Jesus Christus. Manche Menschen legen mehr Gewicht auf Jesus – manche auf Christus, manche versuchen beide Aspekte zusammenzuhalten: Jesus Christus. Wer das Schwergewicht auf Jesus legt, sieht in Jesus einen wunderbaren Menschen, einen Menschen, der Großartiges geleistet hat, der uns lehrt und zeigt, was Menschlichkeit ist. Wer das Schwergewicht auf Christus legt, der sieht in Christus den Auferstandenen, denjenigen, der in Herrschaftsstellung regiert und seine Gemeinde durch den Geist leitet. Jesus als Mensch zu sehen – aber mehr als ein Mensch, als den Sohn Gottes, als denjenigen, der Mensch geworden ist – als Christus, bedeutet, das gesamte Leben dieses Menschen im Licht des Göttlichen zu sehen – das versuchen diejenigen die Jesus Christus als Einheit erkennen.
Die Menschen, die das Schwergewicht auf Jesus legen, sind die historisch-kritischen Exegeten. Das traditionelle Ergebnis ihrer Forschung wurde in der ZDF-Sendung vorgestellt: http://www.zdf.de/Dokumentation/Das-Geheimnis-der-Geburt-Jesu-25740134.html : Jesus ist in Nazaret geboren, nicht in Bethlehem, er ist Sohn des Josef und seiner Frau (nicht Jungfrau) Maria, den Stern von Bethlehem gab es genau so wenig wie die Weisen und die Hirten, Herodes Kindermord ist nicht geschehen usw. Diejenigen, die versuchen, eine Art Waage zwischen Jesus Christus zu halten, werden sichtbar in dem Beitrag: “Unredlicher `Faktencheck´ im ZDF”: http://www.kath.net/detail.php?id=39467 Diejenigen, die Gewicht auf Christus legen, die sagen, dass das Historische nicht sehr bedeutsam ist, sondern wichtig ist nur der Christus, der sich den Menschen als der Lebendige zeigt, als Herr und Auftraggeber, die haben zurzeit kaum eine Lobby. Von daher übergehe ich diese Sicht im Augenblick.
Bei den jeweiligen Argumenten pro Jesus bzw. pro Jesus Christus, zählt auch das Historische. Nur: Was stimmt? Ich habe die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen und stehe nicht über den Diskussionen, sondern selbst mittendrin. Was ich jedoch als “Fakt” ansehe, ist, dass wir Menschen Prämissen haben und nach diesen Prämissen auch die Argumente wählen. Wer Jesus als Mensch ansieht – als besonderen Menschen, versteht sich – der versucht alles Wunderbare aus dieser Lebensgeschichte herauszulösen, weil eben nicht sein kann und darf, was man nicht experimentell nachweisen kann und irgendwie unwahrscheinlich und mystisch klingt. Wer mit dem Göttlichen in unserer Welt rechnet, Jesus als Christus bekennt, der sieht auch historische Ereignisse, die andere nicht als solche sehen können. Wir Menschen sind abhängig von unseren Weltbildern, die Argumente sind abhängig von unseren Weltbildern. Die reine historisch-kritische Exegese versuchte alles um Jesus herum möglichst zu minimieren. Warum? Man nahm als Maßstab: Alle Jesus-Erhöhungen seien nachchristlich. Inzwischen ahnt man jedoch, dass diese Jesus-Erhöhungen nur geschehen konnten, weil irgendwas da war, das eine “Erhöhung” schlicht und ergreifend nach sich zog. Wenn Jesus nur ein Mensch wie du und ich gewesen wäre – warum hat man dann das ganze Lametta an seine Person gehängt, oder wie gesagt, Legenden und Romanhaftes ihm angehängt? Er war mehr. Doch inwiefern war er mehr? Man hat alle Erhöhungen, die irgendwie mit dem Alten Testament zusammenhingen, als sekundär angesehen. Inzwischen fragt man sich jedoch vorsichtig: Wurde das Leben Jesu alttestamentlichen Aussagen angepasst oder wurden die alttestamentlichen Aussagen dem Leben Jesu angepasst? Während also die historisch-kritische Exegese eine Minimalisierungsexegese ist, ist die traditionalle Exegese eine Maximalisierungsexegese, das heißt, man sieht alle biblischen Berichte als historisch an und versucht sie entsprechend zu begründen.
Man kann natürlich alles begründen, aber dem allem stehen auch wieder Gegenargumente im Blick. Aber wie sie gewichtet werden, ist eine Frage der Prämissen. Damit hat auch die Forschung an biblischen Texten Teil an der historischen Wissenschaft, ihren Entwicklungen und ihren unterschiedlichen Ansätzen im Laufe der Jahrhunderte.
Was Glaubende wie Nichtglaubende wissen bzw. ahnen: Mit Jesus (Christus) muss es eine besondere Bewandtnis gegeben haben bzw. haben. Sonst würde man nicht so sehr um Jesus-Christus-Interpretationen ringen. Einfach zu sagen: vergessen wir Jesus – man weiß sowieso nichts über ihn – geht schlicht und ergreifend darum nicht, weil er eben nach 2000 Jahren noch immer eine so große Bedeutung hat – die Bedeutung, die kann man nicht leugnen, und wenn man ein noch so großer Anti-Jesus Ideologe ist; oder wenn man ein Mensch ist, der nichts Größeres über sich duldet – und somit auch den inneren Zwang verspürt, große Menschen klein zu machen.
Impressum auf www.wolfgangfenske.de