Archive for the ‘Atheismus’ Category

Religion und Ideologie

Sonntag, Mai 1st, 2016

Alexander Grau sieht Religion als Ideologie an: http://www.cicero.de/salon/alle-religionen-sind-ideologien/60850 Das ist zu kurz gesprungen. Ich finde, eine Religion kann zur Ideologie werden. Ideologen sind engstirnig, fanatisch, sehen nur ihre Sicht, können nicht differenzieren, meinen, von ihnen hängt das Wohl der Gesellschaft ab und entwickeln entsprechend auch repressive Strukturen, um das jetzt (!) durchzusetzen. Das sehen wir im Nationalismus, Nationalsozialismus, Kommunismus, Sozialismus (weniger), Liberalismus (manchmal) auch der Kapitalismus steht in Gefahr zur Ideologie zu werden. Natürlich auch Religionen und Atheismus. Aber Religionen sind es nicht per se – wie es auch der Sozialismus bzw. Liberalismus nicht per se ist. Und das ist der Fehler bei Grau: Er differenziert nicht. Steckt da auch Ideologie dahinter? 😉

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Atheistisches Lied + China, Tod einer Christin

Sonntag, April 24th, 2016

Und immer wieder das atheistische Lied: Religionen sind alle gleich – alle gleich brutal. Sie sind wie wilde Tiere, die domestiziert werden müssen: sicher mit aller Gewalt – oder wie stellen sich die Ruhrbarone und Gesinnungsgenossen das vor? Und damit machen sie das, was sie den Religionen vorwerfen: http://www.ruhrbarone.de/religionen-muessen-domestiziert-werden/125771

“Religionen in ihren ursprünglichen Auslegungen passen nicht in demokratische, offene Gesellschaften. Das trifft nicht nur auf den Islam, das trifft auch auf das Christentum zu. Sie müssen gezwungen werden, auf weite Teile ihrer Ansprüche zu verzichten…”

Vom Islam spreche ich jetzt nicht – aber man sollte sich vielleicht auch als Atheist die Mühe machen, Religionen zu unterscheiden, sonst muss man sich den Vorwurf gefallen lassen, keine Ahnung zu haben. Aber das ist ja der rhetorische Trick für die nicht besonders hellen Gesinnungsgenossen, alle Religionen in einen Topf zu werfen, Bäh zu schreien, und dann schreien alle mit Bäh.

Apropos “ursprüngliche Auslegung”: Schon einmal etwas von Jesus Christus gehört? Auch schon mal irgendwas davon gehört, dass es Geschichte gibt und dass die jeweilige Gegenwart aus der Vergangenheit heraus lebt? Schon einmal davon gehört, dass es demokratischen Gepflogenheiten nicht entspricht, dass eine Minderheit die Mehrheit zu etwas zwingt? Zur Demokratie gehört es, argumentativ seine Meinung in den Ring zu werfen und zu hoffen, dass sie Gehör und vielleicht gar eine Mehrheit findet. Aber das müssen solche martialischen Atheisten erst noch lernen – und manche haben es nie gelernt, man denke an atheistische Nationalsozialisten und an Kommunisten. Ach ja, Rhetorik muss man natürlich auch in dem ideologischen Text beachten. Aber das lasse ich jetzt.

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Was würden die Ruhrbarone dazu sagen? Eine Christin kam bei einem Protest gegen die Zerstörung einer Kirche zu Tode: http://www.persecution.org/2016/04/22/death-of-ding-cuimei-becoming-symbol-of-christian-persecution-in-china/ Wahrscheinlich: Selbst daran Schuld. Fanatische Religiöse müssen eben gezwungen werden, ihre Kirchen abreißen zu lassen…

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Dawkins, Singer, Sozialdarwinismus und Würde Behinderter

Mittwoch, April 20th, 2016

Ich finde in dieser Fragestellung http://blog.wolfgangfenske.de/2016/04/18/darwin-dawkins-und-sozialdarwinismus/ Ulrich Bach besonders erwähnenswert. Er schrieb, dass man, wenn man schon danach fragt, ob jemandem Menschenwürde zukommt oder nicht, also zum Beispiel Behinderten, ihnen die Menschenwürde nimmt. Wenn wir fragen, was macht das Menschsein aus – außer eben die Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens – und irgendwelche (Charakter-)Eigenschaften nehmen (denken, auf zwei Beinen gehen, Rationalität, Autonomie, Selbstbewusstsein, Leidensfreiheit, sich glücklich fühlen), um Menschen zu Menschen erklären zu können, dann haben wir andere Menschen schon entwürdigt. Und heute geht es schon längst nicht mehr allein um Ungeborene, um Behinderte – man geht schon weiter: Säuglinge, Demenzkranke, Menschen im Koma, Sterbenskranke.

