Amalie Sieveking

Amalie Sieveking war fortschrittlicher als unsere Sozialversorgung heute vielfach ist http://frauen-und-reformation.de/?s=bio&id=47 :

Die Frauen sollen in den bedürftigen Familien keine Almosen verteilen, sondern den konkreten Bedarf dokumentieren. Es soll Hilfe zur Selbsthilfe geleistet, Werte vermittelt, Arbeit verschafft und die Ergebnisse schriftlich vorgelegt werden.

Dadurch, dass die Bedürftigen angehalten werden, etwas zu leisten, angehalten werden, sich weiterzubilden, werden sie anerkannt. Ihr Leben wird gewürdigt. Sie tun etwas. Sie werden nicht einfach nur verwaltet. Das ist Fortschritt. Ich vermute, wir in unserer notwendigen Massensozialverwaltung kommen nicht mehr dazu, sie entsprechend menschlich zu gestalten. Das Arbeitsamt versucht das – je nach Mitarbeiterin oder Mitarbeiter. Aber wie können wir es hinbekommen, dass das Ganze individueller abläuft? An dieser Stelle bin ich Pessimist. Man muss natürlich auch einräumen, dass Amalie Sieveking mit Mitstreiterinnen Hilfestellung nur für einen begrenzten Kreis schaffte. Heute werden Millionen versorgt.

Übrigens: Nicht nur den Hilfebedürftigen wurde geholfen, auch den Helfenden selbst.

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Kinderopfer + Menschenopfer

In Peru wurden sehr viele Überreste von Kindern gefunden, die vor 550 Jahren wohl geopfert wurden: https://www.welt.de/wissenschaft/article175922468/Sensationsfund-Archaeologen-entdecken-altes-Kinder-Massengrab-in-Peru.html

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Und in Turkmenistan wurden Menschen geopfert, die den Herren in den Tod begleiten mussten: https://www.welt.de/geschichte/article175901622/Archaeologie-Sensation-Palaeste-und-Menschenopfer-einer-unbekannten-Hochkultur.html

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Anne Frank – Bergen-Belsen

Kann das Grauen wirklich mit dieser App gezeigt werden? http://www.dw.com/de/mit-einer-app-das-grauen-sichtbar-machen/av-19229724

Wie dem auch sei – es ist ein wichtiger Versuch. Aber ich denke, biographische Annäherung oder Informationen aus den Lagern machen das Grauen deutlicher. Ich finde es gut, dass auch an die Jugendlichen und Kinder gedacht wird. Ich muss gestehen – sie waren nie in meinem Blickfeld. Sicher, ich wusste von Anne Frank, von anderen war immer wieder einmal die rede. Aber hierauf einen Schwerpunkt zu legen, ist sehr wichtig.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf das Buch hinweisen: Zeugnisse des Holocaust. Gedenken in Yad Vashem, hg. v. Bella Guttermann und Avner Shalev, Wallstein Verlag 2006 (Jerusalem 2005)

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Widerstand gegen Hitler/Nationalsozialismus + Kritik am Widerstand

Ich fragte ihn: Was hattet ihr in der Schule zum Thema Widerstand gegen Hitler? Er sagte: Schindler. Das war es dann auch. Mehr wusste er nicht. (Schindler, man hatte ihn nach 1945 zum Teil vergessen. Hat ihn übersehen, überhört – bis der Film gezeigt wurde. Und auch seine Frau Emilie, die mutig die vielen notwendigen alltäglichen Arbeiten zur Rettung der dem gewaltsamen Tod Entronnenen getan hat, wurde übersehen – auch im Film.)

