Rechtspopulismus

Wer Rechtspopulist ist, das bestimmen die Linkspopulisten. Oder? Was sind Rechtspopulisten? Der Wikipedia-Artikel meint: Zuwendung zur Demokratie aber in populistischer Manier gegen Zuwanderer, die EU und gegen politische Parteien. Sie fordern eine leistungsstarke Gesellschaftsordnung, ein Bekenntnis zum christlichen Abendland und nationaler Kultur, häufig verbunden mit Islamfeindlichkeit. http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtspopulismus Und dieser Artikel hat noch andere Tendenzen: so sind neoliberale auch Rechtspopulistisch – andere sehen das nicht so. http://de.wikipedia.org/wiki/Populismus In einem Vortrag wurden als Rechtspopulisten alle bezeichnet, die in irgendeiner Form menschenverachtend sind: sexistisch, gegen Schwule, Fremdenfeinde, Rassisten, gegen Obdachlose… Was machen im oben genannten wikipedia-Artikel dagegen Linkspopulisten aus? Sie sind für soziale Gerechtigkeit, Antikapitalismus, Antiglobalisierung, Pazifismus. – Ach, das geht doch wie Honig runter!

Wir können zusammenfassen, was in dem genannten Artikel auch steht: „Oft wird auch jede politische Forderung polemisch als Populismus bezeichnet, die dem echten oder vermuteten Mehrheitswillen der Bevölkerung entspricht, aber im Widerspruch zur eigenen Zielsetzungen steht“… http://de.wikipedia.org/wiki/Populismus

Also, liebe Leute: Ich bin Christ, mag unsere Kultur, kritisiere EU und politische Parteien, bin kein Mohammed-Fan, weil Mohammed Jesus Christus uminterpretiert und mein Menschen- und Weltbild auch nicht ganz dem seinen entspricht, mag eine leistungsstarke Gesellschaft – also: Ihr seid bei einem Rechtspopulisten gelandet.

Freilich bin ich auch für soziale Gerechtigkeit, bin recht pazifistisch eingestellt – freilich in dem Maße, in dem auch Linkspopulisten pazifistisch eingestellt sind (bin Gandhi und Martin Luther King-Fan) -, kapitalismuskritisch, (wieso sind die Antiglobalisierungsleute eigentlich Linkspopulistisch und nicht rechtspopulistisch? – Passen doch eher zur Rubrik: Rechtspopulismus.) – Ihr seid also auf einer linkspopulistischen Seite gelandet.

– Wo ordnet man eigentlich den folgenden Ägypter ein: Er ist Muslim, Christentum kritisch, mag seine islamische Kultur, will die wirtschaftliche Stärkung seines Landes, kritisiert politische Parteien… Wie ist eigentlich der Atheist einzuordnen? Er ist religionskritisch, mag auch seine Kultur, ist als Demokrat EU und Parteienkritisch eingestellt, fordert eine leistungsstarke Gesellschaft, die wirtschaftlich und wissenschaftlich kompetent ist… –  Alles Rechtspopulisten?

– Nur der eingefleischte Linkspopulist scheint entschlossen zu sein, andere als Rechtspopulisten zu brandmarken.

– Jeder, der andere nicht als Rechtspopulist einordnet, muss selbst einer sein.

– Nach dem Motto: Viel Feind, viel Ehr, stopft man bekennende Nationalsozialisten und zu Rechtspopulisten ernannte Menschen alle in einen Topf.

– Menschenverachtung muss nicht rechts sein. Es gibt rechte, linke, christliche, muslimische, atheistische, buddhistische, hinduistische… Menschenverächter. Verächter der Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Gleichheit der Menschen, Gemeinschaft, Demokratie, Bedeutung des Individuums… Freilich ist es einfacher, wenn man sie in ein selbstgebasteltes rechtes Schublädchen stecken kann. Aber ein selbstgebasteltes Schublädchen spiegelt nicht die Realität wieder.

– Das, worauf die Bürger stolz waren: Freude an der Kunst, Freude daran, strebsam zu sein, die Gesellschaft mit dem Wahren, Schönen, Guten zu durchdringen, gesittete und gebildete Umgangsformen durchzusetzen – zumindest als ein Ziel, das man erstreben sollte – all das ist wahrscheinlich rechtspopulistisch in manchen Augen. Wenn ich einen Vorschlag machen darf: Liebe Leute, gegen jegliche Menschenverachtung anzukämpfen, von Rechts von Links, von welcher Religion und Weltanschauung auch immer, das wäre doch was! Und wer kulturlos sein möchte, darf es sein, wer die Kultur liebt, soll sie lieben, wer Wirtschaft und Wissenschaft voranbringen will, soll es tun, wer an einen Gott glaubt oder nicht glaubt, soll es ebenfalls tun, Unterschiede unter Menschen sind zu akzeptieren, aber nicht zu kaschieren – und nicht alle sind in das eigene Weltbild zu pressen -, seinen eigenen Standpunkt menschenrechtsgemäß vertreten, ohne zu diffamieren, denunzieren, zu lügen und zu leugnen, zum Wohl der Menschen zu wirken – ist das nichts, worauf wir uns alle einigen können? Dazu gehört freilich, dass keiner verschweigen muss, welche Gesellschaft er am Liebsten haben würde – und man im munteren Wettstreit um diese Gesellschaft ringt.

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