Jesus von Nazareth – Jesus Christus

Was wissen wir von Jesus Christus?

Es gibt immer wieder versuche, das, was wir von Jesus Christus wissen, zu minimieren. Dabei wissen wir eine ganze Menge, auch wenn wir erst einmal nur die historisch-kritische Exegese beachten.

Wir wissen von seinen jüdischen Eltern (Maria und Josef), seinen Geschwistern (Jakobus, Joses, Judas, Simon – die Schwestern werden nicht mit Namen genannt) – es war eine große Familie, der Vater dürfte vor seinem öffentlichen Auftreten verstorben gewesen sein. Wir wissen wo er geboren wurde (Nazareth) und wo er gestorben ist (Jerusalem). Wir wissen ungefähr das Jahr seiner Geburt (7-4v.Chr.) – als Augustus in Rom und sein Anhängsel Herodes in Jerusalem herrschte – und ungefähr das Jahr seines Todes (30 n.Chr.). Wie er gestorben ist, das wissen wir auch: Durch politische Hinrichtung am Kreuz, an der ein Präfekt/Statthalter beteiligt war, der 26-36 regierte und Pontius Pilatus hieß. Jesus war von Beruf Zimmermann wie sein Vater Zimmermann war (die Frage ist nur – wie der Holzberuf konkret aussah). Das ist für antike Verhältnisse nicht wenig. Diese historischen Bezüge kennen wir alle aus den neutestamentlichen Schriften, es ist also nichts eingelesen worden.

Wir müssen also unterscheiden: Es gibt ganz genau historische Angaben – und es gibt Angaben, die wir heute nicht verifizieren können bzw. auch solche, die wir als falsch ansehen müssen, weil sie zum Beispiel nicht ganz passen, also nachträglich nicht ganz korrekt rekonstruiert wurden. Google bzw. Wikipedia gab es damals noch nicht – so dass man schnell nachschauen konnte: Wann fand zum Beispiel die Steuerschätzung statt? Überwiegend wird das Jahr 6 n.Chr. angenommen (wenn es denn nicht die langgezogene „weltweite“ Schätzung war, die vor Christus begonnen worden sein soll. Oder wenn Jesus 6 n. geboren worden sein sollte, dann ist der Bezug zu Herodes dem Großen nicht korrekt, der 4 vor Christus starb. Wir finden also Angaben, die heute eindeutig historisch eingeordnet werden können und Angaben, die wir nicht präzise bestimmen können. Und das trifft auch auf das gesamte Leben Jesu zu. Das ist nun die Aufgabe der historisch-kritisch Arbeitenden, das jeweils zu diskutieren – und wenn neue Funde usw. hinzukommen, neu einzuordnen.

Dann kam dieser Zimmermann nach Kapernaum. Warum gerade Kapernaum? Denkbar ist: Jesus von Nazareth – jetzt stelle ich ein wenig meine Recherchen dar – ging als Zimmermann nach Tiberias, das ab dem Jahr 17 n.Chr. gerade aufgebaut wurde. Weil er als Zimmermann tätig war, gab es also dort Arbeit – und der Mitte 20 jährige – wohnte in Kapernaum, nicht weit weg von der Baustelle Tiberias.

Dann gibt es eine zeitliche Lücke von ca. 10 Jahren. Dann: Der junge Mann aus Galiläa hörte von einem Johannes, der in Judäa/Peräa taufte (26/27). Ein apokalyptischer Prediger, der das Volk dahin bringen wollte, sich wieder dem Gesetz Gottes zuzuwenden und das Kommen eines von Gott Gesandten angekündigt hat. Jesus selbst wurde also von ihm angezogen, ließ sich von ihm taufen. Diese Taufe mag für ihn ein Schlüsselerlebnis gewesen sein. Herodes Antipas – so der Herrscher – ließ Johannes ca. 28/29 hinrichten. Jesus begann wohl direkt nach seiner Taufe zu wirken – und zwar in einem anderen Sinn als Johannes der Täufer. Beiden gemeinsam ist die Ankündigung der nahen Gottesherrschaft. Beiden gemeinsam ist, dass man sich entsprechend der Gottesherrschaft sozial verhalten solle. Dieses soziale Verhalten zu leben und zu verkünden, das war dann der Mittelpunkt der Wirksamkeit des Jesus von Nazareth. In seiner Lehre verwendete er prägnante Bildworte, er verwendete Gleichnisse, in denen er den Menschen verdeutlichen wollte, was er glaubte. Im Zentrum stand jedoch nicht das Gericht, im Zentrum stand die Vergebung – und zwar unabhängig vom Tempel. Das Gericht Gottes war im Denken vorhanden – aber es war ein drohender Unterton, aber das Bedeutsame war, dass er einen anderen Lehr-Weg beschritt. Nicht drohen, sondern im Namen Gottes einzuladen. Dazu war er – anders als Johannes – ein sehr geselliger Mensch, der sich einfach bei anderen Menschen eingeladen hat – und zwar nicht allein, sondern mit einer Schar von 12 Männern, die er auswählte – was damals unüblich war. Neben seiner Lehre hat er das getan, was aus seiner Sicht dem Reich Gottes entsprach: Menschen leben ein angenehmes Leben, befreit von Krankheiten und von Mächten. Dass Jesus in den Augen seiner Zeitgenossen heilen konnte, das ist unbestritten – auch dass er geheilt hat. Die Frage ist nur: Welche Berichte gehen auf Taten von ihm zurück, welche haben sich an ihm angerankt. Und da kann man eine ganze Menge erkennen, wenn man sie detailliert untersucht. So kann man erkennen, dass die Wunder im Sinne der damaligen Zeit erzählt wurden (Gattung), aber auch spezifische Neuerungen hatten, z.B. Thema Vergebung, Sabbat und: Glauben. Glauben ist die Beharrlichkeit, auf dem Weg zur Heilung zu Jesus Hindernisse zu überwinden. In seiner Zeit war auch nicht die Frage, ob er Menschen, die in der Gewalt von Dämonen war, befreite. Die Frage war nur: Wie macht er das. Das wissen wir heute auch nicht. Heute wird als plausibelste Antwort das gegeben, was die Psychologie erarbeitet hat. Er hatte – und das ist auch schon großartig -, die Fähigkeit, den Menschen so zu begegnen, dass sie psychisch befreit, gesund wurden. Und wie ist es mit den Naturwundern? Die Naturwunder werden schon von den Evangelisten schillernd als Wunder und „Gleichnis“ verstanden. Sie weisen auf etwas hin. Das Weinwunder zum Beispiel weist auf das Abendmahl (meine Stunde ist noch nicht gekommen).