  • Nichts hörte er von der Weißen Rose.
  • Nichts von den Menschen des Attentats am 20. Juli 1944: Berliner Widerstandsgruppe um Henning von Tresckow und anderen – z.B. auch Stauffenberg, Carl Friedrich Goerdeler.
  • Nichts von der Abwehr, z.B. Canaris-Oster-Dohnanyi-Bonhoeffer…
  • Nichts vom Kreisauer Kreis – vor allem Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg.
  • Nichts von der Jordans-Halem-Gruppe.
  • Nichts von den Kreisen der Roten Kapelle – vor allem Schulze-Boysen und Arvid Harnack.
  • Nichts von der Etter-Rose-Hampel-Gruppe in Hamburg.
  • Nichts von der kommunistisch geprägten Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe in Hamburg. bzw. Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation.
  • Nichts von Georg Elser, der allein handelte, der sich nur Gott im Gebet anvertraut hat.
  • Nichts von Berthold Beitz.

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Wenn man bedenkt, dass der Umgang mit dem Widerstand erkennen lässt, wie die Gesellschaft jeweils tickt, was lässt dieser Umgang erkennen, wenn man nur Schindler behandelt? Das ist keine rhetorische Frage – eine echte. Ist das ein Bild, das verallgemeinert werden darf?

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Was die Kritik an Menschen betrifft, die Widerstand üben:

a) Man muss sie alle in Ehren halten, welches Motiv sie auch immer hatten, wie sie auch immer als Menschen waren.

b) Kritik wird dann geäußert, wenn es darum geht, Menschen der Gegenwart etwas zu sagen: Der war nicht gut, weil er das und das dachte – schlechtes Vorbild, wehe, du denkst auch so! Er war zwar gegen die Menschenverächter – aber aus übler Gesinnung. Also vergessen wir ihn lieber und machen einen Buhmann aus ihm, ein abschreckendes Beispiel.

c) Ist das der richtige Umgang mit Menschen, die ihr Leben riskierten, um einen Massenmörder und seine Clique auszuschalten?

d) Dann gibt es freilich wie immer all die Besserwisser: Sie hätten alles besser gemacht. Besserwisser, die weder die Zeit berücksichtigen, noch die Realitäten des jeweiligen Alltags und der eingeschränkten Möglichkeiten, die sich einfach nur in gefahrloser Zeit mächtig aufplustern – ich denke, die kann man links liegen lassen. Sie vergessen zudem, dass der Nationalsozialismus zunächst für viele Menschen als menschliche, als Gemeinschaft fördernde Ideologie wahrgenommen wurde (National-Sozialismus). Der Nationalsozialismus trat ja zunächst nicht als eine für alle sichtbare dämonische Macht – oder wie soll man das sagen – auf. Mir stellt er sich als eine Art Chamäleon dar, anpassungsfähig, bis er dann zuschnappte – weil er sich im Volk sicher verankert wähnte. Wenige haben ihn von Anfang an als gefährlich erkannt.

e) Wie auch immer all diese Menschen waren – sie waren Menschen. Menschen mit ihren Stärken und Schwächen. Die Kritiker sind auch Menschen. Vielleicht hilft es ihnen ein wenig, das einzusehen, damit sie diese mutigen Menschen in ihrem Handeln achten können.

f) Nur eine Frage: Gab es eigentlich im faschistoiden Japan der damaligen Zeit auch Widerstand? Bekannt ist mir nur, dass in diesem Zusammenhang Toyohiko Kagawa festgenommen wurde und eine Anti-Kriegs-Liga gegründet hat.

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Wenn wir den Widerstand ein wenig überblicken, dann können wir folgendes sehen:
Frauen und Männer aller Jahrgänge, Arbeiter aus Fabriken, Handwerker, Selbständige, Unternehmer, Beamte, Professoren, Schriftsteller, Maler, Bürger,  Adlige, Militär, Zivilisten, Kommunisten, Sozialisten, National gesinnte, Christen, welcher Couleur auch immer, Lebemänner, Einzelgänger und als Gruppe Engagierte waren aktiv. Menschen, die von vornherein erkannten, mit wem sie es zu tun bekommen, Menschen, die erst mitgelaufen sind, dann eine Kehrtwende gemacht haben, Menschen, die im System blieben, aber menschlich waren (zählen für mich allerdings nicht zum Widerstand im engeren Sinn), Menschen, die nur gegen waren, und Menschen, die versuchten, dem Nationalsozialismus etwas Positives entgegen zu setzen…

