Gott zerbricht ständig unsere Bilder, die wir uns von ihm machen – wenn wir nicht seine Selbstvorstellung in Jesus am Kreuz akzeptieren. Wir stellen uns Gott vor, wie sich alle Menschen irgendeinen Gott vorstellen: allgroß, allmächtig, allstark. Und dieser selbst erfundene Gott hängt sicherlich nicht geschunden in Jesus Christus am Kreuz. Und weil wir uns Gott nicht wirklich als den vorstellen, der in Jesus Christus am Kreuz leidet, können wir Gott vorwerfen, dass er unserem Bild vom starken Gott nicht entspricht. Gott, wo warst du, als die Katastrophe kam? Gott, warum muss ich leiden? Gott, warum…? Gott, du missbrauchst unser Vertrauen in dir! Gott, so wollen wir dich aber nicht sehen… Doch Gott zeigt sich am Kreuz Jesu Christi – nicht nur, aber auch am Kreuz Jesu Christi. Und als solcher ist er den Menschen im Leiden nah. So ist das Leiden des Menschen auch ein Leiden in der Gemeinschaft mit Jesus Christus.
Zu dem Bild heißt es in dem Buch “Christus. der Menschensohn in der abendländischen Plastik” (Herder, Freiburg 1980): “Ganz und gar vergessen dagegen waren Extreme… wie der heute wieder berühmte `Devot Christ de Pepignan´ der 1307 datiert und…aus Köln stammt.” (78) Mit dieser Plastik hat im 13./14. Jahrhundert ein Mensch verstanden, was Luther später als “Theologia crucis” (Theologie des Kreuzes – gegen die Theologie der Herrlichkeit) in den Fokus gerückt hat: Kirche ist nicht im Besitz der Herrlichkeit Gottes, sie hat die Aufgabe, unter dem Kreuz die Botschaft vom Kreuz zu verkünden. Im Kreuz Jesu wie in dem Kreuz, das jeder zu tragen hat, wird die Liebe Gottes zu uns Menschen deutlich. Dadurch erwies sich Luther als aufmerksamer Schüler des Apostels Paulus, der über diese “Dummheit” im 1. Brief an die Korinther intensiv nachgedacht hat: 1,18 ff. Freilich ist der Gekreuzigte auch der Auferstandene – aber der Auferstandene ist auch der Gekreuzigte. Weil er Gekreuzigter ist, darum wird uns deutlich, dass er den leidenden Menschen nicht allein lässt, sondern in ihm anwesend ist. Gott ist im geschundenen Menschen anwesend (vgl. Matthäusevangelium 25,31ff.). Das ist Gottes Weg angesichts des Leidens – ob uns das Gottesbild passt oder nicht.
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