Noch ein Einwand

Noch einem Einwand muss begegnet werden: Ich habe nicht von Muslims, sondern von Moslems gesprochen. Vor nicht langer Zeit nannte man Muslims/Moslems noch Mohammedaner. Jedes Wort wird erst dann als diskriminierend empfunden, wenn mit dem Wort diskriminiert wird. Oder? Nein, immer dann, wenn einer denkt, ich werde mit dem Wort diskriminiert – oder einer denkt, mit dem Wort könnte ein anderer diskriminiert werden. Bald wird auch das Wort Muslim als diskriminierend angesehen, und wir müssen wieder ein neues Wort lernen – und das geht immer schneller so …  Irgendwann weiß keiner mehr was eigentlich „erlaubt“ ist und was nicht. Das betrifft auch andere Gruppen. Und dann wird einfach „Südländer“ gesagt, und die traditionellen  „Südländer“ (Italiener, Griechen, Spanier) finden das wiederum gar nicht lustig – und außerdem ist das diskriminierend, weil es südeuropäische Menschen von nordeuropäischen Menschen unterscheidet, wo doch alle gleich sind.

Auf diese Weise wird übrigens auch die Identifikation der Gruppen, die sich jeweils als solche bezeichnen oder bezeichnet werden, aufgehoben: Sie müssen sich ständig umorientieren. Ob das nicht ebenso diskriminierend ist?

PS.: Ich muss gestehen, dass ich eigentlich „Mohammedaner“ als passendste Bezeichnung ansehe – es sind eben die Anhänger der Lehre Mohammeds/Muhammads oder diejenigen, die der Lehre des Mohammed/Muhammad gehorsam sind. Die Bezeichnung Muslim/Moslem bedeutet, dass sie der Lehre Allahs („Allah“ heißt „Gott“) gehorsam sind, sich ihm hingeben/unterwerfen. Das auszusprechen ist für Christen – gelinde gesagt – etwas eigenartig. Weil Christen ein vollkommen anderes Gottes- und Menschenbild haben, würden wir uns ja gleichzeitig als die bezeichnen, die Gott/Allah nicht gehorsam seien, sich ihm nicht hingeben. Die Sprache wird als Waffe gegen Christen eingesetzt, wenn uns „Muslim“/“Moslem“ eingetrichtert wird – aber wir stehen darüber, oder?

Einwand

Zum letzten „Islam verstehen“ Beitrag noch eine Bemerkung zu einem Einwand: Sicher sah es vielfach in der Vergangenheit der Kirche auch sehr gewalttätig aus. Es gibt Christen, die ihren Nationalismus über den Glauben stellen, es gibt Christen, die ihre politischen Ziele über den Glauben stellen. Doch dieses Verhalten widerspricht der Intention und den Worten Jesu. Und da stellt sich dann die Frage: Widerspricht zum Beispiel kommunistisches Vorgehen der damaligen Sowjetunion, Chinas und vieler kleiner (Alltags-)Diktatoren auch den Grundschriften? Widerspricht das Vorgehen sogenannter Islamisten den Vorstellungen des Koran und der Hadithen? Christen können gewalttätiges Vorgehen nicht mit ihrem neutestamentlichen Maßstab rechtfertigen. Sie müssen sich das Wort eines Alten aus dem 2. Jahrhundert vorhalten lassen: „Ihr habt im Neuen Testament das Feindesliebegebot – und haltet euch nicht daran.“ Können andere Religionen und Weltanschauungen das auch so sehen? Und wenn wir Westler sie daran messen: Entspricht das überhaupt ihrem Selbstbild oder wird ihnen einfach unterstellt, sie hätten auch dieses christliche Menschenbild? Dass hier so manches Land andere Vorstellungen von Menschenrechten hat als Europäer und Amerikaner, sollte doch denen zu denken geben, die allen anderen aus ihrer christlichen Tradition heraus die eigenen Maßstäbe unterstellen.

Banal gesagt: Christen sehen das Kastensystem als Übel an, Christen sehen Steinigungen als Übel an (in der Tradition Jesu: Johannesevangelium Kap. 8!) – aber muss das aus dem Blickwinkel von Hindus und Moslems übel sein? Und wenn ihre Verteidiger hier sagen: „die tun das nicht“ oder: „das ist nicht deren eigentliche Intention“, „das sind dort nur die Bösen, die das tun“, nehmen die dann überhaupt noch andere religiöse und weltanschauliche Traditionen ernst? Können sie diese überhaupt noch ernst nehmen, ohne ihnen die eigene christliche Tradition/Kultur überzustülpen? Ein Hindu, der die Kasten verteidigt, ist ernst zu nehmen, ein Moslem, der der Scharia hörig ist, ist ernst zu nehmen – und nicht christlich weichzuzeichnen.

