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11.2.2009 von Wolfgang Fenske.
(Fortsetzung vom 10.2.) Dem Christentum ist esoterisches Denken nicht fremd. Im Gegensatz zum Christen, nimmt der Esoteriker jedoch alles selbst in die Hand und meint, es in die Hand nehmen zu können – damit ist er ein typischer Vertreter des modernen „Machers“ bzw. findet sich stärker in einem europäisierten Buddhismus wieder. Hingegen legt sich der Christ im Glauben in Gottes Hand – und kann von hier aus alles, was mit Wellness zu tun hat, in Anspruch nehmen (Atemtechniken, Wasserspiele, zur Ruhe kommen usw. – was zum Teil ja auch in der christlichen Mystik beheimatet ist: Klostermedizin, Klostermystik usw.). Jesus Christus als Zentrum ist Glaubenden wichtig – auch was Sterben und Tod betrifft. Reinkarnation ist nicht christlich. Christlich ist: die Vergebung durch Jesus Christus und nicht Abarbeiten der Schuld durch Reinkarnationen; christlich ist: das neue Leben, das Jesus Christus schon jetzt ermöglicht, einzuüben und mit seiner Hilfe zu leben; christlich ist nicht: Mir muss es gut gehen, sondern: Wie geht es dem anderen? Was ist Gottes - des Gottes, den Jesus Christus und wir “Vater” nennen - Wille?
Vielleicht stehen hinter bestimmten Dingen positive und negative Mächte. Esoterisch ist, sie in Gleichgewicht zu bringen. Mancherorts hat Esoterik in dieser Hinsicht hinduistische und magische Traditionen: Der Priester beherrscht aufgrund seiner Kenntnisse von Mächten und der beseelten Natur die Götter. Christlich ist: Mächte als Gottes Diener anzusehen bzw. sich durch Gott geschützt zu wissen (s. zum Beispiel die Befreiung von Menschen in den Wundern Jesu).
Jetzt ist erst einmal Schluss mit dem Thema Esoterik.
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10.2.2009 von Wolfgang Fenske.
(Fortsetzung vom 7.2.) Auch Mächte müssen in Gleichgewicht gehalten werden. Esoterik spricht normalerweise lieber von positiven Mächten, Engeln, Feen, Geister. Sie werden in Schulungen und mit Hilfe von Büchern den negativen Mächten entgegengesetzt, damit das Gleichgewicht wieder hergestellt werden kann. Negative und positive Mächte können mit magischen Handlungen herbeigerufen und vertrieben werden, was uralte menschliche Hoffnungen und vor allem auch Ängste hervorrufen kann. In der Esoterik werden einige archaische Ängste wieder hoffähig, die viele Menschen durch den christlichen Glauben überwunden hatten. Und es wird versucht, diese archaischen Ängste mit archaischen Mitteln, die mit moderner wissenschaftlicher Sprache belegt werden, zu bekämpfen. Esoterik ist Religion – sofern man Animismus als Religion bezeichnet. Esoterik kann aber auch spannende Spielerei sein: Wie Männer nicht wissen, worüber sie sich unterhalten sollen – darum Fußball usw. gerade recht kommt, da kann jeder mitreden - so sind esoterische Themen vielfach Frauenthemen: man weiß, worüber man miteinander reden kann. Beides kann religiös überzeichnet werden, beides kann die Emotionen so hochschaukeln, dass man daraus Lebenskraft zu gewinnen und Lebensverlust zu bekommen meint. Vorsicht ist geboten: Damit die Geister, die man ruft, einen nicht beherrschen …
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7.2.2009 von Wolfgang Fenske.
