argumentum ad personam – Diskussions-Ethik

Das argumentum ad personam

benötigt im Gegensatz zum argumentum ad hominem keinen logischen Aufbau und besteht im Extremfall aus einer schlichten Beleidigung. Schopenhauer führt es als letztes Mittel in einem Streitgespräch an:

„Wenn man merkt, daß der Gegner überlegen ist und man Unrecht behalten wird, so werde man persönlich, beleidigend, grob.“

Diese Vorgehensweise sei beliebt, da sie von jedermann angewandt werden könne. Im Gegensatz dazu sei die Fähigkeit zu einer sachlichen Auseinandersetzung und dem Eingestehen des eigenen Unrechts nicht jedem gegeben, und er bemerkt:

„Daraus folgt, daß unter Hundert kaum Einer ist, der wert ist, daß man mit ihm disputiert.“

Schopenhauer betont, dass ein dialektischer Sieg, also das sachliche Widerlegen einer Position, einen Streitgegner weit mehr erbittert als eine bloße Beleidigung, und empfiehlt dieses Vorgehen als Gegenstrategie.

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5 Antworten auf „argumentum ad personam – Diskussions-Ethik“

  1. Der Stand der Forschung, den ich kenne: Es befreiten sich Menschen aus Ägypten – diese Befreiung wurde als eine verstanden, die Gott initiiert hat.

    Der Stand der Forschung ist aber ein anderer: Da diese Geschichte kursiert, nimmt man an, dass es dermaleinst Gruppen von Menschen gegeben hat, die vielleicht als Kriegsgefangene in die ägyptische Sklaverei kamen und sich denn befreien konnten. Annahme deshalb, weil es absolut keine konkreten Hinweise darauf gibt. Und wenn ohnehin der allergrößte Teil des Exodus-Märchens nachweislich reine Erfindung ist, dann kann natürlich auch der Teil mit der Flucht der Sklaven aus einem völlig anderen Zusammenhang stammen, da die Geschichten ohnehin erst im 5. Jhdt. v. u. Z. kanonisiert wurden, also lange, lange vor dem behaupteten Geschehen.

    Darum feiert das Volk dieses wunderbare Ereignis bis heute.

    Was soll denn an einem fiktiven Ereignis „wunderbar“ sein, wenn man es lediglich zu einer Tradition gefriert?

    Und diese anderen sind froh, dass es die Sintflut-Geschichte gibt. Dass Sie diese anderen nicht als Menschen ansehen, die ihnen rational ebenbürtig sind, mag ja sein.

    Ich sehe diese Menschen nicht einmal als ethisch ebenbürtig an, wenn sie ein imaginäres Ereignis, bei dem ein Gott fast seine gesamte Schöpfung wieder vernichtet, als „großartig“ und „wunderbar“ feiern und diese kranke Sicht auch noch kleinen Kindern einimpfen.
    Ach ja, beinahe völlig übersehen wird zudem die Tatsache, dass der „Allwissende“ völlig baff war (1. Mose 6,6), als er sah, wie sehr ihm seine Schöpfung aus dem Ruder lief.

    Aber das sagt nichts gegen uns, sondern sagt einfach nur, dass es Menschen gibt, die unterschiedliche Ansichten haben.

    Trotzdem gibt es Kriteiren dafür, ob eine Meinung richtig sein kann oder falsch sein muss und ich denke, Meinungen, die in sich logische Widersprüche ausweisen und an nachweisbaren Tatsachen (eine Sintflut hat es NIE gegeben) völlig vorbeigehen, können nur falsch sein, egal, mit wie vielen geistigen Klimmzügen man sie zu retten versucht.

  2. Finde ich eine interessante Definition:

    Wenn der Empfänger (d. h. die beleidigte Person) ein geringes Selbstwertgefühl hat und die Aussage als Angriff auffasst, entsteht eine Angstreaktion und der Empfänger ist „beleidigt“.

    Die Beleidigung entsteht also beim Empfänger, nicht beim Sender. Eine faktisch richtige Aussage kann beim Leser als Beleidigung empfunden werden, wenn er eigentlich erkennen müsste, dass er im Unrecht ist, sich dies aber nicht eingestehen will. Aus diesem Grunde sind religiös eingestellte Personen oft beleidigt, wenn berechtigte Kritik an ihren unhaltbaren Einstellungen geübt wird. Sie fordern dann „Toleranz“, finden es andererseits aber völlig in Ordnung, dass sie anderen ihre religiösen Einstellungen überstülpen wollen.