Zum Sonntag 7

Ich wünsche Segen allen, die Schubladen sprengen – und die strengen Blicke der jeweiligen >Schubladenhersteller< munter und mutig überwinden.

Ich wünsche Segen allen, die sich nicht selbst betrügen und Tatsachen frei in die Augen sehen.

Ich wünsche Segen allen, denen der Geist Gottes die Augen öffnet – und sie fröhlich leben können.

Viel Glück!

Zitat: „Kirchenpräsident Dr. Peter Steinacker hat das Ergebnis des dritten Tages der Religionen, der am 20. August in Kassel stattfand, gelobt: „Diese dritte Begegnung von Spitzenvertretern evangelischer Kirchen und muslimischer Verbände in Hessen hat nicht nur in einer deutlich entspannten Atmosphäre und im Geist persönlicher Wertschätzung stattgefunden, sondern auch ein herausragendes Ergebnis erbracht, das eine bundesweite Ausstrahlung entfalten wird. Die dort verabschiedete Kasseler Erklärung ist ein wegweisender Schritt für die theologisch begründete Akzeptanz der Religionsfreiheit durch muslimische Verbände. Sie vertreten darin, zusammen mit den Kirchen, erstmals das allgemeine Recht auf die freie Wahl der Religion und Konfession. Damit wird das theologisch begründete Recht auf missionarische Aktivitäten nicht nur hingenommen sondern auch akzeptiert. Deutlich wird darin die Bereitschaft der muslimischen Verbände, den Islam mit den Rechtsgrundlagen der deutschen Gesellschaft zu verbinden und sich darin zu integrieren.“ Steinacker wies auch darauf hin, das damit in den muslimischen Verbänden ein erweiterter Umgang mit den eigenen religiösen Quellen, insbesondere dem Koran, einherginge.“ (Quelle: www.ekhn.de)

Da kann man nur wünschen: Viel Glück und Beglückung auch weiterhin.

Islam-Schluss

Nun ist es erst einmal Schluss damit, den Islam als Thema zu behandeln. Es gibt wichtigere Dinge. Ich denke, der Islam spielt nur darum eine so große Rolle, weil er aufgrund des Auftretens vieler seiner Vertreter Ängste erzeugt (selbst der Anblick einer schwarz gekleideten vollverschleierten Frau macht bei manchem ein banges und trauriges Gefühl) – und wie angeblich ein Kaninchen auf die Schlange starrt, so starrt ein Teil der Welt auf den Islam. Nun, Kaninchen: Starre nicht auf die Schlange, sondern besinne dich auf das, was dich befreit! Die Schlange wird neidisch – und du lernst, über die Schlange zu kichern. Der Blog soll sich nicht zu einem Pro- oder Anti-Islam-Blog mausern (je nach Perspektive). Es sei auf die vielen Islam-Blogs hingewiesen (z.B. www.islam.de; www.muslim-markt.de [dazu s. den gleichnamigen Artikel in Wikipedia]) und die Blogs, die als Christen die islamische Welt betrachten (www.isahmesih.de) und die dem Islam aus mitteleuropäischer Sicht kritisch gegenüber stehen (z.B. www.pi-news.net) – womit nur ein paar Seiten genannt wurden.

Islam verstehen 2

Der Einwand, mit Koran und Hadithen handelt es sich ja nur um alte Schriften, verfängt nicht. Denn die Idealvorstellung besteht ja darin, diese Schriften 1 zu 1 umzusetzen, in die Gegenwart zu übertragen. Und das nicht allein in islamischen Staaten, sondern überall auf der Erde. Der muslimische Allah hat den Anspruch, die Menschen der ganzen Erde zu beherrschen. (Warum baut man denn riesige Moscheen, in die 1000 Moslems passen, wenn nur 300 in der Gegend wohnen? Warum versieht man sie häufig mit Namen islamischer Eroberer?) Nun höre ich wieder den Einwand: auch der christliche Gott will über der ganzen Erde herrschen. Salopp gesagt: Er tut es schon – dazu braucht er keine Erdteile erobern. Wir haben hier ganz andere Weltbilder und Gottesbilder vor uns. Wie versucht Allah in der Vergangenheit die Erde zu erobern? Wie versucht der Vater von Jesus Christus, sich bekannt, bewusst zu machen? Es geht dem christlichen Glauben nicht um Länder, sondern um Herzen. Um Herzen, die freiwillig kommen, ohne Angst, ohne eingeschüchtert zu sein, nur ergriffen von der großen Liebe, von Heilung und Perspektive.

