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5.3.2010 von Wolfgang Fenske.
Graham Green hat ein sehr eindrückliches Buch über einen Priester in Mexiko geschrieben: Die Kraft und die Herrlichkeit, Dt. 1948. Die Kirche wurde vom kommunistischen Regime verfolgt - ein Priester ist noch übrig geblieben, der von den Schergen von Versteck zu Versteck gejagt wird. Die Schergen meinen, die Welt von der Kirche befreien zu müssen, damit sie besser werde. Die Menschen sehnen sich nach dem Priester, nicht nach den brutalen Weltverbesserern - doch er hat ein großes Manko: Er ist Alkoholiker und hat im Rausch ein Kind gezeugt. Und so fühlt er sich auch, als Sünder, der unwürdig ist, das Sakrament zu verwalten, der an sich zweifelt… Nach seiner Hinrichtung wird er als Märtyrer angesehen.
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4.10.2008 von Wolfgang Fenske.
In der Zeitschrift “mut - Forum für Kultur, Politik und Geschichte” (Nr. 449, 2005) fand ich einen Beitrag von Alexander Saechtig über China, darin vor allem über den Schriftsteller Ba Jin. Es geht um Narbenliteratur, Literatur, die Narben verarbeitet, die die Kulturrevolution verursacht hat:
> Laßt auf keinen Fall noch eine „Kulturrevolution” über unser Land hereinbrechen, denn eine zweite Katastrophe wäre der absolute Untergang unserer Nation. Mir geht es hier nicht im geringsten darum, die Leute mit Schauergeschichten in Angst und Schrecken zu versetzen, doch immer noch erscheinen die vergangenen Ereignisse vor zwanzig Jahren vor meinen Augen. Diese unendlich lange, elende, unvergeßliche Zeit, die unmenschlichen Beleidigungen und Peinigungen jeglicher Art an meinen Landsleuten, dieses Riesenchaos, in dem man Recht in Unrecht verkehrte, aus Weiß schwarz und aus Schwarz weiß machte, zwischen Loyalität und Verrat nicht trennte und Wahrheit und Falschheit kaum voneinander zu unterscheiden waren, und dann noch die nicht enden wollenden Justizirrtümer, das ganze nicht wieder gut zu machende Unrecht! Wie sollten wir dies alles völlig aus dem Gedächtnis streichen, die Menschen nicht mehr darüber sprechen lassen, so daß zwanzig Jahre später nochmals eine „Kulturrevolution” entfacht wird, mittels derer neuer Streit entsteht, der große Unruhe über die chinesische Nation bringt?! Manch einer sagt: „Es soll noch einmal passieren? Unmöglich!” Darauf möchte ich eine Frage stellen: „Warum ist es unmöglich?” In den letzten Jahren habe ich wiederholt über diese Frage nachgedacht und gehofft, eine klare Antwort darauf zu finden: Möglich oder unmöglich? Erst mit einer Antwort brauchte ich mich nachts nicht mehr vor schrecklichen Träumen zu fürchten. Aber wer kann mir garantieren, daß die Katastrophe, die vor zwanzig Jahren über uns hereinbrach, sich unmöglich noch einmal ereignet? <
Auch in anderen Kulturen denkt man über gesellschaftspolitische Katastrophen nach. Das ist nicht neu - aber es zu beachten, ist das auch nicht neu? Wir Kreisen doch zu sehr um uns selbst.
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28.7.2008 von Wolfgang Fenske.
In der Biographie über Manfred Hausmann von Karlheinz Schauder wird aus Hausmanns “Zauberin von Buxtehude” zitiert: “Ein Leid, das du verstehen kannst, ist kein wirkliches Leid. Das wirkliche Leid ist voller Geheimnis. Ich habe hier gesessen in meiner Mutterseelenverlassenheit und mich unsagbar vor dem gefürchtet, was mir bevorsteht. Und ich fürchte mich auch jetzt noch davor. Aber immer wieder habe ich zuunterst in dem Grauen einen Willen gespürt, der etwas mit mir vorhat. Das Leid, das mir auferlegt ist, mir und dir, soll etwas bedeuten. Nichts Verständliches, etwas viel Tieferes. Das Leid ist ja nicht dazu da, daß wir es verstehen, sondern daß wir es ertragen. … Von allem Unergründlichen auf der Welt ist das Leid das Allerunergründlichste. Aber in dieser Unergründlichkeit kommt Gott mir nahe.” (S. 108)
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