Nach dem Familiendrama in Beckmann und Plasberg, geht es in die dritte Runde: Der unartige Thilo war bei dieser Sendung nicht dabei. Dafür waren seine Freunde Broder und Köppel anwesend. Ich kann noch nicht so genau sagen, wer der Vater war - war es Ulrich oder Özdemir? Aber die Mama war wieder da. Sie hieß diesesmal Foroutan - nein, das war doch auch die Sevindim - zumindest hatten beide Mamas die gleiche Art, hysterisch ins Wort zu fallen und ihre emotionale Intelligenz voll auszuspielen.
Nun, was soll man sagen, nach dieser dritten Familiensitzung, in der der unartige Sohn Thilo diszipliniert werden sollte? Freund Köppel sagte dreimal dasselbe: Er wunderte sich als schweizer Freund, dass man in Deutschland nicht alles sagen dürfe, ohne dass man ihm dann seinen Beruf wegnehmen würde und dass sich die Politik so unangenehm in die freie Meinungsäußerung einmischt. Das fand die Mama Foroutan überhaupt nicht schlecht. Großmama Merkel hätte sich mutig vor uns gestellt, als der unartige Thilo begonnen habe, sie zu beleidigen. Das fand Freund Broder nicht besonders gut: Wer ist uns? Vor mich hat sie sich nicht gestellt, auch nicht vor den unartigen Thilo, im Gegenteil, sie hat ihn und alle, die nicht ihrer Meinung waren in die Pfanne gehauen. Weise redete - ich glaube doch, dass Özdemir der Papa war - Papa Özdemir auf Thilos Freund Broder ein: Es ist alles viel viel schöner und besser - auch möchte er kein Stammeskrieger sein. Darüber freuten sich sicher alle: Der einlullende Papa Özdemir als Stammeskrieger - ein furchtbarer Gedanke. Die Politiker hätten sehr schlimm versagt, aber jetzt, oh Licht, jetzt geht das Licht auf. Das meinte auch Mama Foroutan: Seit ca. 5 Jahren geht das Licht auf. Seit man mit ihnen spricht, auf sie hört, wird alles besser, türkische Jugendliche geben sich Mühe, und Mühe und die Deutschen seien so nett geworden, alle schwenken ihre Fähnchen und jubeln Özil zu und dann kommt der böse, unartige Thilo und macht alles, alles kaputt! Und sie unterstellte, dass der unartige Thilo und andere das nicht sehen würden, weil sie das nicht sehen wollten. In allen Sendungen wurde von Mamas und Papas und Onkels und Tantens dem unartigen Thilo sehr viel unterstellt. Man darf das. Dient ja einem guten Zweck - nur: Zugereisten darf man nichts unterstellen, dann kommen alle Familienbeauftragten von ARD und ZDF und aus der Regierung, und erheben drohend ihre Zeigefinger. Onkel Ulrich sagte am Anfang auch, dass Thilo unartig gewesen sei. Aber dann malte er große gesellschaftspolitische Bilder - die er warnend einleitete: aber sie dauern zwei Minuten! Was die anwesende Familienbetreuerin vom ZDF, Illner, zu einem Aufruf veranlasste - war es: Oh Gott!? Was schlussfolgerte Onkel Ulrich? Alle gingen von der Voraussetzung aus, dass die Gastarbeiter wieder gehen - und sie selbst wollten wieder gehen. Und dann blieben sie - und alle sind nun gespalten: Die Zugereisten und ihre Kinder und die Einheimischen und ihre Kinder. Mit schreckgeweiteten Augen sagen alle: Was, die sind noch da? Oder: Was, wir sind noch da? Und gleichzeitig sagen alle: Die sollen noch bleiben!? Oder: Wir wollen immer bleiben! Und dann sagt die politische Elite: Ihr sollt wollen, dass sie bleiben, sie wollen jedoch selbst mit denen nichts zu tun haben. Und diejenigen, die sie nicht haben wollen, müssen ständig mit denen zu tun haben. Oh, oh, da scheint der unartige Thilo auf Onkel Ulrich abgefärbt zu haben. Manche Dinge darf man nicht sagen! Darf man nicht sagen? Das, was der unartige Thilo sagte, haben schon immer alle gesagt - da war man sich in der Runde einig. Aber, so bewies Mama Foroutan eifrigst: er sagte es mit den falschen Zahlen, falsche Zahlen, alten Statistiken! Da sagte Freund Köppel: Aber das ist doch egal, dennoch darf er sagen, was er will. Mama Foroutan muss ja auch nicht ihren Beruf aufgeben, wenn sich herausstellen sollte, dass ihre Zahlen den Abend nicht überlebten. Und Freund Broder? Er war ganz witzig und sarkastisch: Er möchte zwischen allen Zugereisten eine polnische Nische im Land behalten, und sein innerer Reichsparteitag würde soeben erwacht sein, Fußball würde ihm am Arsch vorbeigehen, sagte er, nachdem Mama Foroutan über die muslimischen Fußballspieler gejubelt hatte. Am Ende wünschte er sich, deutsche Frauen wären so schön wie Mama Foroutan. Da wusste die Mama nichts mehr zu sagen. Familientherapeutin Illner wird die nächste Sendung sicher unter dem Thema gestalten: Frauendiskriminierung - das dann auf türkisch oder englisch? Weil die Therapeutin es nicht so schlimm fände, wenn akademische Kreise englisch sprächen und die Leute von der Straße türkisch. Es ist nämlich nicht so einfach, heute einer Frau zu sagen, sie sei schön, wenn das nicht das Thema ist.