Islam verstehen 1

Informiere dich erst einmal über den Islam, sagte er damals zu mir. Ich tat es: Erst liest man den Koran, manches stößt ein wenig auf. Man versucht, diese Aussagen aus der Zeit heraus zu verstehen. Dann die Hadithen – in der gereinigten deutschen Fassung – versteht sich. Und es stößt noch mehr auf. Und man sagt sich: Nun ja, die Nachrichten der Hadithen sind erst lange Zeit nach Mohammed aufgeschrieben worden. Dann beginnt man in vollständigeren englischen Übersetzungen zu lesen. Und man sagt sich als einer, der an der Bibel historisch-kritisch geschult ist: Man muss dies und jenes nur anders interpretieren – aber schnell wird da ein Riegel vorgeschoben: Das darf man nicht, das verfälscht Allahs Wort. Und dann schaut man sich die Fatwas an (http://www.islaminstitut.de/Fatawa-Rechtsgutachten.10.0.html), die Situation in den islamischen Ländern, die Scharia, das Leben Mohammeds – und dann kann und mag man nichts mehr verteidigen, weil viele das, was einem aufgestoßen ist, als Allahs Willen realisieren wollen. Das beste Mittel, dem Islam Anerkennung zu verschaffen, heißt: den Koran und die Hadithen zu verbieten. — Wir Ungläubigen verstehen die Texte nur nicht, weil wir diese nicht auf arabisch lesen. Nun, ob das, was ich gelesen habe, dazu in der Lage ist, mich motivieren zu können, arabisch zu lernen? Der Buddhist würde, wenn er wieder das Glück hat, als Mensch auf die Erde zu kommen, wohl sagen: Im nächsten Leben.

Gedankenlos

Wenn ein Moslem aufgrund seines Islam etwas angestellt hat, sagen Schlaue im Reflex: „Das Christentum ist genauso!“ Da fragt man nach: „Was für ein Christentum?“ Die Antwort kommt prompt: „Das Christentum im Mittelalter war genauso!“ Da fragt man: „Leben wir noch im Mittelalter, dass sich andere so benehmen dürfen?“ Wenn solche hoch-qualifizierten Aussagen kommen, dann frage ich mich weiter: „War das Christentum im Mittelalter wirklich so wie der schlaue Mensch behauptet hat? Weiß er überhaupt etwas vom Christentum im Mittelalter?“ Nein, er weiß nur eins: Das schlimme Christentum wurde durch – die Vernunft – gezähmt. Ein bißchen könnte er heute auch davon gebrauchen. 

Warum nennt man das üble Geschehen nicht einfach: böse. Man versucht es irgendwie zu relativieren oder gar anderen in die Schuhe zu schieben: den Amerikanern, den deutschen Ureinwohnern, den Israelis, den Christen … – nein, der ist es, der es aus seiner Tradition heraus getan hat, ob er sie nun falsch verstanden hat oder nicht – wer mag das schon zu beurteilen?  Es werden nur Sündenböcke gesucht – und zwar unter denen, von denen man meint, sie besser beherrschen zu können. Aber damit trifft man ja nicht die Übeltäter – die laufen, billig entschuldigt, in der Gegend rum.

Links und rechts / rinks und lechts

Wenn alle irgendwie links sein wollen, dann werden auch irgendwann die Linken rechts. Ein alter Kalauer – dennoch drängeln sich alle in der einen Ecke. Ich drängel mich mit. Da ists schön warm und so gemütlich, man ist einer Meinung und gut, ist sich nichts Böses bewusst, denn das tun nur die anderen. 

Auch die Nazis sahen sich nicht nur rechts – sonst hätten sie sich wohl nicht National-Sozialisten genannt. Eigentlich ist das verniedlichende „Nazis“ irreführend. Nicht nur wegen der Verniedlichung. Nasos wäre richtiger. Das war übrigens ein schlauer Zug: Selbst die größten Gegner verniedlichen das politische Übel. Wer hat die Bezeichnung eigentlich geprägt?

Auch Antisemiten gab es nicht nur rechts. Es gibt sie auch noch rechts und links und in der Mitte auch. Ob das unser Geschichtslehrer wusste? Dass es rechte Antisemiten gibt wurde so sehr betont, dass die Linken sich davonschleichen konnten, gegen Israel.

Auch die Konservativen sind nicht sicher. Weil Linke oft konservativer sind als die Konservativen.

Aber lassen wir das. Sonst kommen wir noch ins Grübeln. Halten wir uns lieber an die alt bewährten Schubladen.

Zum Sonntag 6

Ich wünsche Segen allen, die den Weg zu Gott suchen – dass sie ihn finden zur rechten Zeit, der Zeit der Not, der Zeit der Freude, der Zeit des Gleichmaßes.

Ich wünsche Segen allen, die den Weg Gottes gehen – trotz Spott, Anfeindung und Gefahr, dass sie ihn in Liebe gehen und das Leben in Fülle bekommen.

Ich wünsche Segen allen, die den Weg Gottes wieder verlassen haben – dass die Sehnsucht nach Gottes Weg im Herzen brenne.