Atheismus – China und Bibel

China geht wieder repressiv gegen Bibeln vor: http://www.globalchristiannews.org/article/china-blocks-online-bible-sales-in-step-up-of-government-religious-control/

Das Ziel der Partei, der Partei, der Partei, die immer recht hat: Die Bibel zurechtzustutzen: sie soll sozialistischen – also Partei-Ansprüchen – genügen. Kennen wir alles schon. Man hat versucht im Nationalsozialismus die Bibel zu arisieren…

Schön zu wissen: Es wird nicht gelingen. Das wird Menschen verdummen – aber so sind sie nun einmal, die Ideologen. Interessant ist nur: Das kann vollkommen nach hinten losgehen. Denn ich habe gehört, dass viele Christen in China es klasse finden, in Christen einen spiritualisierten Sozialismus zu finden. Wenn nun die Bibel gereinigt wird – und Gott bzw. Jesus Christus nicht gestrichen wird, werden sich noch mehr Chinesen dem – allerdings nun einseitig gereinigten – Christentum zuwenden. Und was ist mit der göttlichen Partei, die immer recht hat? Sie wird von ihnen Gott untergeordnet werden.  Mal sehen, ob das Projekt wirklich vorangetrieben wird.

Der Bibelschmuggel – der kommunistisch ungereinigten Bibel – wird weitergehen und den Hunger der Christen nach Gott und der wahren Bibel stillen.

Die massivsten Repressionen gegen die bösen und dummen Christen, die sich dem wunderbaren sozialistischen Fortschritt versperren, alle Morde, Erziehungslager, Erniedrigungen, Verfolgungen haben nichts genützt. Also muss man als Ideologe neue Wege versuchen. Das zeigt uns China.

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Theodizee 12: Hans Leipelt

Am Beispiel der Mitglieder der Weißen Rose und deren Umfeldes wird in diesen „Theodizee“ Abschnitten dargestellt, dass es nicht die eine Antwort auf die Theodizee-Frage gibt. Es gibt die Antwort, die sich der jeweilige Mensch in einer Situation der Not bzw. seines Lebens erkämpft hat. Der Mensch ist vielfältig – und so gibt Gott auch auf vielfältige Weise Trost und Hilfe, wenn der Mensch für sie offen ist. Diese Hilfe, dieser Trost ist allerdings vielfach nur durch ein Ringen mit Gott zu erlangen, weil der Mensch auch gegen sein Gottesbild kämpft und die Spannung zwischen seinen Wünschen und den realen Grenzen ausfechten muss. Die Abschnitte des Blogs zum Thema wurden hier zusammengeführt: http://evangelische-religion.de/theodizee-sophie-scholl.html

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Hans Leipelt (*21.7.1921) hat in München studiert als er an das 6. Flugblatt der Weißen Rose gelangt war. Er hat es dann mit Marie-Luise Jahn nach der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst mit der Überschrift versehen: „… und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“ Sie brachten es nach Hamburg, vervielfältigten und verteilten es dort. Er sammelte zudem mit anderen Geld für die Witwe von Kurt Huber, wurde denunziert, am 8.10.1943 verhaftet, verurteilt und am 29. Januar 1945 hingerichtet. Seine Mutter, Katharina Leipelt, war Jüdin und wandte sich laut Alt dem Christentum zu und war „tiefgläubig“. Auch sie wurde verhaftet und nahm sich – zumindest lautet das offiziell so – das Leben (9.12.1943), nachdem sie erfahren hatte, dass sie nach Auschwitz deportiert werden sollte. Was Hans Leipelt mitgeteilt worden war.
Während seines Gefängnisaufenthaltes hat er sich intensiv dem christlichen Glauben zugewendet. Wie er selbst sah, gab ihm der Gefängnisaufenthalt die Möglichkeit, mit Gott allein zu sein. Das habe er gebraucht. Zu seinem letzten Abendmahl wählte er aus Lukas 21 den Text aus, in dem Jesus spricht:
Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter, darum daß sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume: wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihr’s an ihnen und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr: wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.

