Alltagsrituale

Nicht zu verachten sind die Tätigkeiten des Alltags, die „automatisch“ getan werden. Ohne zu denken, greift man müde zur Zahnbürste und Zahnpasta, ohne nachzudenken, werden zahlreiche Schubladen und Türen geöffnet, um das Frühstück zuzubereiten … Was das bedeutet, wenn es nicht so geht, das merkt man dann, wenn man in einem fremden Haushalt das Frühstück zubereiten muss – das Gehirn wird schon am Morgen immens strapaziert. Nicht zu verachten sind auch die wiederkehrenden Worte: „Guten Morgen, gut geschlafen?“, „Tschüss, machs gut!“, und die gemeinsamen Rituale: Gemeinsames Frühstücken … Diese wiederkehrenden Handlungen und Worte entlasten, schaffen Vertrautheit, Miteinander, schaffen eine Basis, auf der man den Tag beginnt, durch den Tag geht und ihn abschließt. Wenn man allein ist, dann können diese Worte auch – modifiziert natürlich – wirksam werden: Man begrüßt sich im Spiegelbild, holt Luft, bevor man das Haus verlässt und sagt sich ein mutmachendes Wort … Doch manchmal werden diese Alltäglichkeiten leer, wirken wie hohl – wenn sie nicht mehr stimmig sind. Es liegt dann nicht an den Ritualen – wir selbst sind innerlich irgendwie durcheinander. Und daran muss man dann in aller Geduld arbeiten.