Mittelalter

Ich habe in einem Laden zwei Zeitschriften entdeckt:

1. Miroque – lebendige Geschichte. Laut Wikipedia hat diese Zeitschrift eine Auflage von 25.000 Exemplaren http://de.wikipedia.org/wiki/Miroque Zur Zeitschrift selbst: http://www.miroque.de/home.html Das Hauptthema: Rom und seine Feinde/Das Ende des Römischen Reiches. Unterschiedliche Stämme werden vorgestellt, römische Musik usw. usw. Eine DVD mit dem Film Quo Vadis? liegt bei.

2. Karfunkel. Laut Wikipedia hat diese Zeitschrift eine Auflage von 40.000 Exemplaren http://de.wikipedia.org/wiki/Karfunkel_(Zeitschrift) Zur Zeitschrift selbst: http://www.karfunkel.de/ Das Hauptthema dieses Heftes: Haut aus Eisen. Die Entwicklung der Panzerrüstung in Europa. Aber das ist nur ein Thema. Es geht auch über: Osmanen+Mongolen, über Napoleon und über europäisches Fechten und über Dolche.

In diesen Heften sieht man, was es in unserem Land alles an Mittelaltermärkten, Konzerten, Büchern, DVDs, CDs zum Thema Mittelalter gibt. Es wird auf Kleidungen hingewiesen, die man selbst herstellen kann, Mahlzeiten usw. usw. Eine erschlagende Fülle. Sie berichten von Minnesängern, Berufen im Mittelalter, religiöse Themen. Es ist eine eigenartige Welt, eine fremde Welt, die man auch auf den zahlreichen Bildern entdeckt. Wert legen sie vor allem auch darauf, die Termine der Mittelalter-Szene mitzuteilen.

Ich selbst beobachte das nur – und überlege, was hinter diesem großen Interesse am Mittelalter steckt. Denn das Mittelalter ist doch offiziell eher als dunkles, grausames Mittelalter verschrieen – was freilich nicht stimmt, sondern nur Propaganda ist, aber doch auch seine düsteren Zeiten hatte (Pest, Willkür, Ausbeutung, Kriege) – aber die Leute scheinen sich davon nicht abhalten zu lassen. In einer Rezension heißt es in Karfunkel: „Das Mittelalter dient mal wieder als Projektionsfläche für die üblichen Klischees und Sehnsüchte. Es kommen also hübsche Jungfrauen, verwegene Recken, böse Schurken und klirrende Schwerter zum Zuge.“ (45) All die Versuche, das Mittelalter gegenwärtig werden zu lassen (Kleidung, Nahrung, Treffen, Märkte) scheint keine Flucht in die Zukunft zu sein, wie es noch vor ein paar Jahrzehnten war, sondern eher eine in die Vergangenheit.

Übrigens die PC-Spiele Anno, Siedler, schickten den Spieler wie viele andere (zB. Warcraft) auch in die Vergangenheit. Die ganze Mythenwelt unserer Vorzeiten erlebte eine fantastische Auferstehung. Anno schickt jetzt in die Zukunft. Eine Trendwende? Dort kann man freilich wählen: dunkle wirtschaftsorientierte, raffgierige Zukunft – grüne, heile Zukunft, die mit verantworterter und vorausschauender Technik die Natur erhält.

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