Als Lieblingslied betete er: Die auf der Erde wallen,/die Sterblichen sind Staub… Ich habe es im Internet nicht gefunden. In dem Gesangbuch der Landeskirche Hessen von 1924 wird es noch genannt. Ich werde es hier nicht hineinsetzen – aber nur ein paar Aspekte daraus zum Thema Theodizee nennen: Menschen sterben. Gottes Kinder gehen getrost den Weg in den Tod: „Herr über Tod und Leben, / o dann verlaß mich nicht.“ Die letzten drei Strophen:

Hilf, Todesüberwinder
hilf mir in dieser Angst,
der du zum Heil der Sünder
selbst mit dem Tode rangst;
und wenn des Kampfes Ende
gewaltiger mich faßt,
nimm mich in deine Hände,
den du erlöset hast.

Des Himmels Wonn und Freuden
ermißt kein sterblich Herz;
o Trost für kurzes Leiden,
für kurzen Todesschmerz!
Dem Todesüberwinder,
sei ewig Preis und Dank;
Preist ihm, der für uns Sünder
den Kelch des Todes trank!

Heil denen, die auf Erden
sich schon dem Himmel weihn,
die aufgelöst zu werden,
mit heilger Furcht sich freun!
Bereit, es Gott zu geben,
wenn er, ihr Herr, gebeut,
gehn sie getrost durchs Leben
hin zur Unsterblichkeit.

In dem Buch von Alt finden wir auch den Abschiedsbrief, den Hans Leipelt seiner Schwester Maria (die am 9.11.1943 verhaftet worden war, aber am 14. April 1945 in Bayreuth von der US Armee befreit wurde) geschrieben hat. Daraus folgender Auszug:
Und doch, Liebes, bleibst Du nicht allein zurück. Abgesehen  davon, daß ich gute Menschen weiß, die nach dem Kriege ihr  Möglichstes tun werden, Dich zu finden und Deine Existenz zu  sichern, bleibst Du in der Hand Gottes zurück, in der ich Dich  getrost lasse – hält er uns doch alle in seiner Hand, schützt und  erhält uns, und wo er uns diesen Schutz, diese Erhaltung zu  versagen scheint, muß uns doch auch das, und gerade das, zum  Besten dienen. Dieses Zutrauen zu ihm dürfen, ja müssen wir  haben, auch wenn wir seine Wege einmal nicht verstehen und  vielleicht sogar hart finden. Ich bitte Dich, und werde in diesen  letzten Stunden für Dich darum beten, daß Du Dir dieses Vertrauen zu Gott Dein ganzes Leben lang erhalten möchtest. Sei  meinetwegen nicht traurig, wenn Du kannst, und jedenfalls unbesorgt. Ich fühle im wahrsten Sinne des Wortes göttliche Ruhe  in mir und sterbe ohne Angst in der Hoffnung auf Gottes Vergebung, die mir freilich bitter notwendig ist, bedenke ich, in wie  schwerer Weise ich mich an ihm  versündigt habe.

Literatur:

Marie-Luise Schultze-Jahn: „… und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“ Widerstand im Zeichen der Weißen Rose, Metropol Verlag 2003 (Bibliothek der Erinnerung, Hg.v. Wolfgang Benz 10)

Karl Alt: Überschreiten von Grenzen. Strafgefängnis von München-Stadelheim zwischen 1934-1945, Verlag Ökologie&Pädagogik 1994 (Überarbeitete Neuauflage von Karl Alt: Todeskandidaten, 1946)

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Glauben und Frieden

Der Friedensaktivist Jean Goss hat seine Grundlage in der Auferstehung Jesu Christi https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Goss :

