Christen machen eine Erfahrung – wie Menschen anderer Religionen auch – und diese Erfahrung versuchen sie in Sprache umzusetzen. Nehmen wir die Gotteserfahrung. Gott lässt sich, so der Glaube der Christen erfahren – und nun versuchen sie diese Erfahrung in Sprache zu kleiden – und können es freilich nur in der Sprache, in der sie zu Hause sind. In der Frühzeit formulierten Judenchristen diese Erfahrungen Gottes in Christus mit Hilfe ihrer jüdischen Tradition. Mit dem Übergang zur griechisch-römischen Welt formulierten sie ihre Erfahrungen mit den Sprachmustern der Griechen und Römer. Am meisten Eindruck machten jedoch durch all die Jahrhunderte hindurch die Menschen, die in der Tat ihren Glauben zum Ausdruck gebracht haben. In der Gegenwart vermeidet man manchmal die Sprache des Mythos und verwendet die Sprache der Philosophie – man vermeidet manchmal die Sprache der Philosophie und verwendet manchmal die Sprache der Tat. Die wissenschaftlich geschulten Kreationisten versuchen den Glauben in der Sprache der Wissenschaft zu formulieren, was mancher Wissenschaftler und Laienwissenschaftler – auch Glaubende – vehement ablehnen. Dass unterschiedliche “Sprachen” verwendet werden, bedeutet aber nicht, dass es keinen Gott gibt, der in Jesus Christus gehandelt hat. Das bedeutet eben nur: Gott spricht durch die Seinen in der Sprache, in der die jeweilige Zeit ihn verstehen kann.
Wenn nun jemand sagen sollte: Aber das philosophische Geschwurbel kann keiner verstehen – dann muss man sagen: Du nicht – aber Philosophen versuchen es. Oder: Das Handeln ist doch zu primitiv – dann muss man fragen: Für wen? Für die vielen, vielen Menschen, denen geholfen wird? Das bedeutet, dass jede Zeit nicht nur eine Sprache spricht. Übrigens nennt man die Umsetzung des Glaubens in eine neue Kultur: Inkulturation.
Apropos Glaubenssprache: Christlicher Glaube und Kunst scheinen – etwas übertrieben ausgedrückt – wie zwei Seiten einer Medaille. Wie kommt das eigentlich? Möglicherweise bringt das Loben Gottes Seiten des Menschen in Schwingung, die sich in allen möglichen Künsten äußern müssen: Architektur, Musik, Bilder, Skulpturen, Texten, liturgischen “Sprachen”… (Freilich ist Kunst auch anderen Religionen nicht fremd – bei manchen mehr, bei manchen weniger.)