Natürlich müssen sich Christen immer vorwerfen lassen, dass sie sich auf ihren “doofen Gott” berufen, wenn sie allen Menschen Würde zukommen lassen, sie müssen sich in dieser Frage “Rassismus” und “Speziesismus” vorwerfen lassen, weil sie den Menschen wichtiger nehmen als ein Tier, sie müssen sich vorwerfen lassen, unwürdiges Leben mit dem hehren Übermenschen auf eine Stufe zu stellen. Sie müssen sich vorwerfen lassen, dass sie einem veralteten Menschenbild angehören und sie müssen hören, dass diesem Menschenbild sowieso keiner mehr folgt, wenn er nicht verblödet ist. Sie müssen sich autoritären Stil und Grausamkeit vorwerfen lassen, weil sie ihre Werte durchsetzen wollen, statt sie unendlich in der Diskursethik zu diskutieren. Sie müssen sich auch vorwerfen lassen, dass sie das Leiden fördern, wenn sie Menschen, denen man Leiden zuweist, nicht umbringen lassen wollen, sie müssen sich auch vorwerfen lassen, dem Glück der Eltern entgegen zu stehen, wenn sie darauf beharren, dass sie nicht ein Kind töten lassen dürfen, um ein vielleicht “besseres” Kind zu zeugen.

Ich für mich weiß: Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, in der Starke einfach über Schwache herfallen, in der Glückliche nicht einfach Unglückliche entwürdigen, in der Wehrlose missachtet und getötet werden durch diejenigen, die zufällig stark sind, zumindest zeitweise, und Menschen, in die man nicht hineinsehen kann, einfach “Leiden” zugewiesen werden, in der Menschen schon begrifflich abgewertet werden, indem man nur von Zellklumpen und Fötus, statt von ungeborenen Menschen spricht. In einer Gesellschaft, in der Menschen Angst haben müssen, dass sie durch Unfall, durch Krankheit, durch psychisches Leiden, Behinderungen, durch Mitleiden, durch Altern entwertet werden oder dadurch, dass sie im Konkurrenzkampf nicht mithalten können. Kann eine solche Gesellschaft als human bezeichnet werden? Können sich Menschen, die das fordern, Humanisten nennen? Was für ein Hohn!

All das gehört zum Menschsein dazu. Und Christen müssen darauf bestehen, dass Leiden ein Teil des Menschseins ist und man einander helfen muss, es zu überstehen oder trotz Leid leben zu können – denn wir sind keine Roboter, wir sind Menschen. Leiden macht uns menschlich – womit ich Leiden nicht heroisieren will. Aber Leiden macht uns empfindsam für andere.

Ich will in einer Gesellschaft leben, in der man einander achtet. Die Starken die Schwachen beschützen, sie umsorgen, in einer Gesellschaft, die sensibel ist für die Nöte anderer und in der sich Menschen achtsam in sie hineinversetzen können. Eine Gesellschaft, in der Glück erlebt wird, weil es auch erlitten werden muss, die Kranke nicht ausgrenzt, psychisch Kranken zu helfen in der Lage ist, in der Ungeborene befriedet zu dem heranwachsen können, was in sie angelegt ist.

Es wird immer Menschen geben, die einen Menschen wollen, der designed ist, der vollkommen ist, der ästhetisch schön ist – aber wollen sie ihn nur, weil sie es satt sind, wenn sie sich im Spiegel sehen? Weil sie mit sich selbst nicht klar kommen? Weil sie Angst davor haben, Verantwortung zu tragen? Was haben Menschen überhaupt für ein Interesse daran, anderen Würde abzusprechen, denen moralische Verkommenheit zu unterstellen, die sich um andere kümmern, ihnen Lebenschancen geben? Diese Leute wird es immer geben – aber sie sollen in einer Gesellschaft nie die Mehrheit bekommen, weil eine solche Gesellschaft brutal ist. Und dann das Argument: Die werden zu teuer! In einer Gesellschaft, in der allen Menschen gleiche Würde zukommt, in einer solchen fragt man nicht danach, sondern nimmt sie hinein in den Alltag, in das Leben, in die Liebe. Illusion? Möglicherweise – aber das ist ein Ziel – und auf das Ziel gilt es hinzuarbeiten und nicht auf das Ziel, sie zu töten oder zu isolieren. Kultur des Lebens – statt Kultur des Todes.

Übrigens: Atheisten, die darauf beharren, dass auch Atheismus in der Lage ist, menschliche Werte zu vertreten und nicht nur das Christentum, die werden durch solche Ansätze ihrer Chef-Denker ganz schön zum Schwitzen gebracht. Eine atheistische Welt wird anders aussehen als eine christliche. Und für mich sind solche ethische Blitze, wie sie bei manchen Chef-Atheisten durchblitzen, nicht gerade dafür geeignet, mich auf eine gute Welt einstellen zu können.