Ich kann hier nicht alles detailliert darlegen – aber man weiß sehr viel und zwar mit Hilfe von Methoden, die die historisch-kritische Exegese samt der anderen Geschichtswissenschaften herausgearbeitet haben.

Historisch-kritisch wurde herausgearbeitet, dass er sich selbst nur den Hoheitstitel „Menschensohn“ gegeben hat – wenn er es denn als Hoheitstitel verwendet hat -, wobei manche fragen, ob er sich selbst meint oder einen anderen als kommenden Menschensohn erwartete. Was auch immer war: Er hatte ein immenses Selbstbewusstsein, das in der Formulierung deutlich wird: Ich aber sage euch…, aber auch darin, dass er Menschen vom Opfer/Tempel löste (Vergebung), dass er das Thema rein-unrein anders verstand (ein Unreiner macht keinen Reinen unrein, sondern er als Reiner macht den Unreinen rein). Das hatte Auswirkungen auf den Umgang mit Aussätzigen (Leprösen?) und mit Frauen, ebenso mit solchen, die als Gesetzesübertreter angesehen wurden. Diese Menschen nun, die sich von ihm angesprochen fühlten, die hat er dann zusammengeführt zur Familie der Kinder Gottes. Diese sollten sich so verhalten, wie es Gott – aus seiner Sicht verlangt: zum Beispiel teilen. Aber nicht nur Geld teilen, sondern: Gefangene besuchen, Obdach geben, Kleidung und Nahrung geben… – weil Gott sich mit ihnen sagen wir es modern „solidarisiert“.

Das führte alles zu heftigen Auseinandersetzungen mit der religiösen Elite und deren Vertreter bzw. mit Konkurrenzströmungen, sodass er wohl zweimal floh, einmal nach Tyrus/Sidon, dann nach Caesarea Philippi. Und hier hat er dann aufgrund eines Erlebnisses gemerkt, er muss einen anderen Weg gehen, kehrte um und ging nach Jerusalem. Und jeder wache Mensch seiner Zeit konnte ahnen, dass es aufgrund der Auseinandersetzungen kein ruhiger Ausflug nach Jerusalem sein wird. Von daher sind Leidensweissagungen wie auch immer sie gelautet haben mögen, sehr wahrscheinlich. In Jerusalem gab es dann Auseinandersetzungen, in deren Zuge er hingerichtet worden ist.

Nun geschah etwas, das die Jünger selbst nicht kapierten – und was historisch-kritische Exegese nicht eruieren kann. Sie kann nur sehen: Es musste etwas geschehen sein, das die Nachfolgerinnen und Nachfolger als außergewöhnlich angesehen habe. Sie nannten es „Auferstehung“. Und sie ringen um Worte, dieses Außergewöhnliche darzustellen. Historisch-kritisch ist natürlich nicht die Auferstehung zu beweisen, denn die kann es nicht geben (das ist die Voraussetzung, die man in der historisch-kritischen Exegese macht: Es kann nur etwas geschehen sein, das auch Parallelen hat, was im Erfahrungsbereich der Menschen liegt, das im Experiment wiederholbar ist. Und das alles ist die Auferstehung nicht) also kann man nur die Folgen dieses Ereignisses sehen. Was historisch-kritisch aber auffällig ist: Eine Frau, die als Zeugin in der damaligen Zeit nicht besonders hoch angesehen war, ist Erstzeugin. Hätte man das alles erfunden, hätte man Männer genommen. Was nun also stattgefunden haben kann, das wird vielfältig diskutiert, bis dahin, er sei gar nicht am Kreuz gestorben, sondern später – so meinen Ahmadis, Jesu Grab liege in Kaschmir.

Das Wesentliche ist, dass diese Erfahrung auch die Berichterstattung über Jesus veränderte. Die Anhänger konnten Jesus nicht mehr allein als Menschen, den sie kannten sehen, sondern eben: Der Mensch Jesus war durchleuchtet von dieser Erfahrung. Das prägt nun auch die neutestamentlichen Berichte, prägt Paulus usw. Entsprechend finden wir dann sehr viel über Jesus, den Christus – bis dahin, dass er bis in die Gegenwart hinein wirksam ist. Nicht nur wirksam über seine Texte (NT) – sondern auch als Macht (Geist Gottes). Und diese neutestamentlichen Berichte werden – zum Glück für die historisch-kritische Exegese – nicht vereinheitlicht, sondern in vierfacher Form sogar kanonisiert.

