Islam und Dialog 6: kommunikative Religion?

(Fortsetzung vom 29.8.) Der christliche Glaube ist von seinen Wurzeln her kommunikativ ausgelegt – wenn man an Jesus und auch an seinen Nachfolger Paulus und viele andere denkt. Ist die moslemische Verehrung Allahs – vom Koran und von Mohammed aus gesehen – auch kommunikativ ausgelegt? Man denke an Nigeria, Ägypten, Iran, Indonesien, Sudan, Malaysia, Pakistan, Saudi Arabien – überhaupt an diese Staaten der Umma / des Dar ul Islam, den Gürtel von Marokko bis zu den Südphilippinen. Was tun? 

Islam und Dialog 5: Grundlagen eines Dialogs

(Fortsetzung vom 27.8.) Dialog? Es bleibt viel zu tun. In der Nachfolge Jesu vor allem: in Liebe zu tun, aus dem Geist Jesu Christi heraus. Jesus tritt nun einmal für Ehrlichkeit ein. Auch hat er seinen Zeitgenossen gesagt, was Sache ist – mit seiner Meinung nicht hinterm Berg gehalten: ob Menschen es hören und am Tun sehen wollten oder nicht.

Natürlich müssen Menschen unterschiedlichster Religionen auch miteinander reden – und sich klar werden: mit welchem Ziel?

(a) ich interessiere mich ehrlich für den anderen (man fragt, um zu verstehen; man muss aber auch, um wirklich verstehen zu können, wahrhaftig diskutieren können)?

(b) ich möchte zuhören – auch, um zu sehen: Was könnte mich menschlich-religiös bereichern?

(c) müssen anliegende gesellschaftspolitische Probleme bewältigt werden?

(d) will ich den anderen vom eigenen Weg überzeugen (ist nicht von vorneherein abzulehnen – das versuchen ja Atheisten u.a. auch, nur denken sie, sie seien neutral)?

(e) will ich eine einheitliche Religion, eine Metareligion der Vernunft schaffen? 

Was ist sinnvoll? Was ist möglich? Was geht ohne Selbstaufgabe (manchmal wird falsche Selbstaufgabe mit Nächstenliebe verwechselt)? Habe ich die Weisheit mit Löffeln gefressen (weil ich der Vernunft-Begabteste aller Menschen bin)? Fragen über Fragen, weil man erst einmal selbst klären muss: Was will ich, wie geht es mir damit, wo stehe ich, welche verborgenen Gefühle und Gedanken schlummern und drängeln in mir, welche Traditionen und Ängste, welche Feigheit und (Selbst-)Vertrauen …

(Fortsetzung folgt.)

Islam und Dialog 4: Abrahamitische Religionen

(Fortsetzung vom 26.8.) Ist das ein Dialog, den wir brauchen? Nehmen wir Abraham als Beispiel, weil er von Jürgen Micksch in einem Heft dargestellt wird: Abrahamische und Interreligiöse Teams, Frankfurt/M 2003 [Interkulturelle Beiträge 21] – unterstützt von zahlreichen Organisationen, z.B. Gewerkschaften, der EKHN und Ministerien. In diesem Heft werden wunderschön Texte zitiert, in denen Abraham im Koran, im Alten und Neuen Testament genannt wird. Wenn der nicht gutgläubige Leser sich jedoch die Mühe macht, die Abraham-Texte in den Quellen zu lesen, muss er bass erstaunt feststellen, dass der gute Autor doch einige Aussagen weggelassen hat – gerade, sagen wir: manche Besonderheit der jeweiligen Religion. Zum anderen muss der Leser beachten, dass er die Worte nicht einfach so leicht interpretieren kann. Wenn im Koran steht: „Nehmt euch die Stätte Abrahams zum Gebetsort“ – dann klingt das freundlich neutral. Aber für Moslems ist das als Allahs Wort verbindliche Gegenwart für alle Menschen und nicht Vergangenheit. Preisfrage: Welche Stätte meint der Koran wohl? Es bleibt ein übles Geschmäckle, weil diese Vorgehensweise des Autors kaum den Dialog – sondern nur das Misstrauen fördert.

PS.: Jesus empfiehlt laut Johannesevangelium das Beten zum Vater in Geist und Wahrheit (Joh 4,23f.).

(Fortsetzung folgt.)

Islam und Dialog 3: Islam + Aufklärung

(Fortsetzung vom 26.8.) Als einer, der zahlreiche populäre Jesusbücher unter die Lupe genommen hat (z.B. in: … und noch ein Jesus, LIT-Verlag 1999), sehe ich, dass Mohammed und mancher Aufklärer aus dem 18.-21. Jahrhundert Hand in Hand durch die Gegenwart marschieren: Jesus ist nicht Sohn Gottes, Jesus ist auch nicht von den Toten auferstanden; auch den Sühnetod Jesu mögen Mohammed und so mancher Aufgeklärte nicht. Bevor der Verstand darüber jubelt, wäre es gut, das Neue Testament und den Koran zu lesen und sich zu fragen: Welchen Geist spüre ich in und aus den Schriften? Der Gott, den Jesus „Vater“ nennt, tut aus Liebe so manches, was dem ein oder anderen Menschen nicht gefällt – weil er es nicht versteht und vielleicht auch nicht verstehen will.

(Fortsetzung folgt.) 