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Darwin, Dawkins und Sozialdarwinismus

Montag, April 18th, 2016

Darwin hat anhand der Natur beobachtet, dass sich die fitteste Art besonders gut anpasst und darum auch überlebt – wobei das freilich ohne das individuelle Tier nicht denkbar ist, das sich besser als andere Artgenossen anpassen kann. In dem Zeitalter des Sklavenhandels und des Kolonialismus hat das so sein rassistisches Geschmäckle: Die Weißen, die sich in der Welt ausbreiten, über Afrikaner, amerikanische Ureinwohner und Asiaten herrschen – sind eben die fitteste Art.

Dawkins hat dieses alte Darwin-Denken an unsere Zeit der Individuen angepasst: Er sieht, dass nicht die Art sich anpasst, um zu überleben, sondern das fitteste Individuum überlebt. Und das fitteste Individuum wird von seinen egoistischen Molekülen bestimmt. Der Körper ist eine Art Hülle für die nach Weiterverbreitung gierenden Gene/Moleküle. Und der Körper eines Individuums mit den fittesten und somit egoistischsten Genen/Molekülen wird sich durchsetzen: Du bist nichts, dein Gen ist alles.

(Wie steht Dawkins zur Monogamie? Laut Darwins Konkurrenten Wallace sind es nicht gerade die moralisch Höherstehenden, die überleben. Er hatte auch so seine Zweifel daran, dass es die Intelligenteren sind, sondern doch eher diejenigen, die ohne Rücksicht auf Verluste vorgehen. Und die sind dann natürlich auch diejenigen, die ihre Gene am weitesten versprühen können, die zumindest dazu keine moralischen Hemmungen haben.)

Das wird von Dawkins auf die Kultur übertragen. Im Hirn des fittesten Individuums regieren die egoistischen Meme. Sie werden nicht, wie im Körper die Gene, durch Spermien übertragen, sondern sie verankern sich in den imitierenden Hirnen. Und die fittesten egoistischsten Meme werden überleben, weil sie sich am besten durchsetzen.

Ist Dawkins Sozialdarwinist? Er hat Nähe zum Naturrecht (Natur schreibt vor, wie man sich zu verhalten hat, bzw. wie man sich verhält.) Naturrecht ist aber nicht notwendigerweise mit Sozialdarwinismus verbunden. Ich denke, es fehlt Dawkins etwas zum Sozialdarwinismus: die ideologisch brutale Ausschaltung des Minderwertigen bzw. die Höherzüchtung des Wertigen. Zum Sozialdarwinismus gehört auch eine sanftere Form: Staat und Kirchen sollen sich heraushalten – sie sollten die Menschen sich selbst überlassen, und dann würde sich schon zeigen, wer überlebt und wer (wie Nietzsche sagt) zugrunde geht. Zumindest kann ich es nicht eindeutig nachvollziehen, ob Dawkins sozialdarwinistisch denkt. Er denkt egoistisch/hedonistisch (Lust-Glück)/utilitaristisch (Nutzen). Das lässt diese Diskussion um seine Stellungnahme zur Abtreibung eines ungeborenen Menschen mit Down-Syndrom erkennen: “Wenn deine Moral, so wie meine, auf dem Wunsch begründet ist, die Summe an Glück zu vergrößern und das Leiden zu verringern, könnte die Entscheidung, absichtlich ein Down-Baby zur Welt zu bringen, obwohl die Möglichkeit einer Abtreibung in der frühen Schwangerschaft besteht, im Hinblick auf das Wohlergehen des Kindes sogar unmoralisch sein.” Die Entscheidung, es abzutreiben sei moralisch und vernünftig. http://de.richarddawkins.net/articles/abtreibung-und-down-syndrom-eine-entschuldigung-dafur-dass-ich-die-hunde-des-twitterkrieges-entfesselt-habe Zumindest was ungeborene Behinderte betrifft ist es eine Ausschaltung dessen, der nicht erwünscht ist, der mein Glück zerstört (Peter Singer geht weiter) – denn nach der Geburt sollte es nicht getötet werden, so schrieb er: die Mutter wird sich verdammen, das Ungeborene nicht getötet zu haben, weil sie immer für es sorgen müsste. Zudem schreibt er – und das macht die Sache sehr verdächtig: “Wieder andere glaubten, ich würde der Eugenik das Wort reden, und verglichen mich deshalb mit Hitler. Dieser Gedanke kam mir niemals in den Sinn, und zwar aus gutem Grund: Das DownSyndrom ist so gut wie nicht erblich. Obwohl es sich um eine angeborene Behinderung handelt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Anfälligkeit für Trisomie genetisch vererbt wird, also äußerst gering.” – Denn, so fragt sich der normale Mensch: Was ist, wenn es vererbbar wäre, würde er dann der Eugenik das Wort reden?