Dieser Jesus von Nazareth prägt auch den Umgang mit den Worten des AT. Jesus stand in der alttestamentlichen Tradition – besser: In der Tradition seines Volkes – und hat aber daraus bestimmte Ansichten übernommen, andere hat er abgelehnt. So gibt es im AT verschiedene Strömungen, was den Umgang mit Nichtjuden betrifft. Engere und weitere. Jesus wusste sich seinem Volk verbunden – hat aber diese enge Sicht immer wieder durchbrochen (Barmherziger Samariter, Umgang mit Heiden). Was er vom Opfer hielt, wissen wir weniger. Zu vermuten ist: Er hat es nicht abgelehnt – aber er hat es auch nicht betont. Das FeindesliebeGebot ist sicher seine Sichtweise. Und das stimmt eben nicht, dass er es nur auf sein Volk bezogen hat, sondern er hat es ausgeweitet: Jeder, der einen Feidn hat, soll ihn lieben – wobei Lieben keine Euphorisierung der Emotion ist (kann man ja auch nicht befehlen), sondern bedeutet: Ihm Gutes tun. Die Goldene Regel in ihrer positiven Form begegnet, soweit ich noch in Erinnerung habe, nur in der JesusÜberlieferung. Oder er war gegen Erniedrigungen anderer (gegen Beschimpfungen, gegen Erniedrigungen von Frauen) – und hat das auch mit harschen Worten deutlich gemacht. (Man darf auch bei Jesus die Rhetorik nicht übersehen – allerdings nicht die saubere, lehrschulenhafte Anwendung aristotelischer ciceronischer Rhetorik.) An manchen Stellen wird dann deutlich, dass die Wirkung dieser Worte auch auf die frühe Gemeinde ausgestrahlt hat: Grenzen überschreiten, Menschlichkeit, Vergebung… – es gab Auseinandersetzungen zwischen den (christlich) jüdischen Traditionalisten und denen, die Jesu Worte intensiviert haben. Jesus war nicht gesetzlich. Er forderte das Teilen – aber er hat zum Beispiel auch der Frau Recht gegeben, gegenüber den Anklägern, die für ihn viel Geld ausgegeben hatte – was seine Anhänger als Verschwendung angesehen haben. Was ich bei Jesus auch bemerkenswert finde: Er hat den Menschen, mit dem er es zu tun hatte, nicht nur als ein Teil des Volkes gesehen, sondern als Individuum. Was er auch gefördert hat: Das Wort „MenschenWürde“ gab es noch nicht. Aber er hat durch Worte und Taten gezeigt, was es bedeutet, dass Menschen Würde haben.

Von hier aus gesehen ist Jesus für mich Maßstab. Menschlichkeit, gegen Gesetzlichkeit, Grenzen überwindend, Hindernisse überwindend, vergebend… – und das schließt vieles aus: Rassismus, Nationalismus, Todesstrafe (wegen Vergebung, Ermöglichung von Neuanfang)… Da er aber nicht gesetzlich war und auch im Grunde nur ein paar Maßstäbe, die es jedoch in sich haben, überliefert hat, wie das Leben nach Gottes Willen aussehen könnte, gibt es in der Gemeinde eben Diskussionen. Er selbst hat ja auch Diskussionen nicht gescheut.

Heute wird das schön in der WWJD-Aktion deutlich: Jeder muss sich selbst überlegen – er gibt keine Gesetze vor, auch keine alttestamentlichen: What would Jesus do?

Man kann Jesus kritisieren, man kann die Überlieferung kritisieren. Man kann die Christen weltweit und durch die Jahrhunderte kritisieren. Und das tun wir ja auch. Jesus hätte in dem einen Jahr (bzw. drei Jahren seines Wirkens) (!), die Sklaverei abschaffen sollen, er hätte, das waren die Erwartungen zu seiner Zeit: die Römer aus dem Land jagen sollen, er hätte das alttestamentliche Gesetz wieder zur Geltung bringen sollen, er hätte eine gerechte Herrschaft der Jünger als gerechte Könige aufbauen sollen… – der Wünsche durch die Jahrtausende gibt es kein Ende. Aber warum ist gerade dieser Jesus Christus so geschichtsmächtig geworden? Manche sagen: Wegen Paulus. Aber das ist dann wieder ein anderes Thema. Ich vermute: Er hat den Menschen etwas gegeben, wonach sie gesucht haben. Und wenn wir die Bergpredigt ansehen und sein Wirken, dann kann wohl kaum einer umhin kommen und sagen: Ja, wenn wir so leben würden, ohne Erniedrigungen, ohne Heucheleien, vergebend, einander annehmend – das wäre doch was. Dann wären wir schon viel weiter gekommen in der Welt. Und wenn man an ihn als Christus glaubt, dann hat er seine Hand weiterhin im Spiel der Geschichte.

Jetzt kann man freilich auch ein Gegenbild Jesu zeichnen. Die Texte, die dazu verwendet werden, müssen dann freilich genau untersucht werden. Da wären die Höllentexte, die man betrachten müsste und auch von der jeweiligen Redaktion lösen müsste (z.B. Matthäus liebt das Wort Heulen und Zähneklappern – ist das jesuanisch oder redaktionell? Paradebeispiel ist die Syrophönizierin-Geschichte, die Naherwartung – die jesuanisch ist, jeder wird so seine negativen Lieblingstexte haben, wie zum Beispiel das Schwertwort oder die Tempelaustreibung. Das Gleichnis von den 10 Brautjungfern, Jesu Umgang mit Maria… Es gibt unverständliche Texte, weil die Kontexte fehlen, usw. usw. Die Frage ist: Sind sie so dominant, dass sie das oben gezeichnete Bild umwerfen oder müssen sie in das gezeichnete Bild hineingewoben werden.