Impressum auf www.wolfgangfenske.de – http://literarisches.wolfgangfenske.de/3.html
3.9.2010 bei 07:24
In Sachen Sarrazin ist jetzt der Bundespräsident am Drücker. So wie ich gestern hörte, könnte er ihn rechtlich gar nicht entlassen. Das sagen wohl so ziemlich alle Fachleute. Allerdings ist derWulff ja ein Bundespräsident von Merkels Gnaden, d.h. er wird ihn schon entlassen. Der Weber von der unabhängigen Bundesbank ist ja in Sachen Sarrazin auch dann erst gesprungen, als die Merkel rief. Gut, dass die Bundesbank nicht mehr für unser Geld zuständig ist.
3.9.2010 bei 18:10
Welt-Online heute, am 03-09-11:
“Seit 20 Jahren ist Deutschland wieder vereint. Es wird zum ersten Mal in seiner Geschichte von einer Frau regiert, dazu einer, die ihre politische Karriere als Sekretärin für Agitation und Propaganda bei der Freien Deutschen Jugend der DDR begonnen hat. Deutsche Truppen stehen am Hindukusch, patrouillieren am Horn von Afrika, im Sudan, auf dem Balkan und vor der libanesischen Küste. Deutschland wird von einem schwulen Außenminister vertreten, der Stellvertreter Christi auf Erden ist ein Deutscher. Im Fußball sind wir Weltmeister der Herzen und im Maschinenbau Exportweltmeister. …..Man könnte also annehmen, die Deutschen seien einerseits vollkommen normal geworden und zugleich in der Lage, mit außergewöhnlichen Situationen souverän umzugehen. Es wäre eine falsche und eine voreilige Annahme. Was wir derzeit in Deutschland erleben, ist der Ausbruch einer kollektiven Hysterie, bei der vor allem die Angehörigen der informellen und intellektuellen Eliten die Contenance verlieren. Deutschland rastet aus. Anlass ist ein Buch mit dem Titel: „Deutschland schafft sich ab”.
Und als gäbe es in Deutschland wieder eine Reichsschrifttumskammer, die für Sprachregelung zuständig wäre, wurde die Floskel „nicht hilfreich” inzwischen einige Tausend Mal wiederholt: von andern Politikern, Kommentatoren und den Linienrichtern der „Political Correctness”. Die Interviews, die mit dem Verfasser des „wenig hilfreichen” Buches gemacht werden, gleichen Verhören, wobei das abschließende Urteil von vornherein feststeht: wenig hilfreich, kontraproduktiv, der Integration abträglich und dem deutschen Ansehen im Ausland nicht bekömmlich. Allesamt Kriterien, mit denen autoritäre und totalitäre Regimes ihre Kritiker stillzulegen versuchen. Der Gedanke, dass eine Demokratie vor allem von „falschen” Meinungen lebt, die eine Diskussion befördern, ist im Abgrund der kollektiven Empörung verschwunden…..usw.,usf.
Dem ist nichts hinzuzufügen. Wer Ohren hat zu hören, der höre die Signale. Wer Augen hat zu sehen, der schau sich das Desaster an. Wer einen Mund hat, der auch sprechen -und nicht allein “essen” kann, der mache ihn auf und sage,
was die, die es sagen müssten, nicht sagen wollen…..
Das Echolot