Dass in der Natur der Fitteste überlebt, ist überall zu sehen – und sei es der fitteste Angsthase, weil er am schnellsten der Gefahr entkommen kann. Nur wenn das als Maßstab für das Handeln der Menschen gelten soll, dann gerät das Denken in sozialdarwinistische Schieflage. Dawkins meint übrigens, dass Altruismus und Mitgefühl Fehlfunktionen, darwinistische Fehler, seien – aber er meint, sie seien kostbar, segensreich(!) und erfreuen uns.

Dawkins sieht sich zwar als Konsequentialist (vertritt eine Folgeethik) aber – so konsequent denkt er dann doch nicht immer, wie man am Vorangehenden vielfach sehen konnte.

Und was die Meme betrifft: Ob sich die atheistischen Dawkins-Meme durchsetzen werden, da habe ich so meine Zweifel – denn es ist ja, so Dawkins selbst, der Glaube, der sich wie ein Virus verbreitet. (Stellt Euch mal vor, irgend ein bekannter Christ würde schreiben, der Atheismus verbreite sich wie ein Virus! – Ein Aufschrei! Wörterbuch des Unmenschen und so. Dawkins darf das. Er ist ja schließlich Atheist.) Er versucht zwar alles Mögliche, die Meme durch atheistische Mission und durch ein dickes Buch, das sich inhaltlich-ideologisch nicht durchsetzen wird – zumindest bei denen, die Bescheid wissen, – zu verbreiten, aber die Fittesten werden die Atheisten nicht sein. Und er versucht auch durch ein kopflastiges Kinderbuch die Kinder vom Virus Glauben zu heilen, nun, das tut auch sein atheistischer Kollege Schmidt-Salomon weniger kopflastig. Welche Folgen das für Kinder hat, wenn sie diese bitteren Pillen schlucken – das zu wissen, entzieht sich mir. (Lassen wir Dawkins im Glauben, dass die Atheisten zumindest die Intelligentesten sind.) Und die atheistisch-kommunistischen Meme stehen stark unter Druck – auch in China verbreitet sich die christliche Religion massiv. Es sei denn, die chinesische Regierung wird wieder durch Mord und Totschlag zur Verbreitung der kommunistischen Meme beitragen – aber sie werden letztendlich nicht siegen. Wer steht zurzeit nicht unter Druck? Der Schwarm der intelligentesten Kapitalisten. Aber das ist ein anderes Thema. Oder doch nicht? Der stärkste Kapitalist wird überleben – und die anderen alle als dienstbare Sklaven unterordnen, in seine kapitalistische Struktur zwingen.

Man mag überall irgendwie Parallelen zur Natur sehen – aber ich denke, dass der Mensch doch auch anders ist. Das sieht man daran, dass er Verantwortung trägt und zur Rechenschaft gezogen werden wird. Von daher wird das christliche Prinzip ständig von allen Seiten angegriffen werden – aber das ist egal. Es hat seine Gesetze des Überlebens, die nicht in ihm begründet sind.

Aber unabhängig davon: Wer ist stärker? Das Individuum? Wir haben Beispiele für große Leader. Oder ist doch die Masse stärker? Wir haben auch dafür Beispiele. Sind Intelligente stärker als Kraftvolle? Natürlich. Sind Kraftvolle stärker als Intelligente? Natürlich. Sind Schwache und Nicht-Intelligente stärker als Kräftige und Intelligente? Wenn Christen im Hintergrund stehen natürlich. Ist eine Idee stärker als eine andere? Natürlich. Aber nur für eine kurze Zeit und dann kehrt sich wieder alles um. Werden die moralisch Verwahrlosten siegen oder die moralisch Guten? Mal die, mal jene.

Und so bin ich von Dawkins abgeschweift… Oder nicht?

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Peter Singer und Joseph Fletcher + Abtreibung

Sonntag, April 17th, 2016

Peter Singer (Praktische Ethik) beruft sich auf “den protestantischen Theologen” Joseph Fletcher als Zeuge für “Indikatoren des Menschseins”: Selbstbewusstsein, Selbstkontrolle, Sinn für Zukunft, Sinn für Vergangenheit, die Fähigkeit, mit anderen Beziehungen zu knüpfen, sich um andere zu kümmern, Kommunikation und Neugier.” Er benötigt den protestantischen Theologen als für seine Rhetorik wichtigen Gewährsmann (also: sogar Christen denken so!) dafür, dass man abtreiben darf bzw. auch behindert geborene Kinder töten darf. Denn auf Ungeborene bzw. Behinderte treffen nicht alle der oben genannten Beschreibungen zu.