Damit habe ich aber erst einen Teil meiner Antwort nach dem Maßstab gegeben, mit dem ich alles messe. Irgendwann wird die Fortsetzung folgen.

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Führe uns nicht in Versuchung + Hier irrt der Papst + Bibel gilt für alle Zeiten

Weil uns eine Formulierung nicht passt, können wir doch nicht die Formulierung ändern! Es haben schon eine Menge Menschen darüber nachgedacht, wie man die Bitte im Vaterunser „und führe uns nicht in Versuchung“ verstehen solle. Und nun will der Papst, dass die Formulierung verändert wird? Ich denke, so mächtig ist ein Papst nicht, dass er das Recht hat, in die Überlieferung einzugreifen. Das wäre Amtsanmaßung. http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/papst-kritisiert-deutsche-vaterunser-ubersetzung Stellen wir uns einmal vor,

Jesus sagt den Jüngern:
So sollt ihr beten…
Und dann sagt Petrus seinem Herrn:
Nö, Jesus, das geht nun gar nicht. Das verstehen wir nicht. Das musst du umformulieren. 

Petrus war ja schon immer vorlaut – auch in seinen Irrtümern – und er wurde jedes Mal zurechtgestutzt. Manchmal ganz heftig.

Gegen diese Aussage wandte sich übrigens schon Jakobus (1,13).

Ich denke, man muss einfach gestehen: Zurzeit wissen wir nicht, was diese Bitte meint. Ich selbst finde die Lösung plausibel, die sagt: Christen stehen nie unter der Macht des Bösen, sondern immer unter Gott, auch wenn sie meinen, dass das Böse uns von Gott trennen möchte. Auch nicht das Vertrauen auf einen selbst, mit allem zurechtzukommen, ist die Lösung, sondern diese Bitte, die sich Gott anvertraut.

Manches in der Bibel ist vielleicht nicht für uns allein geschrieben worden – sondern auch für Menschen in anderen Situationen. Ich denke da an die Apokalypse des Johannes: In manchen Zeiten spricht der Apokalyptiker den Menschen aus den Herzen, weil sie in schrecklichen Situationen leben, in einer Zeit, aus der heraus auch er gesprochen hat. In manchen Zeiten, in denen es den Menschen gut geht, sie kaum alltägliche Ängste und Repressionen erdulden müssen, rätselt man an den Schreibtischen und den gut geheizten Stuben nur herum: Was meint er eigentlich?

Die Bibel gilt Menschen – so lange es Menschen geben wird. Und sie verändern ist auf jeden Fall Anmaßung. Das bedeutet nicht, dass man sie nicht in die eigene Zeit übertragen darf. Aber: Nicht den so genannten „Urtext“. Nur die Übersetzungen – es geht um Hermeneutik – aber verfälschen dürfen sie auch nicht.

Die Bibel hat ca. 2000 Jahre Christentum überlebt – und wird es auch weiterhin überleben. Eben: Weil sie nicht unter dem Menschen steht, in der Hand des Menschen, sondern der Mensch steht unter ihr.

(Was intensiv erläutert werden wird, wenn ich mehr Zeit habe.)

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Bibel 1

Diese Darlegung geht auf manche Aspekte ein, die in der Diskussion mit Holger Gronwaldt angesprochen wurden.

Ich finde es sehr interessant, dass so mancher Zeitgenosse Einheit in der Bibel sucht: Die eine Stimme der Bibel, die eine Stimme der Christen.

Was mich schon immer faszinierte war, dass die frühe Gemeinde vier Evangelien in dem Kanon zusammengefasst hat. Matthäus liegt intensiver am Gesetz, daran, dass ein Leben, das nicht nach Gottes Willen ausgerichtet ist, bedroht ist von Gottesferne. Gemeindeordnung ist auch sein Thema, Bergpredigt – die praktizierende Liebe aus dieser Perspektive. Lukas hingegen legt mehr Wert auf die Zuwendung Jesu zu den Menschen. Liebe Gottes, Vergebung durch Gott – das sind seine Themen. Matthäus ist Judenchrist, Lukas ist Heidenchrist. Mit Markus hat das Evangelium begonnen: Er ist Bewunderer Jesu und beschreibt seinen Weg in Israel – beschreibt das, was er von Menschen, die Jesus noch kannten, erfahren hat. Der rote Faden seines Evangeliums: Jesus Christus hatte großen Erfolg – starb dann jedoch durch Verrat, verlassen von Freunden und Schülern, selbst von Gott. Das Johannesevangelium sieht den gesamten Lebensweg Jesu aus der Perspektive der Auferstehung, eingebettet in philosophischer Sprache. Jesus, der Logos Gottes wurde Mensch, der Logos, die Wahrheit setzt den Weg auf der Erde fort, bis es seine Aufgabe vollendet (es ist vollbracht) hat. (Eine Anmerkung: Nicht erst Markus hat ca. 30-40 Jahre nach Jesu Geburt begonnen, Worte aufzuschreiben. Er selbst greift auf Quellen zurück, so die Passionsgeschichte und andere, Matthäus und Lukas greifen neben dem Markusevangelium noch die so genannte Logienquelle auf, die schon sehr früh begonnen hat, Worte Jesu zu sammeln, wir haben Paulus…)

Ich könnte noch mehr schreiben – aber darum geht es mir: Die frühe Gemeinde hat unterschiedliche Evangelien aufgenommen. Warum? Warum hat sie nicht nur ein Evangelium als Maßstab (Kanon), warum hat sie nicht alle irgendwie zu einem zusammengefasst? Der Prozess der Kanonisierung war im Wesentlichen demokratisch. Man nahm das auf, was (unter anderem) viel gelesen wurde. Und das zeigt, dass die christliche Gemeinde von Anfang an vielfältig war. Man denke nur an die Auseinandersetzung zwischen Paulus, Petrus, Jakobus – und dann auch Johannes. Die Vielfalt prägt die Gemeinde. Und dann kam die Einfalt: Man versuchte eine Monokultur zu errichten, zu.

