Konklusion vor Argument + Viel Vergnügen mit uns selbst! + „Gute Künstler, böser Mensch?“

Zuerst trauen wir der Zusammenfassung – dann den dazugehörigen Argumenten – was uns gegen Gegenargumente eher immun macht usw.: https://content.ubs.com/microsites/together/en/nobel-perspectives/laureates/daniel-kahneman.html

Ob dem so ist – oder nicht, das ist egal, weil sowieso keiner über sich selbst steht, keiner eine neutrale Sicht auf sein Leben hat, seine Erfahrungen, seine Einschätzungen… Von daher kann man sich freilich hinterfragen, sensibler für sich und seine Entscheidungen werden. Aber letztlich führt das dazu, dass man sagt: So what?!

Denn auch diese Zusammenfassung glauben wir – weil wir sie für plausibel halten – und dann? Dann halten wir nach Argumenten Ausschau, die diese unterstützen – auch wenn sie falsch sein sollte. Denn wie kam der Forscher darauf? Weil er das vermutete und sich entsprechend die Argumentation dazu erdachte, erforschte, interpretierte?

So sind wir Menschen – wir kommen mit uns selbst nicht so ganz klar. Von daher: Viel vergnügen mit uns selbst!

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Kann auch ein Künstler, der kriminell ist, gute Kunst schaffen? Dazu: https://www.cicero.de/kultur/Kevin_Spacey-sexuelle_Gewalt-Sex-alles_geld_der_welt-Film-Kuenstler

Meine Überlegungen dazu: http://blog.wolfgangfenske.de/2017/11/05/werk-und-autor-nichttrennen/

https://www.wolfgangfenske.de/impressum-datenschutz.html und www.blumenwieserich.tumblr.com

Werk und Autor nicht/trennen?

Diese Diskussion ist schon älter und betraf die Anhänger des Nationalsozialismus: Darf zum Beispiel ein großer Philosoph und dürfen andere geehrt werden, obgleich sie Anhänger von Hitler waren – in welchem Maß auch immer? Ich erinnere an Heidegger, an Benn… Die Diskussion betrifft auch Kolonialisten: Darf man sie, auch wenn sie für ihr Land Großartiges geleistet haben, ehren? Wie sieht es aus mit Rassisten? (Aus christlicher Perspektive ist alles klar. Aber darum geht es nun nicht.) Die Diskussion müsste eigentlich auch mit Blick auf den Kommunismus stattfinden, denken wir an Brecht. Darf man großartige Autoren, die den Kommunismus sehenden Auges verherrlichten, ehren? Aber auch hier: Es gibt böse und gute politische Versager. (Ich denke auch an Gorki und sein sonderbares Verhältnis zu Lenin…)

Diese Diskussion hat nun die Filmewelt eingeholt: Darf man die Regisseure und Schauspieler, die großartig gespielt bzw. großartige Filme hinterlassen haben, ehren, wenn sie mit Vergewaltigungen und anderen Bedrängnissen von Frauen von sich Rede machen?

Ich kann mich erinnern, irgendwann einmal gelesen zu haben: Als Autor und Regisseur muss man alles mal mitgemacht haben, um wirklich emotional Gutes hervorbringen zu können, man muss die Abgründe des Menschen in sich spüren, um sie auch Sprache bzw. Bild werden zu lassen. Man muss die Kämpfe in sich selbst wahrnehmen. Habe ich das früher einmal mit Blick auf Hemingway oder Fassbinder gelesen? Ich weiß es nicht mehr.

Ich denke, wir sollten zwischen Autor / Regisseur /Schauspieler usw. und seinem Werk trennen. Wenn wir nämlich hier anfangen das zusammen zusehen, wird kaum einer wirklich aus diesem menschlichen Fegefeuer ins von Menschen gemachte Paradies kommen können. Denken wir an Brecht. Ich mag Brecht – auch wenn ich seine politische Einstellung kurios finde. Was Brecht und die Frauen betrifft: man lese das: https://www.welt.de/print-welt/article235235/Brechts-Liebesleben-Erbarmen-mit-den-Frauen.html Oder man lese das hier: https://www.augsburgwiki.de/index.php/AugsburgWiki/BrechtUndDieFrauen

Das betrifft auch Theologen, die nicht besonders jesuanisch agiert haben. Ich denke dabei zum Beispiel an Paul Tillich: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41843174.html

Die Frage ist allerdings – betrifft auch Brecht -: Haben die Frauen immer freiwillig mitgemacht? (Was heißt „freiwillig“? Bei Weinstein hören wir Beispiele, dass manche Frauen mitgemacht haben aus verschiedenen Gründen – sich aber genötigt fühlten.) Oder wissen wir es nur nicht mehr, weil es damals kein Thema war?

Damit bin ich beim Thema Moral: Muss ein Mensch „moralisch“ sein, um Wichtiges schreiben/filmen/denken zu können? Wieweit darf er gehen? Wer entscheidet, wieweit er gehen darf?  In Diktaturen, die Ideologien folgen, ist die Antwort glasklar: Weg mit den Konterrevolutionären – weg mit den Büchern, Filmen… Tilgt die Erinnerungen… Aber wie gehen wir in einer zivilisierten Demokratie mit denen um, die sich in verschiedenen Formen unzivilisiert, unmenschlich, gegen wen auch immer respektlos benommen haben?

Es ist also nicht nur ein Thema, das die eingangs gestellte Problematik betrifft, sondern auch tiefer geht.

Spannend ist das Thema auch, weil man früher den Christen, die sich an moralische Vorgaben orientierten, vorwarf, prüde zu sein, nicht mit der Zeit zu gehen usw. usw. usw. Und heute? Welche Vorwürfe werden morgen laut – gegen Menschen, von denen man noch nicht ahnte, dass es einmal Vorwürfe werden könnten, weil es Usus war? Christen kann man sagen: Bleibt in der Nachfolge Jesu Christi treu – dann kommt ihr auch in kommenden Generationen eher ungeschoren davon – es sei denn, es gibt üble Nachrede.

Diese Aussagen sollen keinen Akt der Gewalt, sei es deutlicher, sei es versteckter Gewalt verteidigen. Es geht um grundsätzlichere Fragen – aber ich denke, dass diejenigen, die es genau lesen, merken. Wer oberflächlich lesen mag oder auch nur kann, kann mit Vorwürfen kommen – wird aber ins Leere laufen.

(Nachtrag: Und was ist mit Musikern? http://www.spiegel.de/einestages/afrobeat-pionier-fela-kuti-der-gefaehrlichste-musiker-der-welt-a-1175869.html

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Bücher

Ich musste meine Bücherregale umräumen. Dabei fielen viele Bücher in meine Hände, die ich freudig als gute alte Bekannte begrüßte. Dieses Gefühl, das sehr anregend ist, dürfte man bei e-books wohl kaum haben. Vor allem hatte ich auch Bücher, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie einmal gelesen hatte, in der Hand – und das Wohlgefühl oder die Anspannung kamen promt.

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