Es gibt auch Christen, von denen man sieht, dass sie eigentlich andere Werte zugrundelegen als christliche. Von daher sagt es nicht viel aus, ob einer protestantischer oder sonst ein Theologe ist. Man muss also tiefer schauen: Wer war dieser Joseph Fletcher? Er wurde 1901 geboren und ist 1991 gestorben. Er wurde zum Pfarrer ordiniert, bezeichnete sich später aber als Atheist und vertrat: Abtreibung, Kindstötung, Euthanasie, Eugenik und Klonen. Er war also sozialdarwinistisch geprägt, wie so mancher Mensch dieser Zeit, wie eben auch die Planned-Parenthood-Leute (US-Abtreibungsspezialisten) und Nationalsozialisten.

Spannend ist nun, dass dieser Fletcher die Liebe sehr betonte, die Nächstenliebe – aber nicht auf der biblischen Basis, sondern als Situationsethik. Das heißt, man entscheidet ad hoc auf Basis der Liebe zum Nächsten, wie man handelt. Und da befiehlt eben spontan die Liebe: Kinder zu töten, wenn Eltern damit überfordert sind, wenn Menschen Gen-Defekte haben, wenn sie unheilbar krank sind. Aber Liebe wie sie es das Neue Testament und vor allem auch Jesus lehrt, hat vor dieser erschreckenden Art Liebe eine Sicherung vorgeschaltet: die Würde des Menschen, jeder Mensch ist Kind Gottes, jeder hat ein Recht auf Leben, auf Angenommensein. Liebe ohne diese Sicherung – das zeigt Fletcher – ist grausam, brutal, unmenschlich.

Fletcher war Mitglied der Humanist Association – und wurde von ihr, wohl weil sie stolz darauf ist, einen dermaßen engagierten Gelehrten in ihren Reihen zu haben, auch 1974 als Humanist des Jahres bezeichnet. Er war Präsident der Euthanasia Society of America, Mitglied der American Eugenics Society und für die freiwillige Sterilisation. https://en.wikipedia.org/wiki/Joseph_Fletcher

Singer weiß das alles sicher. Aber warum bezeichnet er ihn als protestantischen Theologen? Um unter den Christen Leichtgläubige ködern zu können.

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Ist ein ungeborenes Kind eine Person? In dem folgenden Beitrag steht, dass in Hollywood-Filmen Abtreibungsbefürworter auch in Filmen häufig die Regie führen – zumindest was die Sprachregelung betrifft: Ungeborene werden nicht als Menschen bezeichnet. Aber in The Big Bang Theory soll ein ungeborenes Wesen als Mensch angesehen werden: http://kath.net/news/54829

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Glaube und Astronauten

Samstag, April 16th, 2016

“Es gibt nicht viele Atheisten auf der Startrampe”: http://www.kath.net/news/54787 Dürften Astronauten wie 1968 auch heute noch die Schöpfungsgeschichte aus dem Raumschiff öffentlich vorlesen? Das würde manche Atheisten vor Zorn nicht nur auf die Palme bringen, sondern in die Höhe katapultieren.

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Papst + Enteignung + Hass und Atheisten + Angepasste Kirche

Sonntag, April 10th, 2016

Wiedergabe von Amoris Laetitia (Die Freude der Liebe [die in der Familie gelebt wird]): http://kath.net/news/54732

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Zu dem Papstwort eine Stellungnahme von Bedford-Strohm: http://www.ekd.de/presse/pm40_2016_ratsvorsitzender_zum_papst_schreiben.html

Der Bund der Katholischen Jugend ist gegen die katholische Theologie, wie sie der Papst vertritt, weil Amoris Laetitia Homosexualität nicht neu bewertet, weil der Papst gegen Sex vor der Ehe eintrete und Verhütungsmittel ablehne: http://kath.net/news/54742 Da stellt man sich doch die Frage:  Warum sind die Funktionäre eigentlich in der katholischen Kirche, wenn sie die katholische Theologie und Ethik nicht vertreten können?

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Der Empfang des Abendmahls/der Eucharistie setzt “die lebendige Verbundenheit mit Gott in Glaube, Hoffnung und Liebe” voraus. Warum wird dann Protestanten noch immer die Eucharistie verwehrt? http://kath.net/news/54743 (Eine rhetorische Frage.)