Wie ist das theologisch zu verstehen? Aus meiner Perspektive: Gottes Geist ist ein Geist. Gott widerspricht sich nicht. Ausgangspunkt a). Dann: Ausgangspunkt b): Gott gibt dem Menschen Freiheit. Und nun trifft der eine Gott auf vielfältige freie Menschen. Die Folge ist: Er wird nicht überall gleich erkannt und vertreten. Gott scheut sich also nicht, in Vielfalt laut zu werden – und dadurch spricht er auch vielfältige Menschen an. Entsprechend gibt es auch in der Kirchengeschichte unter den Heiligen sehr sonderbare Heilige – und noch sonderbarerer Heiligsprecher. Von daher liegt es in guter reformatorischer Tradition, wenn man auch die Großen der Vergangenheit nicht alle Ideen bewundert und über einen Kamm schert, sondern eben erkennt: Es waren Menschen. Aber eben: Manche von ihnen waren großartige Menschen, die uns heute noch viel zu sagen haben.

Die Frage bleibt: Wo ist die Einheit? Denn der Heilige Geist, der Geist Gottes ist ja einer und strebt auch unter den Menschen nach Einheit. Einheit in der Nachfolge Jesu, Einheit also in der Kirche. Von daher gibt es zwar vier unterschiedliche Evangelien – aber die frühe Gemeinde hat auch Evangelien ausgeschlossen. Warum? Weil sie aus ihrer Perspektive nicht mehr in den Rahmen passte. Und ich sehe hierin eben auch das Wirken des Geistes: Er gibt einen Rahmen und diesen haben Menschen dann verantwortungsvoll auszufüllen.

Und so gibt es auch aus meiner Perspektive unterschiedliche Grade des Christseins. Manche meinen, Christen zu sein, ohne den Rahmen (zum Beispiel die vier Evangelien) beachten zu müssen, ohne den Geist Gottes, andere Stimmen der Gemeinde beachten zu müssen. Sie legen selbst ihren Rahmen fest – auch wenn er außerhalb des christlichen Rahmens steht. Man denke an die Deutschen Christen, die einfach Teile der Bibel strich, weil sie meinten, ihre Weltanschauung biete einen sichereren Rahmen als der christliche Glaube und seine Tradition. Entsprechend kam es zu furchtbaren Auswüchsen. Aber das war nicht nur unter dem Nationalsozialismus so. Man denke an das Apartheitssystem, an die Christen, die sich dem Maoismus, dem Leninismus/Stalinismus angepasst haben, an den Kolonialismus, an die Christen, die sich im Mittelalter nicht um den Maßstab scherten, denen es dann nur um Macht ging. Und auch heute gibt es viel Übel – man denke an den Kapitalismus in seiner unmenschlichen Form… Und auch heute kommt es vielen gar nicht mehr darauf an, ob ihr Glaube mit Hilfe der Bibel in den Rahmen passt, den z.B. die Evangelien vorgeben.

Es gibt also Einheit – und Vielfalt. Wie kann die Einheit gewahrt werden, damit der christliche Glaube nicht noch stärker in unzählige Klitzekleine Einheiten zerfällt? Die frühe Christenheit hat neben dem Kanon die Hierarchie gestellt. Aus meiner Perspektive müssen wir beachten:

  • Was sagt Gottes Geist im NT?
  • Was sagten Gottes Geist durch diejenigen, die aus christlichem Geist ihr Leben lebten – in der Vergangenheit (Kirchenväter – aber auch andere, deren Stimmen wir noch vernehmen)
  • Was sagt Gottes Geist durch Menschen in der gegenwärtigen Gemeinde – in der Gegenwart
  • Was sagt Gottes Geist durch Menschen in der gegenwärtigen weltweiten Gemeinde (gegen Eurozentrismus und für Inkulturation Jesu Christi).
  • Und das alles im Gebet – dem Reden zu Gott verknüpft, dem Schweigen vor Gott, dem Achten auf seine Reaktion im Alltag durch Gedanken, andere Menschen, Erlebnisse…

Jeder dieser einzelnen Teile ist aber Vielfalt. Wie kann daraus dennoch eine relative Einheit werden?

Diese ist nicht durch Knopfdruck zu erreichen. Sie ist durch ernsthaftes Eindringen in die Welt zu erreichen, die Gott uns bietet – die ich oben dargestellt habe. Und so erkennt man dann, dass es einen festen Kern gibt. Aufgrund dieses Kernes können Christen dann einander erkennen und anerkennen, obgleich sie am Rande unterschiedliche Ansichten und Meinungen haben, und sie auch heftig miteinander aushändeln.