»Christus offenbarte sich mir nicht als Idee, Ideologie, Doktrin oder Religion. Er zeigte sich mir als das, was ich kannte: als MENSCH. In Christus  habe ich DEN MENSCHEN getroffen, nach dem ich mich im Innersten Wurzeln  sehnte, den, der alle Menschen ohne Ausnahme liebt – die Guten und die  Schlechten, die Arbeiter und die Bosse, die Gläubigen und die Ungläubigen,  die Ausgebeuteten und ihre Unterdrücker, weil sie alle vom Vater in Liebe geschaffen sind. Dieser Mensch trug einen besonderen Namen: LIEBE. Dieses  Wort wird so mißbraucht, daß es für viele sinnlos ist. Aber für mich hat es ei-  nen ganz präzisen Sinn erhalten: Diese Liebe ist weder sentimental noch romantisch. Sie ist Wahrheit und Gerechtigkeit, nichts anderes. Deshalb ist sie  aktiv, dynamisch und aggressiv – gegen das Böse, das Unrecht, aber niemals  gegen den Menschen! – Sie schafft Leben, ununterbrochen und überall. Das  heißt, diese Liebe verleiht dem Menschen seine volle menschliche und göttliche Dimension. Und schließlich wurde mir klar, daß diese Liebe die einzige Kraft ist, die zu erlösen und zu befreien vermag. Denn sie zahlt den Preis  für den andern, so wie Jesus am Kreuz. Sie läßt sich nicht vom Unrecht  anstecken und setzt es nicht fort, im Gegensatz zu dem, was ich als Soldat getan hatte.«

Während seiner späteren Frau Hildegard Goss-Mayr die Kreuzigung Jesu für ihre Aktivität wichtig wurde https://de.wikipedia.org/wiki/Hildegard_Goss-Mayr :

Es war nicht der Auferstandene, der wie ein Aufblitzen göttlicher Freude  in Jeans Leben fuhr, es war vielmehr das Bild des Gekreuzigten, das langsam  vor mir aufstieg. Wenn die Liebe dieses Gottes, der sich hinschenkt, alles vergossene Blut, allen Verrat, Haß und alle Unterdrückung abzufangen und das  Antlitz des Menschen wieder zu vergöttlichen vermag dann ja dann könnte ich leben! Aber dann müßte ich mich total, mit aller Kraft eines ganzen Lebens in den Dienst dieser befreienden Liebe stellen: hineintreten in den Kampf  gegen Gewalt und Zerstörung aus der Kraft des lebendigen Gottes!

Der Mitbegründer des Internationalen Versöhnungsbundes (1914), Friedrich Siegmund-Schultze  https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Siegmund-Schultze , betonte kurz nach 1945 die Auferstehung:

Daß der Glaube der  ersten Jünger sich ganz auf die Auferstehung Christi gründete, daß die  erste Christenheit den Auferstehungstag als den Herrentag feierte, um  damit die zentrale Tatsache des Christenglaubens zu bezeugen, ist den  frommen Zweiflern unserer Tage nie aufgegangen. Und wie Jesus auf dieser  Erde auferstanden ist, so hat er auch seine Wiederkunft auf dieser Erde  verheißen. Alle, die das verstanden haben, verstehen auch das „Bald“,  das er ausgesprochen hat. Es geht nämlich darum, daß wir ihm den Weg  bereiten.  Alles kommt darauf an, daß Wegbereiter der Wiederkunft Christi, Zeugen  der Auferstehung Christi da sind. Die neue Kreatur in Christus ist die  Urzelle der Regeneration der Menschheit. Die von innen erneuerte Gemein-  schaft ist die Grundlage der neuen Gesellschaft. Neue Menschen schaffen  eine neue Kultur. Der Untergang des Abendlandes kann nur aufgehalten  werden durch einen Aufgang des Christentums. Das bedeutet, daß jeder  Christ aufgerufen ist, seinen Anteil an der Wiedergeburt der Gesellschaft  durch sein persönliches Neuwerden zu leisten.

