Sendung bei Beckmann gesehen. Anwesend waren: Papa Yogeshwar, die wissenschaftliche Autorität schlechthin, Mama Künast, Sohn Thilo, Tochter Aygül Özkan, Onkel Scholz.
Papa Yogeshwar erhob wiederholt freundlich seinen Zeigefinger und ermahnte seinen unartigen Sohn Thilo, weil er von Wissenschaft und Wissenschaftlern, die dieser nennt, so gar nichts verstanden habe und ein paar Jahrhunderte zu spät leben würde. Als der unartige Thilo sagte, die Türken würden aber zu viel unter sich heiraten, sagte Papa Yogeshwar, man sähe doch an ihm, dass er eine deutsche Frau habe. Aber das war allen neu, dass Papa Yogeshwar dachte er sei ein Türke. Schwester Aygül wurde immer kleiner, doch dann größer und fing einmal fast an zu weinen, weil der Thilo so unartig war und böses über ihre Freunde gesagt hat – oder weil sie so gerührt war darüber, dass ihre lieben Freunde immer besser und schöner werden. Onkel Genosse Scholz, sagte, dass der unartige Thilo die Ziele vertritt, die alle in der Familie vertreten würden, aber der Weg dahin sei doch sehr unartig. Und weil er den zweiten Teil des Satzes nicht ausgesprochen habe, darf er nicht mehr mit der SPD-Familie mitspielen. Mama Künast wollte nicht so viel Zahlen sehen, sie rief immer in die Runde: Aber der Mensch hinter den Zahlen, der Mensch hinter den Zahlen. Sohn Thilo nuschelte denkend unverständlich in sich hinein: Wegen den Menschen sag ich ja die Zahlen. Und weil die Familie nicht mit sich allein klar kam, hat man noch einen entfernteren Onkel dazu geholt. Er war glücklich, dass die Araberjungen deutsche Mädchen wollen und dass sie den Jungen, die kein Deutsch könnne, Deutsch mit Rap beibringen – aber ohne Scheißsprache. Aber ein ernstes Wort hatte er doch für die fremdsprachigen Jünglinge: Mein Sohn muss auch fürs Abi hart schuften – also auch ihr. Und dann wurde noch eine Tante hinzugezogen, deren Namen ich nicht weiß, dafür kannte sie aber Statistiken und Zahlen, die sonst keiner kannte. Der Familienstreit war recht zahm. Moderator Beckmann, der extra von dem Sozialamt ARD für diese Familie abgestellt war, führte den Streit mit harter Hand und Mama Künast fand es nicht gut da zu sitzen, weil sie in dieser Zeit doch vielen Migranten helfen könne, sich anzupassen. Da bewunderte man Mama Künast: Tag und Nacht tut sie nichts anderes, zu jeder Stunde und Minute nichts anderes, als sich um die armen Freunde von Schwester Aygün einzusetzen. Mama Künast war auch sehr müde. Wach wurde sie am Schluss, als der unartige Sohn Thilo seine Schwester mit falschem Namen ansprach – oh, oh – das gibt neuen Ärger.
Impressum auf www.wolfgangfenske.de – http://literarisches.wolfgangfenske.de/3.html