(Fortsetzung vom 6.2.) Nun gibt es die Allerweltsesoterik – und es gibt die Elite-Esoterik. Und die letztgenannte Form hat mit Wellness nicht mehr unbedingt etwas zu tun, sondern mit Askese, Ekstase, Meditation, Hingabe, Inner-Schau. Elitäres Bewusstsein kann auch Gruppen bestimmen, die nicht den Wellness-Hüpferlingen zuzuordnen sind. Und je tiefer Menschen sich mit die ein oder andere Tradition einlassen, gibt es auch Gefahren: Man traut der so genannten Schulmedizin nicht mehr und geht lieber zu Geistheilern, weil sie emotional agiler sind; oder es gibt wohl Richtungen, die psychisch destabilisieren, angeblich Reiki. Ebenso kann der – im eigentlichen Sinn extrem betriebene - Zenbuddhismus Menschen zerbrechen. Tarotkarten und andere vermeintliche Zukunftsoffenbarer können abhängig machen, wie auch Horoskope versklaven können: Man macht nichts mehr ohne sein Horoskop. Oder man hat Ängste vor unendlichen vielen Dingen: fehlgeleitete kosmische Strahlungen und disharmonisierenden Elektrosmog, vor dunklen Mächten, der falsche Stein am falschen Ort, die falsche Strahlendosis der Farbe am Körper …
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6.2.2009 von Wolfgang Fenske.
(Fortsetzung vom 5.2.) Die Esoterik hat sich insofern gewandelt, als es zurzeit nicht um das Wohl der Menschheit geht, sondern um das des Einzelnen. Es geht nicht um Frieden in der Menschheit, sondern darum, den inneren Frieden zu finden – besser: den inneren Ausgleich, das Wohlfühlen. Wellness ist im Grunde eine Form der Esoterik: Ich fühle mich wohl – ich habe den Ausgleich, die Balance gefunden. Das Problem der Esoterik ist, dass das Böse zu dem Guten dazugehört, das Problem ist, dass sich häufig Menschen um diese Frage kümmern, die krank sind, die sich nicht nur passiv behandeln lassen wollen, sondern aktiv gegen ihre Krankheit vorgehen möchten. Und da kommen Hoffnungen auf, die eigentlich nicht unbedingt begründet sind - es mag immerhin mental helfen: Ich kann etwas tun. Aber das ginge auch ohne esoterisches Denken.
Die esoterische Antwort zu dem Thema Leiden und Tod sind dem Hinduismus bzw. Buddhismus (nur in einer europäisch gereinigten Form) entnommen: die Reinkarnation. Jeder wird entsprechend seines Karmas, Verhaltens wiedergeboren – allerdings als Mensch, um das Schlimme gut zu machen und das Gute besser zu machen, um dann letztendlich ins Kosmische einzugehen. Welche Folgen das für das Zusammenleben der Menschen hat, kann man extrem in Indien beobachten. Die Liebe hat da nicht unbedingt das primäre Mitbestimmungsrecht. Europäisch bedeutet das: Wer im irdischen Leben die Balance findet, der hat im kommenden Leben bessere Aufstiegschancen. Das heißt: Die Antwort der Esoterik ist auf Reinkarnations-Glauben aufgebaut, auf Karma-Zukunftsversprechen.
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5.2.2009 von Wolfgang Fenske.
(Fortsetzung vom 5.2.) Nach diesen Anfängen kamen ab den 60ger Jahren des 20. Jahrhunderts neue Dinge hinzu: So die Sehnsucht nach dem New Age – Wassermannzeitalter. Auch das ist nichts Neues. Schon im Mittelalter erwartete man nach dem Zeitalter des Vaters und des Sohnes das des Geistes. Aber es wurde säkularisiert, und man suchte dieses Wassermannzeitalter, das paradiesische Zustände hervorruft, in der Welt. Wassermannzeitalter, das Zeitalter des Gleichgewichts. Der einzelne Mensch lebt in der Ganzheit, im Gleichgewicht, die ganze Menschheit lebt im Frieden, in der Ganzheit: Let the sun shine … Dann kam das positive Denken hinzu: Um sein Gleichgewicht zu bekommen, solle man in allem positiv denken. Die Bachblüten wurden hoffähig, die kosmischen Strahlen werden in Globulis gefangen und sogar in Apotheken verkauft, Masseure sind Kanäle kosmisch-göttlicher Energien - und alles Mögliche sonst. Und seitdem suchen sich immer mehr Menschen immer neue Dinge aus, um die Menschen, die nach Ganzheit suchen, bei Laune zu halten, die Wirtschaft anzukurbeln, die Esoterik-Messenbesucher mit Neuigkeiten zu beeindrucken. (Fortsetzung folgt.)