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(Nachtrag zu Amoris Laetitia: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/pastoralschrift-des-papstes-suende-bleibt-suende-14168252.html

Und Anna Diouf über Kritiker, die kritisieren, ohne überhaupt die Grundlagen zu kennen. Ein guter Beitrag – denn das ist immer wieder ärgerlich: Menschen kritisieren den christlichen Glauben – das ist vergleichbar mit: Einer, der vom Fußballspielen keine Ahnung hat, nicht einmal weiß, was ein Ball ist, will so mitreden, als hätte er die Fußballweisheit mit Löffeln gefressen. Oder ein Handballer echauffiert sich, dass man im Fußball nicht die Hand benutzen darf und dass die Regeln geändert werden müssen: https://thecathwalk.net/2016/04/09/kritik-des-reinen-unverstands/

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Warum stimmt die mexikanische katholische Kirche der Enteignung dieser Kirche zu? http://kath.net/news/54745

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Es ist interessant, dass Menschen, die die Kirche ablehnen, meinen, ablehnende Worte der Kirche verurteilen zu müssen. Einem Atheisten kann es doch vollkommen egal sein, dass ein Kirchenvertreter eine andere Meinung zur Gottlosigkeit hat als er selber. Das liegt in der Natur der Sache. Wenn ein Atheist oder sonstwer die Kirche ablehnt und den Glauben noch dazu und was weiß ich – dann redet kein vernünftiger Mensch davon, dass dieser die Kirche usw. hasst. Selbst wenn manche sagen, Religion sei lächerlich, man müsse nicht einmal mehr mit Religiösen reden, weil sie sowieso nur Schwachsinn reden – dann zieht man sein Hütchen und geht als Christ freundlich weiter, spricht aber nicht von Hass. Aber man möchte wohl auch als Atheist Aufmerksamkeit unter Seinesgleichen erheischen, und spricht in schrillsten Tönen vom Hass der anderen: http://kath.net/news/54731 So lüpfen wir auch hier das Hütchen und gehen freundlich weiter.

Am Rande: Atheisten müssen wissen, dass Christen ihre Beurteilung der nationalsozialistischen und kommunistischen Ideologie nicht einfach so übernehmen. Atheisten gehen davon aus, dass Ideologien nichts mit dem Atheismus zu tun hätten. Klar, ist auch eine schlechte Werbung. Aber Christen denken da anders, denn Nationalsozialismus wie Kommunismus haben massivst Christen verfolgt bzw. Christen verachtet und die Ausmerzung nur verschoben, wenn sie die Christen noch zur Erreichung ihrer Ziele benötigten. Ebenso die Handelnden: Sie selbst sahen sich nicht als Christen an. Von daher: Wenn Christen davon sprechen, dass Gottlose über Leichen gehen, zuschlagen und zerstören – dann steht dieses Bild der Sowjetunion, des Mao-China, Nordkorea, Mexiko, Kuba,… – und wie die kommunistischen Länder alle heißen, die Christen das Leben zur Hölle gemacht haben, vor Augen. Natürlich haben sie sich nicht zum Atheismus bekannt – wie immer wieder von atheistischer Seite gesagt wird, weil man sich nicht zum Atheismus bekennen könne – aber diese Ideologen haben sich als Atheisten gesehen. Die Gräueltaten der französischen Revolution darf man auch nicht vergessen. Zudem: Engagierte Menschen, die meinen, das Wohl der Welt hängt von ihnen ab, die haben einen massiven Hang zum Totalitären (- wie natürlich auch Religionen, die meinen, sie müssten unbedingt jetzt und sofort den Willen ihres Gottes von allen einfordern, sonst sei der Gott ihnen böse gesonnen). Das steht hinter den Worten des Bischofs. (Natürlich gibt es auch nette Atheisten – vor allem nette Agnostiker. Solche, die ihren Nichtglauben nicht als Ideologie vor sich hertragen, sondern als Teil ihres Lebens begreifen, der sich durch ein Wunder ändern kann.)

Der christliche Glaube, wie er von Jesus Christus und neutestamentlichen Christen verkündet wurde, geht davon aus, dass Gott die neue Welt herbeiführen wird und der Mensch soll sich nur schon jetzt entsprechend verhalten. Das heißt: Christen dürfen nicht denken, dass sie jetzt die Welt Gottes herbeiführen müssen. Das wäre furchtbare Hybris. Christen können auf Gott schauen und bitten: Dein Reich komme – und das Ihre liebend dazu tun, dass es sich wie der Sauerteig immer weiter verbreitet – aber von Menschen nicht zu erreichen ist.

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Eine Diskussions-Anregung zum Papier der Evangelischen Kirche in Rheinland zum Thema Mission von Muslimen:

Eine angepasste Kirche ist Staatsdienerin. Sie passt sich den Vorgaben des Staates an und geht im Staat auf. So geschieht es im Augenblick auch mit der Evangelischen Kirche in Rheinland: “Eine Begegnung mit Muslimen in Konversionsabsicht bedroht den innergesellschaftlichen Frieden und widerspricht dem Geist und Auftrag Jesu Christi und ist entschieden abzulehnen.”