Für andere ist es wiederum die Lehre Jesu von der Feindesliebe, die sie zur Friedensarbeit motiviert. Auch hier zeigt sich wieder: Der Mensch ist vielfältig und Gott geht auf den Menschen auf vielfältige Weise ein. Wir können ihn auf ein und dieselbe Perspektive reduzieren. Damit werden wir aber weder Gott noch dem Menschen als Ebenbild Gottes gerecht.

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Hildegard Goss-Mayr: Wie Feinde Freunde werden. Mein Leben mit Jean Goss für Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit und Versöhnung, meinhardt text und design Idstein 1999

Hans Gressel/Heinz Kloppenburg (Hgs): Versöhnung und Friede, Nummer 13/14, 1960. Friedrich Siegmund-Schulte zum 75. Geburtstag am 14. Juni 1960

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Theodizee 11: Kurt Huber

In den letzten Wochen habe ich die Theodizee-Frage (Theodizee 1-10) aus der Perspektive einzelner Mitglieder der Weißen Rose dargestellt. (Z.B.: http://blog.wolfgangfenske.de/2018/03/04/theodizee-10-alexander-schmorell/ ) (Gesamtüberblick: http://evangelische-religion.de/theodizee-sophie-scholl.html ) Hier folgt nun Kurt Huber. Es wird noch Hans Leipelt folgen. Über Willi Graf werde ich nur einige Links bringen können.

Kurt Huber war Philosoph, Psychologe, Musikwissenschaftler – Professor an der Uni München. Als Katholik wurde er argwöhnisch beäugt und als der NSDAP feindlich eingeordnet. Hans Scholl und Alexander Schmorell nahmen Kontakt zu ihm auf und das 5. vor allem aber das 6. Flugblatt der Weißen Rose geht mit auf ihn zurück bzw. wurde maßgeblich von ihm formuliert. Kurt Huber wie auch Alexander Schmorell wurden am 13.7.1943 enthauptet. Die folgenden Angaben stammen aus dem Buch, das Clara Huber, die Frau von Kurt Huber herausgegeben hat: Kurt Huber zum Gedächtnis. „…der Tod… war nicht vergebens“, Nymphenburger Verlagshandlung München 1986. Neben den folgenden privaten Sichtweisen hat er sich zum Beispiel auch intensiv sachlich mit Leibniz und das Christentum in Europa befasst.

Der Gefängnispfarrer schrieb Clara Huber nach der Hinrichtung ihres Mannes: „Es war sein besonderer Stolz, daß er vor dem höchsten Gericht, dem Volksgericht, erklären durfte, daß die von ihm sorgsam beobachtete Entwicklung mit seinem Christentum nicht mehr vereinbart werden konnte. Fortan nahm ihn die Gestalt Christi immer mehr gefangen… Oftmals suchte und fand er Trost und Sicherheit in den heiligen Mysterien unseres Glaubens. Wie auf dem Gebiete der Natur so war ihm auch in der Übernatur alles klar und durchsichtig. Christus war ihm Weg, Wahrheit und Leben geworden.“ „Er hatte den festen Glauben im Herzen, daß sein Tod nur Durchgang zum Leben sei.“ (64)

In einem Auszug aus einem Gedicht von ihm heißt es (55f.):
Was wär der Mensch, wenn ihn
Nicht hart das Böse streifte,
Wenn er, von Leid durchwühlt
Nicht doch zum Guten reifte?
Er wär nicht Mensch, er wär

Ein Spielball der Natur,
Am Bösen lernend fühlt
Er mählich Gottes Spur.

Ihm war gewiss, dass er nach seinem Sterben weiterleben und den Lieben verbunden bleiben würde. So schrieb er auch am 13. Juli 1943:

Herr, o Herr, ich bin bereit,
reis an Deiner Freundeshand
Fröhlich in die Ewigkeit!
Segne unser deutsches Land,
Segne Frau und Kinder mein,
Tröste sie in aller Pein,
Schenk den Liebsten Du hinieden
Deiner Liebe Gottesfrieden!

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Während seines Begräbnisses sangen zwei Angehörige zwei Verse des Liedes: O Haupt voll Blut und Wunden.