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4.2.2009 von Wolfgang Fenske.
(Forstetzung vom 3.2.) In Deutschland spaltete sich Rudolf Steiner von der Theosophischen Gesellschaft ab und gründete die Anthroposophen. Auch er, durchraunt von geheimnisvollen Traditionen, Verbindungen mit Geistern und Meditationstechniken. Die Wandervogelbewegung der Zeit, die Suche nach der geheimnisvollen blauen Blume, die Verschmelzung mit der Natur durch die Sportbewegungen draußen in der Natur, das gesunde Leben durch das Essen von Kelloggs Müsli wurde tatsächlich im Dienst des Gleichgewichts schon im 19. Jahrhundert entwickelt. Der Tanz, die Musik … - nun, der Mensch erkannte sich als ein außergewöhnliches Wesen – und ich vermute: Er musste es, um nicht von Darwins Evolutionstheorie (und den Theorien seiner Vorgänger), laut der der Mensch dem Tier zuzuordnen ist bzw. gar mit den Affen gemeinsame Vorfahren hatte, in die Depression gedrückt zu werden. Da half es nicht mehr, zu sagen: Du, Mensch, du bist Gottes Ebenbild! Der Mensch musste spüren: Ich bin was ganz Besonderes. Ich habe spirituelle Fähigkeiten, Neigungen, Kräfte, Energien, ich kann mit dem Einen verschmelzen. Solche Erfahrungen kann er auch in der christlichen Religion machen. Diese Energien, die der Mensch fand, die hätte er auch schon in Jesus finden können – aber die Theologen und andere hatten in der Zeit ja nichts besseres zu tun, als Jesus diese Kräfte abzusprechen und ihn und die Religion so zu rationalisieren und zu dogmatisieren, dass er bzw. sie nichtssagend wurden. Oder die Verschmelzung mit dem Geist Gottes – durch den Geist Gottes – die frühe Kirche kannte das: das war bei den rational-kühlen Deutschen usw. verpönt. Zwar gibt es Unterschiede zwischen diesen Erfahrungen, aber das muss jetzt nicht thematisiert werden.
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3.2.2009 von Wolfgang Fenske.
(Fortsetzung vom 28.1.) Im 19. Jahrhundert wurde dieses Denken wieder stärker betont. Es schlummerte überall in Europa noch im Untergrund – zumindest soweit wir es, die wir von schriftlichen Zeugnissen abhängig sind, wissen. Ich vermute jedoch, dass die Dörfer und Dörfchen viel stärker von diesem Geisterglauben, dem so genannten Aberglauben (Talismanen, Mächten, Energien in Pflanzen, Steinen, Worten, Sternbilder) geprägt waren, als man so gemeinhin annimmt. Und durch die Technisierung und dem Glauben, dass der Mensch alles in der Hand hält – nicht durch das Christentum – ging diese Frömmigkeit zurück. Bekannt wurde sie im 19. Jahrhundert vor allem wieder durch den Boom, den Spiritisten (Mitte des 19. Jh.) ausgelöst haben: Kontaktaufnahme mit den Seelen der Verstorbenen. Das durchrauschte schon damals den Blätterwald und ergriff die gelangweilte Elite. Dann ist als wichtige Person Helena Blavatsky (geb. Hahn) zu nennen. Eine Deutsch-Russin, die die Theosophische Gesellschaft mitbegründet hat. Blavatsky wollte eine Art Urreligion entdecken, die aus einer Mischung aus Hinduismus, Buddhismus, Magnetismus, Spiritismus, Gnosis und, und, und bestanden haben soll. Alles, was spirituell klang, emotional berührte, gehörte dazu. Und diese Entdeckungen veröffentlichte sie in zahlreichen Schriften. Die philosophische Stimmung der Zeit hat in Teilen des Idealismus diesem auch Vorschub geleistet: Es gibt keinen Person-Gott, sondern einen, der als Macht alles durchströmt. Und nicht zu vergessen: schon vorher die Romantik mit ihrem Suchen des Geheimnisvollen bestimmte. (Fortsetzung folgt.)