Das soll nicht heißen, dass viele gegen den Nationalsozialismus waren bzw. auch aktiv waren. Es waren zu wenig. Auch Intellektuelle waren weitgehend abwesend. Sie sind anfällig für totalitäre Systeme (linke wie rechte Systeme, Kommunismus, Faschismus…) wie andere auch. Aber diese Aufzählung soll zeigen, dass Menschlichkeit nicht auf eine Gruppe beschränkt war. Das ist es, was wir heute fördern müssen, wo auch immer wir in der Gesellschaft stehen: Menschlichkeit, Kultur des Lebens fördern, wir müssen darum ringen und auch streiten, was das letztlich real bedeutet – und das in aller Freiheit! Das kann man auch heute noch am vielfältigen Widerstand zeigen. Um wieder auf die Schule zurückzukommen.

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Theodizee 11: Kurt Huber

In den letzten Wochen habe ich die Theodizee-Frage (Theodizee 1-10) aus der Perspektive einzelner Mitglieder der Weißen Rose dargestellt. (Z.B.: http://blog.wolfgangfenske.de/2018/03/04/theodizee-10-alexander-schmorell/ ) (Gesamtüberblick: http://evangelische-religion.de/theodizee-sophie-scholl.html ) Hier folgt nun Kurt Huber. Es wird noch Hans Leipelt folgen. Über Willi Graf werde ich nur einige Links bringen können.

Kurt Huber war Philosoph, Psychologe, Musikwissenschaftler – Professor an der Uni München. Als Katholik wurde er argwöhnisch beäugt und als der NSDAP feindlich eingeordnet. Hans Scholl und Alexander Schmorell nahmen Kontakt zu ihm auf und das 5. vor allem aber das 6. Flugblatt der Weißen Rose geht mit auf ihn zurück bzw. wurde maßgeblich von ihm formuliert. Kurt Huber wie auch Alexander Schmorell wurden am 13.7.1943 enthauptet. Die folgenden Angaben stammen aus dem Buch, das Clara Huber, die Frau von Kurt Huber herausgegeben hat: Kurt Huber zum Gedächtnis. „…der Tod… war nicht vergebens“, Nymphenburger Verlagshandlung München 1986. Neben den folgenden privaten Sichtweisen hat er sich zum Beispiel auch intensiv sachlich mit Leibniz und das Christentum in Europa befasst.

Der Gefängnispfarrer schrieb Clara Huber nach der Hinrichtung ihres Mannes: „Es war sein besonderer Stolz, daß er vor dem höchsten Gericht, dem Volksgericht, erklären durfte, daß die von ihm sorgsam beobachtete Entwicklung mit seinem Christentum nicht mehr vereinbart werden konnte. Fortan nahm ihn die Gestalt Christi immer mehr gefangen… Oftmals suchte und fand er Trost und Sicherheit in den heiligen Mysterien unseres Glaubens. Wie auf dem Gebiete der Natur so war ihm auch in der Übernatur alles klar und durchsichtig. Christus war ihm Weg, Wahrheit und Leben geworden.“ „Er hatte den festen Glauben im Herzen, daß sein Tod nur Durchgang zum Leben sei.“ (64)

In einem Auszug aus einem Gedicht von ihm heißt es (55f.):
Was wär der Mensch, wenn ihn
Nicht hart das Böse streifte,
Wenn er, von Leid durchwühlt
Nicht doch zum Guten reifte?
Er wär nicht Mensch, er wär

Ein Spielball der Natur,
Am Bösen lernend fühlt
Er mählich Gottes Spur.

Ihm war gewiss, dass er nach seinem Sterben weiterleben und den Lieben verbunden bleiben würde. So schrieb er auch am 13. Juli 1943:

Herr, o Herr, ich bin bereit,
reis an Deiner Freundeshand
Fröhlich in die Ewigkeit!
Segne unser deutsches Land,
Segne Frau und Kinder mein,
Tröste sie in aller Pein,
Schenk den Liebsten Du hinieden
Deiner Liebe Gottesfrieden!