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Sprache sprengen

(Ich weiß nicht, ob ich das schon einmal im Blog hatte. Wenn ja, bitte überlesen.)

Menschen sprechen. Menschen, die sprechen bemerken vielfach, wenn sie sensibel genug sind, dass Sprache begrenzt ist. Und weil Sprache begrenzt ist, machen sich manche Gedanken darüber, die Grenzen der Sprache aufzubrechen. Dazu gehören Lyriker, Philosophen, Theologen…

Liebe. Liebe ist nur ein Wort. Die Emotionen, die mit diesem Wort verbunden sind, versuchen Liebesgedichte und Liebeslieder ein wenig Wort werden zu lassen, damit man seine Emotionen versteht, damit man sie selbst Wort werden lassen kann, damit man in dem kalten Wort Wärme findet.

Philosophen versuchen ständig, die Sprache zu sprengen. Wie begrenzt die Sprache ist, merken auch Wissenschaftler, die versuchen, das Anliegen der Wissenschaft zu kommunizieren. Da sagen sie dann: Natur erschafft. Warum? Weil sie in der Sprache des Mythos gefangen sind. Natur kann nichts erschaffen. Das Wort erschaffen beinhaltet: Es ist ein gestaltender Wille dahinter. Atheistische Naturwissenschaft muss also auch versuchen, den sprachlichen Rahmen zu sprengen, sonst bleibt sie im Mythos gefangen und wundert sich, dass Menschen religiös bleiben. 😉

Und auch Theologen versuchen Gott zur Sprache zu bringen, sie wissen um die Begrenztheit der Sprache. Gott ist kein Geschöpf – und will dennoch kommuniziert werden. Wie macht man das angemessen? Diese Frage ist keine der Moderne. An dieser Stelle kommt dann die viel geschmähte Trinitätslehre ins Spiel. Sie hängt mit der Philosophie der Griechen zusammen. Christlicher Glaube, den es ursprünglich mit dem Judentum um das Handeln Gottes ging und nicht um das Sein, versuchen nun ihren Glauben auch mit der Sprache griechischer Philosophie, in der sie aufgewachsen sind, zu kommunizieren. Und da ist die Trinitätslehre eine sprachliche Hommage an Heraklit (sage ich mal etwas salopp).

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Theodizee 12

Menschen leiden. Man kann das Leiden aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten: Aus der rationalen Perspektive, aus der authentischen Perspektive.

Rational gibt es die: Alle Lebewesen, die leidensfähig sind müssen leiden – Leiden gehört zur Evolution dazu. Alles zufällig geworden – entsprechend muss der Mensch als leidensfähiges Wesen, das er zufällig geworden ist, eben leiden. Dann gibt es die verschiedenen Aussagen aus religiöser Perspektive. Ich hatte sie genannt.

Dann gibt es die Perspektive: Menschen die Leiden überwunden haben, interpretieren Leiden aus ihrer jeweiligen Perspektive rückblickend – aber als etwas, das überwunden wurde.

Dann gibt es die authentische Theodizee: Menschen, die im Leiden stecken, interpretieren ihr Leiden. Aber auch hier – und das ist meine Intention, mein Schwerpunkt – auch Menschen, die im Leiden stecken interpretieren ihr Leiden nicht starr. Die Interpretationen variieren mit dem Leidensdruck, dem jeweils empfundenen Grad des Leidensdruckes, den Erfahrungen, der sozialen Situation…. Darum kann es die ein und alles und für alle erklärende Antwort nicht geben.

Wie auch immer die Perspektiven sind: Man wird einem anderen Menschen nicht gerecht, wenn man dessen (zeitbedingte) Antwort beckmesserisch analysiert. Man hat ja auch schon mit seinen eigenen versuchen, Antworten zu finden, genug zu tun.