Mission widerspricht dem Geist und dem Auftrag Jesu Christi? Interessant zu hören. Man möchte sarkastisch werden und sagen: Wahrscheinlich sind sie der Meinung, weil es zur Zeit Jesu noch keine Muslime gab und somit Jesus von dieser wunderbaren Religion des Friedens noch nichts gewusst haben kann. Hätte er das gewusst, dass es eine so wunderbare Religion geben wird, hätte er sicher Mission unter Muslimen abgelehnt.

Nein, so argumentieren sie sicher nicht. Sie argumentieren im Sinne des Staates, ganz gehorsam, wie es sich für eine Staatskirche gebührt: Man will ja schließlich in einer Gesellschaft keinen Ärger hervorrufen, man möchte den Staat befrieden. Und wenn man sagt: Liebe Muslime, Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, dann kann es eben sein, dass Muslime sauer werden und sagen: Nö, Mohammed ist der Prophet Allahs usw.

Ich überlege mir so, wenn ich das schreibe, haben eigentlich diese Kirchenvertreter, die dem Staat dienen wollen, wirklich im Blick, dass die Religion auch das soziale Leben prägt? Und eine Religion, die vom Koran geprägt ist und von den Ahadith, hat eine andere Gesellschaft zur Folge als eine Religion, die vom Neuen Testament her geprägt ist. Man mag dann natürlich Zeter und Mordio schreien, aber ein Blick in die real existierenden islamischen Staaten und zu den real existierenden Resten unserer christlichen Gesellschaft, von denen das Grundgesetz noch ein einsames Relikt ist, dürfte jeden Uneinsichtigen belehren. Aber da Christen in unserer Gegenwart lieber einen nicht real existierenden Islam als Maßstab für ihre Besinnungen nehmen, wird sie die Realität auch nicht stutzig machen.

Anders gesagt: Eine Umwertung der Gesellschaft im Sinne des Koran und der Ahadith wird massiven Unfrieden in unserer Gesellschaft mit sich bringen. Von daher ist das, was im Papier vorgeschlagen wird, nicht gerade Frieden erhaltend. Aber wie sie einer Islamphantasie huldigen, so haben sie sicher auch ein falsches Bild von der Geduld unserer autochtonen deutschen Gesellschaft – und der nichtmuslimischen Zuwanderer. Nichtmuslimische Zuwanderer aus islamischen Staaten kämpfen massiv dagegen, dass unsere Gesellschaft islamisiert wird. Hier finden sie Frieden ohne Verfolgung – und sie befürchten, wenn in unserer Gesellschaft Koran und Ahadith die Macht bekämen, sie nach Polen oder Ungarn auswandern müssten, um den Verfolgungen zu entgehen.

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Gott ist nicht tot (2)

Donnerstag, April 7th, 2016

Der Film, Gott ist nicht tot (1) ist sehr zu empfehlen, ich schrieb schon darüber im Blog. Es wäre schön, wenn Gott ist nicht tot (2) auch auf Deutsch erscheinen würde. In diesem geht es, so beschreibt dieser Artikel, um eine Lehrerin, die Schwierigkeiten bekommt, weil sie neben Martin Luther King und Gandhi auch Jesus mit Blick auf Feindesliebe erwähnte. http://www.pro-medienmagazin.de/film/detailansicht/aktuell/von-sabrina-total-verhext-zu-gott-ist-nicht-tot-95613/

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Gewalt gegen Staatsbedienstete, gegen Polizei und andere Helfer + Gesellschaft Ethik

Mittwoch, April 6th, 2016

Die Gewalt gegen Polizisten, gegen Feuerwehrmännern und Sanitätern, gegen Busfahrer und Bahnpersonal nimmt massiv zu. Und es ist gut, dass das endlich (endlich!) in den Fokus der Politik rückt. http://www.focus.de/politik/deutschland/gewalt-gegen-polizisten-und-beamte-eskaliert-de-maiziere-schlaegt-alarm_id_5408799.html