Hierbei sind auch die letzten Worte Jesu am Kreuz so interessant: Historisch fragt man: Was hat Jesus denn nun wirklich gesagt? Man kann sich darüber als Historiker den Kopf zerbrechen. Was fand vor 2000 Jahren statt, was war wirklich? Hat Jesus alle gesagt? Nur eines? Gar keins dieser Worte? Das ist aber nur die Weltanschauung dessen, der Geschichte betont. Jesus wird zu eine historischen Figur, wie Caesar, Sokrates…

Die Weltanschauung dessen, der mit Gottes Welt rechnet, fragt anders: Warum hat der Geist Gottes die Vielfalt der Überlieferung betont? Entsprechend haben unzählige Menschen aus den vielfältigen Worten Trost, Lebenshilfe bekommen. Die Frage nach der historischen Wahrheit ist nur die eine Seite der Medaille, die vielleicht in der Gegenwart Mitteleuropas und der USA eine gewisse Relevanz hat. (Denn: Wer sagt, dass die Suche nach den Unterschieden wirklich relevanter ist als die Suche nach den Gemeinsamkeiten?) Aber der Glaube hat ganz andere Interessen: Den Geist Gottes – den Geist des auferstandenen und aktiven Jesus Christus – in allem zu erkennen. (Ich möchte nur auf die Gleichzeitigkeit hinweisen, die Kierkegaard zu durchdringen versucht hat. https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichzeitigkeit_(Philosophie) Sie geht jedoch nicht nur von uns Menschen aus mit Blick auf die Vergangenheit, sondern auch Gott ist ein aktiver Part dabei.)

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Ist die Bibel Wort Gottes?

Als Reaktion auf den Kommentar von Holger Gronwaldt habe ich reagiert, der andere Kommentar aus meiner Feder kann unter den Kommentaren nachgelesen werden:

Ist die Bibel Gottes Wort?
Koran und Buch Mormon dürfen nicht herangezogen werden, weil sie in der biblischen Tradition stehen. Beide versuchen die Bibel abzulösen bzw. aus einer anderen Perspektive zu deuten. Sie sind Reaktionen auf die Bibel. Die Frage ist: Was bedeutet es, wenn man sagt, die Bibel ist Gottes Wort? Sie ist von Menschen aufgeschrieben. Sie bietet damit ein Mosaik an Gotteserfahrungen.

Christen sehen, dass der alttestamentliche Teil (wie auch der neutestamentliche Teil) der Bibel aus der Perspektive Jesu gelesen werden muss – diese beiden prägen jedoch wiederum das Verstehen Jesu. Das klingt kompliziert, ist aber aus der „dritten Dimension“ des christlichen Glaubens einfach: der Heilige Geist/der Geist Gottes eröffnet das Verstehen. Und so kann mir das, was vordergründig von Menschen geschrieben wurde, zu Gottes Wort werden: Es zeigt mir Wege auf, die ich gehen soll, es tröstet, stärkt, ermuntert, stellt infrage…

Das Problem vor dem man steht ist: Viele sagen, sie würden den Geist Gottes haben und verstehen die Bibel unterschiedlich. Dazu ist die Kommunikation notwendig. Der einzelne Christ steht in Interaktion mit Menschen der Gemeinde und muss selbstkritisch genug sein und sich korrigieren lassen. Allerdings auch selbstbewusst genug sein, sich nicht korrigieren zu lassen, wenn wirklich keine Überzeugung stattgefunden hat. Dass hier aber der Haken liegt, ist zu sehen – und darum gibt es ja auch so viele Konfessionen. Der Ökumenische Rat der Kirchen versucht an dieser Stelle Fehler der Vergangenheit zu korrigieren (macht seinerseits freilich auch wieder Fehler). Gut ist, dass Christen heute trotz aller unterschiedlicher Glaubensmeinung in der Nachfolge Jesu unterwegs sind und gemeinsam für Menschen in Notlagen da sind.

Den Satz:
„Und wozu? Um uns Menschen eine Sünde zu vergeben, die von Menschen begangen wurden, die nachweislich nie existiert haben!“
habe ich nicht verstanden. Dass Menschen schuldig werden, sieht man ja allerorten. An dieser Stelle ist es ein großartiges Angebot Gottes, die Möglichkeit zu bieten, die Sünde zu vergeben. Das bedeutet eben die durch Jesus Christus erkannte und geschaffene Befreiung: Ich bin nicht an meiner Vergangenheit gefesselt. Ich kann neu anfangen…

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Bibel von Menschen – Gottes Wort

Bibeltexte wurden von Menschen geschrieben.
Sie haben ihre Erfahrungen, die sie mit Gott gemacht haben, aufgeschrieben.
Ist die Bibel Gottes Wort?

Gott hat sich nicht gescheut, durch fehlbare Menschen zu reden.
Er hat den fehlbaren Menschen dadurch geehrt.
Es ist großartig, wie wichtig Gott uns Menschen nimmt,
dass er durch Menschen zu uns spricht.

Fehlbare Menschen hören das Wort Gottes,
das er durch Menschen gesprochen hat.
Es ist großartig, wie wichtig Gott uns Menschen nimmt,
dass er uns sein Wort hören und interpretieren lässt.

Wenn Gott uns so achtet –
dürfen wir dann den Menschen gering schätzen,
durch den er spricht,
der ihn zu hören versucht?