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An dieser Stelle möchte ich – neben den bisherigen Erfahrungen im Kontext der Weißen Rose – auf die unterschiedlichen Reaktionen – willkürlich ausgewählt – hinweisen:

Samuel Koch: Zwei Leben

Nick Vujicic: Mein Leben ohne Limits

Jennifer Strickland: Bekenntnisse eines Topmodels

Joni Eareckson-Tada: http://www.joniandfriends.org/

Bethany Hamilton: DVD: Soul Surfer. Die wahre Geschichte der Bethany Hamilton

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Sie blieben nicht in dem Warum, Gott! stecken,
resignierten nicht in dem: Du bist nicht, Gott!,
sondern mit Gott im Rücken handelten sie zum Wohl vieler Menschen.

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Evangelikaler Fundamentalismus

Wie wenig Ahnung manche von unserer Vergangenheit in Deutschland haben, zeigt dieser Fall: http://www.ead.de/nachrichten/nachrichten/einzelansicht/article/deutschland-debatte-um-den-islam.html

Meine Frage ist allerdings: Wen muss man für diese Ahnungslosigkeit verantwortlich machen?

Der Pietismus war einer der treibenden Kräfte des sozialen Aufbruchs in unserem Land, das Bewusstsein, allein Gott zu gehorchen – und nicht den ideologischen Herrschern der jeweiligen Zeit, hängt stark mit dem evangelikalen Fundamenten zusammen.

Natürlich mussten und müssen Auswüchse kritisiert werden. Aber muss man mit der Kritik gleichsam übertreiben? Auswüchse müssen hier genauso kritisiert werden wie die Auswüchse sogenannter liberaler Theologie. Aber das sollte mit Wissen geschehen – sonst ist es als Rufmord einzuordnen:  man macht andere nieder, weil man gehört hat, dass…

Die größten Kritiker der Christen dürften aber diejenigen sein, die das christliche Weltbild in Frage stellen, weil sie ihr eigenes Weltbild durch die Christen infrage gestellt sehen. Wenn Christen an Gott festhalten, an Jesus Christus – dann wird das als Kampfansage an die eigene Wertordnung interpretiert. Von daher kann man sicher so manche aggressive Haltung gegen Christen verstehen. Wohl auch darum, weil zu erwarten ist, dass das christliche Weltbild diese jeweils modernen Weltbilder überstehen wird. Das ist das Fiese am christlichen Glauben: Er hat einen längeren Atem als die jeweiligen Individuen, die sich kurzen Zeitströmungen anpassen. (Einen längeren Atem auch deshalb, weil er sich anpassen kann – so lange das Fundament bleibt 😉  )

Nicht von ungefähr wechselte ich von „evangelikal“ zu „christlich“. Denn die Kritik betrifft nicht nur Evangelikale, sondern auch andere Christen wie zum Beispiel fromme Protestanten (die sich nicht als evangelikal einschätzen) und Katholiken. Aber evangelikal und Katholik wird lieber als Feindbild benutzt – lässt sich begrifflich leichter als Feindbild verwenden.

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Paul Schneider

Am 18.9.1939 wurde Paul Schneider durch eine Injektion von Strophanthin getötet. Zu Paul Schneider: http://paulschneider.studio-h-weimar.de/

Paul Schneider ist als der Prediger von Buchenwald bekannt. Als Pfarrer hat er sich dem faschistischen System des Nationalsozialismus nicht gebeugt, auch nicht entmutigt dadurch, dass viele seiner Gemeinde diesem verfallen waren. Ich weise schon einmal darauf hin, da sich im nächsten Jahr der Todestag jährt. Er sollte nicht vergessen werden.

Die Erinnerung an große Menschen darf nicht übersehen lassen, wie viele Menschen versagt haben. Die Erinnerung an große Menschen ist aber wichtig, damit wir als Christen möglichst nicht versagen – das heißt: wie die Weinrebe am Weinstock bleiben, uns von ihm nicht trennen lassen.

Barmer Theologische Erklärung – aus These 1 https://www.ekd.de/Barmer-Theologische-Erklarung-Thesen-11296.htm :

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.