Das sind Anzeichen für einen desolaten Zustand der Gesellschaft – und manche Medien heizen diesen desolaten Zustand dadurch an, dass sie der christlichen Religion immer stärker das Wasser abgraben. Atheisten sagen vollmundig, dass man für eine funktionierende Gesellschaft unsere christlichen Maßstäbe nicht benötigt. Zeigt es nun, liebe Atheisten, dass Ihr, nachdem ihr die Menschen immer stärker von der Religion abspenstig macht, dass Ihr dieses Problem unserer zerreißenden Gesellschaft in den Griff bekommt, die Menschen zu Mitmenschlichkeit zu erziehen in der Lage seid. Dass Ihr begründete Maßstäbe entwickelt und durchsetzt, mit deren Hilfe die Gesellschaft befriedet werden kann. Darüber hinaus haben Medien massiv daran gewirkt, Autoritäten niederzumachen. Das sind die schlimmen Folgen der 68ger. Natürlich weiß man schon seit neutestamentlicher Zeit, dass Autoritäten nicht qua Amt Autoritäten sind, sondern dass man sich seine Autorität erarbeiten muss. Aber die Frage des Respekts gegenüber Berufsgruppen, die für Sicherheit da sind, die helfen wollen, die wurde immer wieder lächerlich gemacht. Und man geht gegen diese Menschen vor, wenn sie jemanden festnehmen müssen – weil man die Kriminellen als Opfer der Sicherheitskräfte ansieht. Was ist das für eine dämliche Einstellung, die manche “Weitherzige” ergriffen hat.

Aber ich muss gestehen, die Kirchen sind nicht unschuldig an dem Desaster der abgleitenden Gesellschaft. Sie haben sich den Zeitströmungen so angepasst, dass sie selbst nicht mehr fordernd an die Menschen herantreten, sondern es eher drauf haben, Wohlgefühl zu erzeugen. Sie treten nicht mehr fordernd auf, indem sie sagen, was gut und böse ist, dass der Mensch die Verantwortung trägt, sich an das Gute zu halten. Statt dessen wird gefragt: Was ist denn gut? Das weiß man doch alles nicht so genau! Doch, das weiß man. Und ich denke, ich habe es schon häufiger geschrieben: Wenn man Kinder im Mutterleib umbringt, mag man sie nun Fötus oder sonstwie nennen, dann spürt doch jeder, dass Gewalt in die Gesellschaft Eingang gefunden hat, Gewalt gegen die Schwächsten und Wehrlosesten. Muss man sich dann wundern, wenn sich stark Fühlende über Wehrlose hermachen? Eine Verrohung der Gesellschaft auf ganzer Ebene ist die Folge. Und so möchte ich nur an eine alte Nachricht erinnern: http://www.focus.de/familie/geburt/forscher-rechtfertigen-toetung-neugeborener-legaler-kindsmord_id_2450059.html Es gibt keine Maßstäbe in der a-religiösen Welt.

Zudem – aber nicht nur, das will ich ausdrücklich sagen – tragen bestimmte Gruppen in unserer Gesellschaft zum Niedergang bei, eben die nicht Integrierten. Die Politik muss zusammen mit der Justiz und den Sicherheitskräften diese Menschen in den Griff bekommen. Aber die schaffen es nie und nimmer allein. Wenn die Gesellschaft als Ganze wegschaut, wenn sie nicht aufbauend tätig wird, jeder an seinem Ort, in den Kindergärten, Schulen, Vereinen, als Nachbarn…, dann wird das nicht mehr geändert werden können. Und hier gilt es nicht, falsche Menschlichkeitsgefühle zu erzeugen, sondern Menschen müssen zur Rechenschaft gezogen werden und man muss von ihnen fordern, dass sie zum Wohl der Gemeinschaft da sind, dass die Gemeinschaft ihnen hilft, wenn sie selbst für die Gemeinschaft eintreten. Das Subsidiaritätsprinzip, die Basis unserer Soziallehre muss wieder bekannt werden. Man ließ alles schleifen, es lief ja so gut… – es lief gut, weil wir unsere christliche Tradition aufgegriffen hatten und sie unbewusst lebten. Aber die Gesellschaft entfernt sich von ihr. Und: Es läuft nicht mehr gut, seit Jahren läuft es nicht mehr gut.

Es ist dir gesagt Mensch, was der Herr von dir fordert: Gottes Wort halten, Liebe üben, demütig sein vor deinem Gott, sagte schon der Prophet Micha – zu finden im Alten Testament. Wahrheiten werden nicht unwahr, wenn eine Gesellschaft meint, sie in den Orkus spülen zu müssen. Wenn sie es tut, wird sie leiden. Massiv leiden. Die Schwächsten werden es zuerst.

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Oh weh, wieder ein Diez

Montag, März 28th, 2016

Oh weh, wieder ein Diez – dieses Mal aus dem Geist Reza Aslans und anderer: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/religionen-und-gewalt-jesus-der-terrorist-kolumne-a-1084303.html Polemisch. Muss man Polemik widerlegen? Einem Polemiker kommt es ja nicht auf Argumente an. Also lassen wir das. Vielleicht sollte man nur daran erinnern: Auch gegenüber Kritikern der Kirche sollte man kritisch sein.

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