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Ästhetik des Islam / Koran Hermeneutik + Historisch-kritische Exegese und die Herrlichkeit Jesu Christi

Dass der Islam sehr viel Wert auf Ästhetik legt, das ist hinlänglich bekannt, und mag dennoch für manchen Europäer neu sein – von daher ist es gut, immer wieder darauf hinzuweisen. Das gilt für den Koran als dichterischen/poetischen Text, das gilt für die Architektur, auch die Kleidung ist vielfach ästhetisch ansprechend. Daran ist zunächst einmal kein Zweifel. Aber wenn man diesen Beitrag zu dem Buch von Klaus von Stosch liest, dann kommt man nicht umhin die Frage zu stellen: Spielt angesichts der Ästhetik der Inhalt keine Rolle mehr? Können wir auch den Muslimen sagen: Leute, der Koran ist wunderschön – was ja auch viele sagen und sehen, darum ist arabisch ja auch die heilige Sprache – aber kümmert euch nicht weiter um den Inhalt? Das gilt auch für die Vita Mohammeds. Es gibt wunderschön anrührende Legenden – aber kann man von dem historischen Wissen der Person des Mohammed absehen, der eben auch realistische Seiten hat und diese realistischen Seiten sind für die Opfer damals bis zur Entstehung des Koran und danach eben nicht ästhetisch wunderschön. Von daher ist diese Aussage zurückzugeben:

Die Verfechter der anderen Sichtweise machen es sich leichter. Sie lesen den Koran von seinem Kontext isoliert und verdächtigen ihn, letztliche Referenz für alle problematischen Entwicklungen des Islams zu sein. Es ist nur logisch, dass bei dieser Lektüre viele Aussagen grob missverstanden werden und so den Koran als Gotteswort diskreditieren.

Das bedeutet, dass diejenigen, die den Koran aus historischer Perspektive lesen, zu grob sind, diejenigen hingegen, die ihn aus ästhetischer Perspektive lesen, erfassen den wahren Islam/Mohammed – hier als Gotteswort/Wort Allahs bezeichnet. Eine solche Sicht hat nicht nur historisch-kritische Konsequenzen, sondern auch theologische Konsequenzen, denn jedes Vorzeichen, das man religiös oder ideologisch setzt, hat Konsequenzen für die gesamte christliche Theologie:

Klaus von Stosch möchte die Debatte über den Status des Korans in der christlichen Theologie neu öffnen, indem er beherzt die eigentliche große Differenz in den Blick nimmt, sie aber sogleich als sublime Analogie erkennt: „wenn auch Jesus Christus die einzige Mensch gewordene Gestalt des Logos Gottes ist, schließt das nicht aus, dass im Koran die Schönheit dieses Logos hörbare Wirklichkeit wird.“

Wenn der Logos Gottes – Jesus Christus – anderes sagt als der Logos des Koran – ist das ästhetisch zu übermalen? Zählt der Logos Christus oder zählt der Logos des Koran? Ich denke, man muss diese Entweder-Oder-Frage stellen, denn dieses sagt ja der Koran selbst. Er setzt dem Neuen Testament das wahre Wort Allahs entgegen. Das ist der Anspruch Mohammeds. Und er verwendet dazu eben die schöne Sprache, um Menschen über die Schönheit der Sprache davon zu überzeugen, dass er und nicht die Juden bzw. Christen Recht haben. Das ist sein Werbeansatz. Und interessant ist es, dass diese Werbung bis heute ihren Erfolg zu haben scheint.

Ich muss dazu sagen: Ich habe das Buch von Klaus von Stosch: Herausforderung Islam. Christliche Annäherungen, nicht gelesen, sondern rezensiere somit nicht das Buch, sondern den Artikel über das Buch:  http://www.zeit.de/2017/02/islam-klaus-von-stosch Denn Artikel haben manchmal größere Wirkung als die Bücher selber, da nicht jeder Leser der Zeit nun auch das Buch von von Stosch liest.

Ich denke, dass diese Fokussierung auf die rein ästhetische Sichtweise des Koran von Navid Kermani angestoßen wurde, darum eben auch nicht für den Islam repräsentativ ist.

Eine Anmerkung: Ich finde, man sollte alle Möglichkeiten eines Dialogs mit dem Islam in den Blick nehmen und diskutieren. Von daher sehe ich diesen Beitrag als relevant an – letztlich aber als nicht hilfreich.

*

Was mir dazu noch einfällt: Ich finde es sehr interessant, dass das Neue Testament, dessen Schönheit der Darstellungen, dessen Erinnerungen, dessen Erhabenheit der Worte, dessen Großartigkeit des Handelns – nicht nur des Handelns Jesu, sondern auch seiner Nachfolger – in der historisch-kritischen Exegese destruiert wurden – und nun den Christen weitgehend unbekannt geworden sind. Dafür wird jetzt die Schönheit des Koran hervorgehoben.

Welche poetischen Schmuckstücke finden wir im Neuen Testament, auch Worte wie zum Beispiel Herrlichkeit Gottes (Joh 1,14), Jesus als das wunderbare Ebenbild Gottes (Kolosser 1) usw. Doch was machen wir historisch-kritisch daraus? Statt die großen Aussagen herauszuarbeiten, bleiben wir im Vordergründigen stecken und sagen: Johannes – kein Jünger Jesu – er predigt halt irgendwie gnostisch oder auch nicht ganz so… – Kolosserbrief, kein Brief des Paulus, Weiterentwicklung paulinischer Ansätze – oder auch nicht… – Die Verklärung Jesu (Mk 9) – nun ja, lebhafte Phantasie, soll dies und jenes ausdrücken – oder auch nicht…

Nichts gegen historisch-kritische Exegese – ich selber bin einer, der in dieser Exegese geschult wurde und auch entsprechender Exeget ist – aber sie darf die Bedeutung des Textes nicht kleiner machen – denn dann passiert eben das, dass andere in diese Lücke stoßen und sie auszufüllen suchen.

Es ist immer so: Die Fehler der Kirche (und dadurch auch der Theologie) gibt anderen Raum.