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Während seines Begräbnisses sangen zwei Angehörige zwei Verse des Liedes: O Haupt voll Blut und Wunden.

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Menschen machen Geschichte

Die Kirchengeschichte ist Kraut und Rüben. Ich denke, es ist keiner da, der das leugnet. Menschen machen Geschichte. Wenn Gott dem Menschen den freien Willen schenkt – also auch die Möglichkeit, brutale Geschichte zu treiben – sollen wir für die Zukunft zum Guten wirken, aber die Vergangenheit nicht extremistisch-puristisch beurteilen. Sagen, was aus unserer Sicht schlimm und unchristlich ist: Ja. Aber nicht arrogant, denn wir sind schlimmer, man denke an die Atomwaffen, die Städte Zerstörungen mit Napalm, man denke an das, was wir nicht nur mit der Atomforschung, sondern auch mit der Genforschung alles anrichten können und anrichten, mit den angedachten Roboter-Misch-Menschen. Wir haben Möglichkeiten, die Geschichte zu beenden, die die gesamte Menschheit vor der Moderne nicht hatte. Wissenschaft und Technik haben ihren Anteil daran. Sie sind aus der Ambivalenz des menschen nicht auszuklammern: Wie der Mensch, so die Wissenschaft, so die Technik. Zudem haben wir die schlimmen Probleme noch nicht gelöst, auch wenn wir in manchen weiter gekommen sind: Hunger, Sklaverei, …

Wir Menschen machen Geschichte. Weil wir Menschen von Gott auch die Chance bekommen haben, verantwortlich mit allem umzugehen, sollten wir es auch im Kleinen und im Großen wahrnehmen.

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Sklaverei und Finstere Begleiterscheinung der Aufklärung

Was ich zum Thema Sklaverei gesagt habe, wird im Buch von Lütz (Der Skandal) durch weitere eindrucksvolle Beispiele vertieft. Von daher habe ich nichts zu korrigieren. Eine Ergänzung – was allerdings nicht mein Thema war: Die Aufklärer hatten, so Lütz, im Grunde überhaupt keinen relevanten Anteil an der Frage.

Interessant fand ich, dass vielfach gegen die Sklaverei als Argument angeführt wurde: Jesus hat uns mit seinem Blut von Menschen freigekauft (in Aufnahme von Paulus).

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Was die Zeit der Aufklärung betrifft: Wir finden in dem Buch folgende Hinweise:

Während der Schreckensherrschaft der Revolutionäre in Frankreich vom Juni 1793-Juli 1794 wurden in Paris 50.000 Menschen hingerichtet (0,2% der Bevölkerung) und im weiteren Verlauf verlor Frankreich an manchen Orten bis zu 15% der Bevölkerung. In 400 Jahren Hexenverfolgung – als Folge juristischen Versagens – in ganz Europa waren es in etwa genau so viele (ca. 50.000) und es waren zehnmal so viele Opfer wie in 350 Jahren spanische Inquisition.

Das soll keine Opfer aufrechnen. Es soll aber zeigen, wie unsere Maßstäbe verzerrt sind.

Interessant fand ich auch, dass in der Zeit der Aufklärung, in der die Konfessionen immer weniger Bedeutung bekommen haben, der Staat dominanter wurde – die Religion ersetzte. Er verlangte nun Gehorsam, bestrafte Ungehorsam, so habe Friedrich der Große einen Kaplan erhängen lassen, weil dieser einem Deserteur Sünden vergeben hatte. Der Staat bestimmte zudem die Religion.

Das passt zu meiner Beobachtung: In der Vergangenheit waren es die Priester/Theologen usw., die über Gott Bescheid wussten. In der Neuzeit waren es dann die Philosophen, die meinten, sagen zu können, wer oder was Gott ist bzw. nicht ist – in deren Gefolge dann die ideologischen Bewegungen/Staaten (Nationalsozialismus/Kommunismus) -, in unserer Zeit meinen manche Naturwissenschaftler sagen zu können, was es mit Gott auf sich hat – nämlich nichts.