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28.1.2009 von Wolfgang Fenske.
(Fortsetzung vom 23.1.) Esoterik ist nicht sehr organisiert, sondern ist von vielfältigen Gruppen bestimmt. Aber was auch immer diese Gruppen jeweils bevorzugen, sie haben Teil an der Suche nach dem, was Ausgleich bewirkt. Sei es Yoga, Reiki, Keltenkulte, Kabbala usw. Und so kann auch in jeder Saison ein neues Thema die Frauenzeitschriften und die Zeitschriften des körperbewussten BioMenschen durchlaufen, weil jeder auf der Suche nach dem ist, was ihm wirklich auch dieses subjektive Gefühl des Gleichgewichts gibt. Jedes Neue ist zunächst hilfreich – aber wird das Neue Alltag, dann lässt auch die Wirkung nach, und man muss neue Balancehilfen finden. — Esoteriker sehen sich in einer langen Tradition, die sie selbst hergestellt haben (wie die Humanisten). In der griechischen Antike gab es die Stoiker und die Mysterienreligionen (z.B. den Demeterkult – nach der Göttin wurde auch eine Biokette benannt). Es gab aus dem ägyptischen Bereich die Hermetik und verbreitet war die Magie. Viele Gruppen wären da zu nennen. In diesen Frömmigkeiten geht es um Leben und Tod, um Licht und Finsternis, um Vereinigung mit der Gottheit. Sie helfen, das spirituelle Gleichgewicht zu finden – und wer es gefunden hat, kann auch auf die Realität einwirken, so einwirken, dass sie den Wünschen angepasst wird. Diese alt-westlichen Kulte wurden über das Mittelalter der Neuzeit vermittelt: Alchimie, Templerorden, Katharer usw. – wichtig auch die Neuplatoniker: Der Urgrund des Seins steht über jeglichem Denken – und das Denken muss aus sich heraustreten, um den Urgrund des Seins erfassen zu können. Es kamen die Rosenkreuzer dazu usw. (Fortsetzung folgt.)
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27.1.2009 von Wolfgang Fenske.
(Fortsetzung vom 26.1.) Nun, Christen kennen über das, was unter Pendeln 2 gesagt wurde, hinaus noch die grundlegende Voraussetzung für diesen Weg: “Ich sagte zu dem Engel, der an der Pforte des neuen Jahres stand: Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgegen gehen kann!” Aber er antwortete: “Geh nur in die Dunkelheit, und lege deine Hand in die Hand Gottes; das ist besser as ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg.” (Wort aus dem Chinesischen)
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26.1.2009 von Wolfgang Fenske.
(Fortsetzung vom 24.1.) Pendeln ist also Ausdruck der Einsamkeit des Menschen. Natürlich kann Pendeln auch aus Jux betrieben werden – nur steht der Mensch dann in Gefahr, langsam aber sicher zum Pendler zu werden, weil es anstrengend ist, Entscheidungen zu treffen, weil es anstrengend ist, auf sein Unterbewusstsein zu hören, herauszufinden, was es sagt. Es ist anstrengend, Verantwortung zu übernehmen – und weil alles so anstrengend ist, pendelt man lieber – aus Jux, der immer ernster wird. Es wäre schön, wenn Menschen, die es schwer haben, sich zu entscheiden, andere finden würden, die ihnen helfen, die einfach zuhören – denn im Reden wird so manches klarer. Es gibt aber auch einfache Tipps, deren Darstellung in einem Blog zu weit führen würden. Nur Folgendes: ruhig laut mit sich reden und Für und Wider abwägen, die Argumente übersichtlich aufschreiben, eine Nacht darüber schlafen (ohne weiter darüber nachdenken zu wollen) – sie überprüfen, ergänzen, streichen – und dann einen Zeitpunkt setzen, an dem man diese Sache geklärt haben will. (Fortsetzung folgt.)
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