    Schopenhauer betont, dass ein dialektischer Sieg, also das sachliche Widerlegen einer Position, einen Streitgegner weit mehr erbittert als eine bloße Beleidigung

    Das sehe ich auch so, deshalb bin ich immer bemüht, mit Sachargumenten zu antworten und nicht einfach nur bloße Tatsachen-Behauptungen aufzustellen, wie dies Theologen mangels belastbarer Fakten notwendigerweise tun müssen.

    Wenn meine Sachargumente dann als Beleidigung aufgefasst werden, weil sie das Selbstwertgefühl des Angesprochenen treffen, ist das nicht mein Problem. Die Wahrheit tut halt manchmal weh.

    „Wenn man merkt, daß der Gegner überlegen ist und man Unrecht behalten wird, so werde man persönlich, beleidigend, grob.“

    Eine weitere oft anzutreffende Reaktion auf das Gefühl der eigenen Unterlegenheit ist aber auch, dass der Unterlegene zum Mittel der unwahren Behauptung greift, weil ihm keine andere Möglichkeit mehr bleibt. So etwa die Neigung, Märchen als historische Tatsachen hinzustellen oder einseitige Interpretationen – unter Negation aller anderen, mindestens ebenso wichtiger, Aspekte – vorzunehmen.

    1. Nur Sachargumente in Ihren Beiträgen? Da lacht ja jeder Rhetoriker und reibt sich die Hände.
      Allein schon diese Unterstellung, das Gegenüber würde, nur weil es ein anderes Weltbild hat, Märchen (Gattung beachten! – Sie meinen wahrscheinlich den Mythos) als historische Tatsache hinstellen, ist keine Sachaussage, sondern eben Unterstellung, die nichts anderes ist als ein Totschlagargument, die solche faszinieren, die den Unterschied zwischen Märchen und Mythos, zwischen unterschiedlichen Formen von Interpretationen nicht kennen. Ebenso scheint der Folgesatz nicht daran zu denken, dass ein kurzer Blogbeitrag keine Dissertation sein kann, der alle möglichen Aspekte berücksichtigt. Selbst an so etwas nicht zu denken und dann von anderen erwarten, dass sie eine Aussage von allen möglichen Seiten beleuchten – wie soll man das einordnen? Ich überlege manchmal: Merken Sie eigentlich selbst Ihren Stil, der manchmal aufblitzt und aus meiner Sicht auch Ihre Sachargumente entwertet?
      Wir diskutieren auf einem Blog. Sind seinen Gesetzen unterworfen.

      1. Allein schon diese Unterstellung, das Gegenüber würde, nur weil es ein anderes Weltbild hat, Märchen (Gattung beachten! – Sie meinen wahrscheinlich den Mythos) als historische Tatsache hinstellen

        Nun, immerhin haben Sie den Auszug der Israeliten aus Ägypten als „Erfahrung“ des Volkes Israel bezeichnet, mithin ihm eine Historizität zugewiesen, obwohl seit Langem unbestritten ist, dass er nie in der dargestellten Form – nicht einmal ähnlich – stattgefunden hat. Wieso Sie dann die Vokabel „Unterstellung“ benutzen, ist mir schleierhaft.

        Ebenso scheint der Folgesatz nicht daran zu denken, dass ein kurzer Blogbeitrag keine Dissertation sein kann, der alle möglichen Aspekte berücksichtigt.

        Ich erwarte auch keine Dissertation, aber ich erwarte schon, dass derjenige, der ein Thema anstößt, in der Lage ist, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden und nicht einfach willkürlich einen Aspekt herausgreift, der sein Argument scheinbar stützt, aber in Wirklichkeit völlig an der Sache vorbeigeht, siehe „Geborgenheit“ und „Weltsicherheit“ beim Sintflut-Märchen.

        1. Der Stand der Forschung, den ich kenne: Es befreiten sich Menschen aus Ägypten – diese Befreiung wurde als eine verstanden, die Gott initiiert hat. Diese Befreiung wurde dann von Stämmen, die den Befreiten nahe standen, aufgegriffen und als Grundlage ihrer gemeinsamen Stammesgeschichte formuliert. Dieses Erlebnis wurde zu einer Erfahrung des Volkes. Darum feiert das Volk dieses wunderbare Ereignis bis heute.
          Was Sie als wichtig ansehen kann sich von dem unterscheiden, was ich als wichtig ansehe. Was Sie als etwas sehen, das vollkommen an der Sache vorbeigeht, sehen andere eben nicht so. Und diese anderen sind froh, dass es die Sintflut-Geschichte gibt. Dass Sie diese anderen nicht als Menschen ansehen, die ihnen rational ebenbürtig sind, mag ja sein. Aber das sagt nichts gegen uns, sondern sagt einfach nur, dass es Menschen gibt, die unterschiedliche Ansichten haben.

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