Der Mensch in seiner Emanzipation von Gott ist schon ein eigenartiges Wesen. Heute sagt kein Herrscher mehr (öffentlich): Der Staat bin ich – viele kleine Individuen sagen aber von sich: Ich bin der Mittelpunkt der Welt. Bis sie dann von anderen Mittelpunkten oder dem Schicksal gedeckelt werden. Und dann stellt sich die Frage: a) Wie kann Gott das zulassen, dass es mir dreckig geht – und dann apologetisch b) weil ein Gott das nicht zulassen kann, sonst wäre er nicht gut, allmächtig usw., gibt es ihn nicht.

Ich gebe zu – das ist verkürzt. Aber grundsätzlich falsch? Aber ja – es gibt auch andere Perspektiven, die das für grundsätzlich falsch halten. Das ist auch gut so. Sonst hätten wir einen zur Erstarrung führenden Einheitsbrei.

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Geschichte des Christentums: Skandal der Skandale

Das Buch von Manfred Lütz: Der Skandal der Skandale. Die Geheime Geschichte des Christentums, Herder 2018, ist sehr interessant, weil es die neuste Forschung zum Thema Christentum auch im Mittelalter darlegt. Die neueste Forschung lehrt uns, dass viele lieb gewonnene Vorurteile revidiert werden müssen. Es ist wirklich sehr lesenswert für jeden, der sich ein wenig für die Geschichte Europas interessiert. Man sei allerdings gewarnt: Man kann danach nicht mehr in Vorurteilen oder Old Fakes gegen die katholische Kirche schwelgen. Was mir wieder neu bewusst wurde, dass man trennen muss zwischen dem Handeln der Kirche und dem der jeweiligen Staaten/Königreiche, Städte. Für mich war das vielfach zusammen gefallen.

Zudem kommt die Geschichte des Protestantismus auch in den Blick – so manches finstere Kapitel ist auch noch nicht allgemein bekannt geworden.

Das Buch von Lütz bietet eine notwendige Korrektur. Es stellt aber – aus meiner Perspektive – zu wenig das Ringen um den richtigen Weg innerhalb der Kirche dar. Dieser Prozess, den Gott mit dem Volk Israel – sichtbar im im Alten Testament – begonnen hat, wird nicht deutlich: Gott versucht sich immer stärker durchzusetzen gegen den Menschen als Sünder, dem Menschen im Widerstreit gegen Gott und seinen Mitmenschen. Dieser Prozess findet auch innerhalb der Kirche statt und nicht nur im Kampf der weltlichen Mächte gegen die Kirche.

Es ist ein wichtiges Buch, um Vorurteile und einseitige, undifferenzierte Angriffe gegen die Kirche klarzustellen. Aber man muss versuchen, dies in eine Gesamtperspektive einzuordnen.

Nun, das schreibe ich nach ein paar Kapiteln. Bin gespannt, wie es weiter geht.

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Erinnerung und Geschichte

Die Bibel „erinnert“ sich an geschichtliche Ereignisse.

Was jedoch bedeutet es, wenn man von Erinnerung spricht?

Ein Mensch erinnert sich im Kontext einer Gemeinschaft, nimmt die Sichtweisen der Gemeinschaft auf, formuliert aus dieser Sicht die Vergangenheit, mischt sie mit dem, was er aus der Vergangenheit weiß. Erinnerung bedeutet immer auch Aktualisierung der Vergangenheit für eine Gemeinschaft. Eine nicht aktualisierte Erinnerung hat in einer Gemeinschaft keine Chance – sie wird vergessen oder nur noch für Historiker relevant.

Wir haben in der Bibel ein kollektives Erinnern, ein erinnern, das immer wieder neu der jeweiligen Zeit, der Gemeinschaft, den Situationen angepasst wird. Erinnerung wird aktualisiert, damit sie die Gemeinschaft konstituiert. Das ist keine Fälschung und Verfälschung, denn diese Mischung von Erinnertem mit der Gegenwart, individuelles Erlebte und Gelesene in die Sprache der neuen Zeit gebracht, das ist ein natürlicher Vorgang, der im Hirn automatisch vor sich geht.

