Arme Reiche

In Cicero (Oktober 2012, 81) finden wir ein Interview mit dem Rechtsphilosophen Ronald Dworkin. Darin heißt es: "Was ich sagen will, ist, dass die Reichen ihr Leben damit verbringen, anderen Menschen Geld zu entwenden, das sie nicht brauchen. Ich nenne sie ethische Schlafwandler. Sie führen kein Leben, auf das sie mit Stolz zurückblicken können. Außer Warren Buffett oder Bill Gates* vielleicht. Aber wie kann kann man an seinem Lebensabend behaupten, man hatte ein gutes Leben, wenn man in einer Gesellschaft gelebt hat, in der man auf ungerechte Weise etwas erworben hat?" – Am Schluss des Interviews heißt es: "Wir dürfen die Waffen nicht strecken. Wir haben keine Ausrede dafür. Egal welche Energie einem bleibt, wir müssen das Bestmögliche tun. Das ist es, was es bedeutet, ein gutes Leben zu führen."

* Buffett und Gates wollen mit ihrer Aktion “Giving Pledge” Reiche dazu bringen, Vermögen für gute Zwecke zur Verfügung zu stellen.

Ich denke, dass Christen, die reich sind, wissen, was sie in der Nachfolge Jesu zu tun haben. Für sie gibt es keine Neiddebatte sondern nur: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst. Und daraus folgt kein gesetzliches Handeln, sondern eines, das der Glaubende vor Gott und Menschen verantworten kann. – Freilich schließt das nicht aus, dass der Staat von Reichen mehr Steuern verlangt, damit er die notwendigen gesellschaftspolitischen Aufgaben erfüllen kann. Die Reichen profitieren auch von einem stabilen Staat und einer beruhigten Gesellschaft .

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