werden und Frieden finden. Das mag manchem stolzen Menschen erniedrigend vorkommen. Aber das ist Leben, wir haben Gefühl, wir sind nicht wandelnde Steine, sondern haben ein Herz aus Fleisch und Blut. Weil wir aber diese Möglichkeit haben, mit dem Leiden umzugehen, sehen nicht wenig Menschen Glaubende als herzlos an. Wir machen es mit unserem Gott aus. Er allein kann helfen. Da müssen wir unser Leiden nicht unbedingt allen mitteilen.   

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