Und so geschieht in der Aktualisierung der Erinnerung etwas Wertvolles: Die Gemeinschaft wird stabilisiert, sie hat etwas, an dem sie sich orientiert. Ob es nun vor vielen, vielen Jahren genauso ereignet hat, ist irrelevant.

Diese Erinnerungen können wir heute historisch in vielen Bereichen intensiver untersuchen. Ist dem so wirklich gewesen? Wo setzt die Erinnerung Akzente, die wir heute nicht mehr nachvollziehen können usw. Wissenschaft ist in meiner Perspektive auch damit verbunden: Sympathie mit dem erforschten Gegenstand haben. Das heißt konkret: Wenn man das eine oder andere nicht nachvollziehen kann, dann bedeutet es vielleicht nur, dass wir  noch nicht die Möglichkeit haben, die Vergangenheit besser zu erkennen. Viele stolze Thesen sind schon der Vergessenheit anheim gefallen, weil man später mit sensibleren Methoden doch der Erinnerung Recht geben musste. Alles Forschen muss immer unter Vorbehalt künftiger vertiefter Erkenntnisse stattfinden. Arroganz deklassiert den Forscher.

Die Frage, die sich heute stellt ist die: Wenn man die kollektive Erinnerung zerschlägt, zerschlägt man nicht gleichzeitig die Gemeinschaft? Man fühlt sich so toll, fortschrittlich – man stellt alles in Frage, und wenn man es nicht wirklich kann, dann stellt man es in Frage durch Vermutungen. Und das erkennen wir an unserer Gesellschaft: Umgang mit Erinnerung ist eine, die zerschlagen werden muss. Nichts ist sicher, alles individuell, subjektiv, alles falsch, alles in Frage zu stellen. Es entsteht eine Trümmerhaufen-Gesellschaft, weil die Erinnerung zertrümmert wird.

Ist dem so? Ich vermute, dass die Erinnerungen zerschlagen werden, damit die Zerschläger aus den Steinen ihre neuen Gebäude aufbauen können. Damit sie die Leere, die sie herstellen, mit ihren eigenen Ideologien füllen können.

Und darum ist die Bibel im Blickfeld: Man muss alles in Frage stellen. Nicht, im positiven wissenschaftlichen Sinn, sondern man verneint auch das, was sicher ist, einfach, weil sie keine Bedeutung mehr haben soll. Das betrifft den Umgang mit Kirche bzw. Christen: Man stellt alles negativ dar – auch wenn es, was die Vergangenheit betrifft, wissenschaftlich nicht haltbar ist, und was die Gegenwart betrifft, von Ignoranz zeugt – einfach, weil man sie kleinmachen möchte. Warum möchte man das? Man fürchtet die Religion als Konkurrenz. Darum ist Jesus im Blickfeld: Von ihm, so heißt es lapidar, weiß man nichts – also taugt es nichts, was über ihn gesagt wird, so heißt es wider aller Richtigkeit. Zudem wird alles Erinnerte mit dem Vorwurf der Lüge übergossen. (Auch wenn man über den Menschen Jesus so gut wie nichts wissen sollte – was nicht stimmt – so stellt sich doch die Frage: Ist das der einzige Maßstab, die Verkündigung abzulehnen? Denn es gibt ja auch noch andere Kriterien als „historisch bewiesen“. Genauso gut könnte man einfach irgendwelche anderen Kriterien aufstellen: Wir haben von Jesus kein Haar mehr – also ist alles nicht sicher…)

Es gibt immer Deutungskonkurrenzen. Das ist klar. Die Frage ist allerdings: Wie gehen diejenigen, die erinnerte Vergangenheit anders deuten, miteinander um? Wie geht man mit den Voraussetzungen anderer um? Wie mit den eigenen? Ist man tolerant? Setzt man sich auseinander – auch heftig – aber unter dem Vorzeichen der Empathie, der Gemeinschaft oder dem der Konfrontation, der verbalen Degradierung?

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