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Konservative Islamverbände + Koran Hermeneutik + Allahu Akbar + Integration: Muslimische Mädchen schwimmen + Islamistenangriff

Abdel-Hakim Ourghi sieht, dass sich konservative Islamverbände „wegducken“: http://cicero.de/salon/terror-wie-sich-die-konservativen-islamverbaende-wegducken : Es wird auch auf Erdogans islam-militaristische Aussage Bezug genommen (Moscheen = Kasernen, Minarette = Bajonette, Kuppeln=Helme, Gläubige=Soldaten) – und dieser Ansatz ist die Basis für Ghetto-Glauben bzw. die Bildung einer Parallelgesellschaft. Die Islamverbände tragen zur Radikalisierung bei. Die apologetischen „moderaten Islamisten“, so heißt es, verbreiten die Ansicht, dass Islam nichts mit dem Islamismus zu tun habe. Es wird die Doppelzüngigkeit angesprochen: nach außen Islam = Frieden, nach innen: Islam ist die „gottesrechtliche Gesellschaftsordnung“.

Spannend finde ich auch diese Aussage – mit Blick auf die Kirchen. Und er hat sehr recht:

Es ist für mich als liberalen Muslim würdevoll zu sehen, wie sehr die Politiker der etablierten Parteien und die beiden Kirchen um Dialog mit den konservativen Dachverbänden bemüht sind. Eine Gefahr, die ich jedoch konstatiere, ist, dass durch die dominierende Kultur der an sich löblichen politischen Korrektheit ein mutiges Ergreifen des kritischen Wortes und das Aussprechen unangenehmer Wahrheiten vermieden werden, um sich nicht den Zorn und die Wut der muslimischen Minderheitsgesellschaft auf sich zu ziehen. Hilflosigkeit und Überforderung auf Seiten politischer Entscheidungsträger werden es aber den Dachverbänden ermöglichen, einen konservativen Islam zu etablieren – einen Islam, der mit einer säkularen und pluralistischen Staatsordnung und den damit verbundenen Werten nicht vereinbar ist.

Er plädiert dafür, dass Kirchen wie Staat den modernen humanistischen Islam unterstützen sollten und nicht den orthodoxen archaischen Islam fördern sollten. Er gibt darüber hinaus weitere Handlungsvorschläge.

Dieser Beitrag ist voll und ganz lesenswert. Warum sage ich das so? Natürlich: Weil das die Intention meines Blogs wiedergibt. Was die Koran-Hermeneutik betrifft, spricht er sich dafür aus, den Koran historisch zu lesen. Wer meinen Blog länger verfolgt, der weiß, dass das nicht ausreicht. (Im Suchfeld „Hermeneutik“ eingeben.) Das reicht insofern nicht aus, weil der Koran sich selbst gegen eine solche Lesart wehrt. Muslime müssen einen ganz eigenen Zugang zum Koran finden, um die gefährlichen Passagen des Koran neutralisieren zu können. Eine bloße Anpassung an unsere westlich-aufgeklärte Hermeneutik hilft nicht weiter. Sie wird die Mehrheit der Muslime nicht überzeugen. Anders als die Bibel ist der Koran nicht Gotteswort in Menschenwort – er ist Allahs Wort schlechthin. Und Allahs Wort darf nicht historisch-kritisch zerpflückt werden. Oder: Christen haben Jesus Christus als hermeneutischen Schlüssel zur Auslegung des Alten Testaments. Von daher können Christen flink sagen: Manche Worte aus dem AT passen nicht zu Jesus – sind also für uns nicht im alten Sinne relevant. Das kann man mit dem Koran nicht machen. Es sei denn, man hat wie die Ahmadiyyas einen anderen hermeneutischen Schlüssel, eben den ihres Propheten. Da kann man dann das eine oder andere neu interpretieren. Aber sonst geht das nicht. Und hieran müssen liberale muslimische Theologen noch sehr viel arbeiten. (Dazu möchte ich aber nur auf die anderen ausführlicheren Beiträge s. Hermeneutik verweisen.)

Es wird in dem Beitrag sogar gesagt, dass Allahu Akbar bedeutet: Gott ist am größten – allerdings wird nicht „Allah“ formuliert. Denn das ist ja das Wichtige am Ruf der Islamisten bzw. Radikalen: Allah ist am größten. Der normale muslimische Beter mag dabei denken: Gott ist am größten – aber als Schlachtruf eignet sich eher die Betonung Allahs, wie wir an der Auseinandersetzung in Malaysia sehen konnten.

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Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof hat geurteilt, dass auch muslimische Mädchen in den Schwimmunterricht müssen. Das diene der Integration: http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-01/eu-menschengerichtshof-gemeinsamer-sportunterricht-jungen-maedchen-religionsfreiheit

Was ich als langjähriger Beobachter der Szene interessant finde: Vor ein paar Jahren hätte es noch gelautet: Sie nicht schwimmen zu lassen, diene der Integration – da muslimische Mädchen dann wenigstens zur Schule gehen dürfen. Muslimische Kindergärten, Friedhöfe, Schulen, Seniorenheime, Krankenhäuser,… – alles diente der Integration. Gilt das heute nicht mehr? Wäre vernünftig.

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FDP in Hamburg gegen Staatsvertrag mit islamischen Verbänden: https://www.welt.de/regionales/hamburg/article161030506/FDP-will-Staatsvertrag-mit-Islam-Verbaenden-aufloesen.html

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Wieder haben Islamisten in Kabul durch einen Anschlag viele Tote auf dem Gewissen: http://www.spiegel.de/politik/ausland/taliban-terror-in-afghanistan-dutzende-opfer-bei-doppelanschlag-in-kabul-a-1129378.html

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