Islam und Dialog 2: Freiheit + Gesetz

(Fortsetzung vom 25.8.) Der menschenfreundliche Umgang Gottes hat von Jesus Christus her gesehen einen ganz anderen Stellenwert als Moslems im Koran lesen können. Ebenso hat der Umgang der Menschen untereinander in neutestamentlichen Schriften eine andere Qualität als im Koran. Auch wenn der Mensch religiöse Gesetze als Lebensstütze und Sicherheit wohl mehrheitlich lieber mag als Freiheit – an der Freiheit, die Gott dem Menschen lässt, kann vom Neuen Testament her gesehen nicht gerüttelt werden. Was für eine Freiheit strahlt Jesus Christus aus. Aber auch Paulus als Nachfolger Jesu spricht vor allem im Galaterbrief: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Gal 5,1). Das gilt auch dann, wenn selbst Kirchen immer wieder – als Nachfolger der törichten Galater (Gal 3,1) – kräftigst daran rütteln. Wer diesen Aussagen widersprechen möchte, tue es – immer her damit, ich lasse mich gerne eines Besseren belehren -, aber erst Neues Testament und Koran lesen! 

(Anzumerken ist, dass die koranischen Gesetze nicht allein religiöser Natur sind, sondern mit den Hadithen das gesamte Zusammenleben regeln wollen – was für das Neue Testament undenkbar ist, da von seiner Grundlage aus der einzelne Glaubende den Heiligen Geist hat und in Verantwortung vor Gott im Miteinander der Gemeinde selbst sein Leben führen muss.) 

(Fortsetzung folgt)

Islam und Dialog 1: Fälscher

Wenn Allah mit Gott, dem Gott, den Jesus Christus und somit auch wir „Vater“ nennen, identisch ist, dann hat der christlich-islamische Dialog noch einiges zu klären. Laut Bekenntnis der Moslems gilt der Koran als Allahs Wort – und dennoch wird Jesus Christus ganz anders dargestellt als er war, von neutestamentlichen Zeugen bekannt und von uns geliebt/bewundert wird. Mohammed wusste das, darum finden wir im Koran die Bemerkungen, dass die jüdischen und christlichen Schriften Verfälschungen enthalten würden. Allah habe sich mit dem Koran gegen diese Fälschungen durchgesetzt.

(Es ist hier nicht der Ort, das ausführlich darzustellen. Wer mehr Informationen mag, möge sich bei mir melden. Ich habe ein Manuskript in der Schublade liegen, das ich leider noch nicht abschließen konnte: „Jesus Christus in den Religionen“. Aber besser ist es, selbst den Koran und die Evangelien zu lesen. Dann bekommt man die Intention der Schriften besser mit.)

(Fortsetzung folgt)

Zum Sonntag 4

Ich wünsche Segen allen, die innerlich zerrissen sind, damit sie Heilung finden.

Ich wünsche Segen allen, die Heilung gefunden haben, damit sie auf andere zugehen können.

Ich wünsche Segen allen, damit sie auch die Heilung finden, die nur der große Arzt der Seelen, Jesus Christus, geben kann. 

„Wie die zarten Blumen willig sich entfalten / und der Sonne stille halten, / lass mich so / still und froh / deine Strahlen fassen / und dich wirken lassen“ (Tersteegen: Gott ist gegenwärtig [EG 165])

Vom Suchen – Finden – Verlieren 4

(Fortsetzung vom 22.8.) Leider führt auch dieser dritte Schritt häufig nur zur Verkrampfung. Erst muss ich mich finden – dann muss ich andere finden, erst muss ich mich lieben – dann muss ich andere lieben … Es geht auch Hand in Hand. Während ich auf andere zugehe, gehe ich auf mich zu. Die Befreiung des Herzens = der Geist der Liebe = der Lichtstrahl Gottes kommt,  indem wir uns ihm hinhalten und auf andere – somit auch auf uns selbst – zugehen.

Kurz: Gott sitzt auf dem Thron und ruft mir zu: Komm, setz dich zu mir und den anderen!   

Vom Suchen – Finden – Verlieren 3

(Fortsetzung vom 21.8.) Wenn der Mensch sich wirklich gefunden hat – oder besser: meint, sich gefunden zu haben – dann folgt ein weiterer Schritt: Er kann sich wieder verlieren – und zwar ganz bewusst. Es geht nicht darum, sich an einen Guru oder an große Weisheiten zu verlieren. Wer sich lieben gelernt hat, der kann andere lieben; wer sich annehmen gelernt hat, kann andere annehmen. Wer seinen Schatz entdeckt hat, kann ihn weitergeben.

Kurz gesagt: Ich sitze neben anderen auf den Stühlen – und biete anderen meinen Stuhl an. (Fortsetzung folgt.)

Vom Suchen – Finden – Verlieren 2

(Fortsetzung vom 20.8.) Damit diese Zerrissenheit aufhört, gilt es, sich zu finden: sich lieben und annehmen zu lernen – gleichgültig, was andere von mir denken. Es gilt zu suchen, um den Schatz, der verborgen in meiner Seele schlummert, zu entdecken, ihn freizulegen und zu bestaunen. Doch Menschen, die dabei stehen bleiben, haben es nicht immer leicht mit sich selbst: Sie verkrampfen sich, sie fordern von anderen, dass sie ihren Schatz auch gebührend bewundern; sie können sich nicht öffnen, sich anderen wirklich zuwenden.

Kurz gesagt: Ich sitze stolz auf meinem Thron. (Fortsetzung folgt.)